Darum gehts
- Kriegsklauseln und -versicherungen werden durch Iran-Krieg und Nahostkonflikt populär
- Prämien für Kriegsversicherungen seit 2024 um bis zu 1000 Prozent gestiegen
- 2025 zahlten Polen 19,3 Milliarden Franken für Versicherungsprämien
Der globale Konflikt wirkt sich nicht nur auf die Kraftstoffpreise aus – sondern auch auf den Versicherungsmarkt. Bisherige Nischenprodukte wie «Kriegsversicherungen» und spezielle «Kriegsklauseln» sind plötzlich unverzichtbar. Die Prämien für Logistikunternehmen sind um ein Vielfaches gestiegen. Denn auch Reisende suchen zunehmend nach Versicherungsschutz gegen kriegsbedingte Risiken.
Bislang waren «Kriegsversicherungen» und «Kriegsklauseln» kaum weit verbreitet. Doch was einst ein Nischenprodukt war, wird nun zum Mainstream, sagt Paweł Skotnicki, Versicherungsexperte beim polnischen Ableger des internationalen Branchenverbands Million Dollar Round Table (MDRT). Der erste Monat des Iran-Kriegs hat gezeigt, dass reale Ereignisse neue Ausgangslagen schaffen können. Versicherungspolicen, die einst nur wenigen Unternehmen zur Verfügung standen, haben nun für Unternehmen und Reisende gleichermassen Priorität.
Prämien seit 2024 um 1000 Prozent gestiegen
Sogenannte Kriegsklauseln schützen Sachwerte und decken medizinische Kosten ab, sind jedoch mit hohen Kosten verbunden – die Prämien für solche Versicherungen sind im Vergleich zu 2024 um bis zu 1000 Prozent gestiegen. Der Krieg im Nahen Osten zeigt, wie globale Ereignisse private Entscheidungen beeinflussen. Viele, die Ferien in Dubai oder den Nachbarländern planen, stornieren ihre Reisen oder entscheiden sich für eine Spezialversicherung.
Im Jahr 2025 wuchs der polnische Versicherungsmarkt sowohl hinsichtlich der Anzahl der Verträge als auch der Bruttoprämieneinnahmen. Bis zum Jahresende gab es 25,5 Millionen aktive Lebensversicherungsverträge, wobei die Polen insgesamt 90,6 Milliarden Zloty (19,3 Milliarden Franken) für Versicherungsprämien ausgaben.
«Der erste Monat des Nahostkonflikts verdeutlicht auf eindringliche Weise, wie sich globale Ereignisse auf lokaler Ebene auswirken. Die Kraftstoffpreise steigen. Und viele, die Ferien in den jetzigen Konfliktgebieten geplant haben, sagen ihre Reise entweder ab oder schliessen Versicherungsprodukte ab, die zuvor kaum Beachtung fanden. Wir beobachten zudem erhebliche Veränderungen in der Einstellung der Unternehmen», erklärt Wirtschaftsexperte Skotnicki, der Präsident von MDRT Polen ist.
Skotnicki erläutert den Hintergrund von «Kriegsversicherungen» und «Kriegsklauseln» so: Diese Produkte haben normalerweise nur begrenzte Attraktivität. Unternehmen versuchen, ihre Lieferketten so zu gestalten, dass sie Risiken vermeiden und gleichzeitig die Rentabilität wahren können. Dieser Ansatz ist angesichts der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sowie eines instabilen geopolitischen Klimas mit schwankenden Rohstoffpreisen nicht mehr haltbar.
Erster Anstieg wegen Ukraine-Krieg
«Dies ist ein klassischer Fall, in dem das Leben das Drehbuch schreibt. Ein Nischenprodukt wird plötzlich zum Mainstream. Was schon immer teuer war und hauptsächlich von spezialisierten Firmen nachgefragt wurde, hat nun Priorität. Wen man global tätig ist, ist es besser, abgesichert zu sein», sagt Skotnicki.
Das Interesse an Kriegsklauseln stieg 2022 wegen des Ukraine-Kriegs sprunghaft an, liess dann aber nach, um nun in noch grösserem Umfang und zu deutlich höheren Preisen zurückzukehren. Laut Skotnicki sind solche Versicherungslösungen aber nicht für alle geeignet.
Auch Touristen wollen sich absichern
Kriegsversicherungen für Unternehmen decken Schäden durch Krieg, Sabotage und Terrorismus ab. Sie sind jedoch schwer zu erhalten, da Standardpolicen solche Risiken ausschliessen. Der zusätzliche Schutz ist hauptsächlich über Sonderklauseln verfügbar. Diese Klauseln sind besonders nützlich für Unternehmen, die in der Strassen- oder Seelogistik tätig sind und sich Sorgen um Sabotage oder die Beschlagnahmung von Vermögenswerten machen.
Was den Tourismus betrifft, stellt Skotnicki fest, dass Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate und in benachbarte Länder fast zum Erliegen gekommen sind. Dagegen reisen Touristen weiterhin nach Ägypten, ohne ein nennenswertes Risiko zu erkennen. Dennoch gibt es häufig Anfragen nach Zusatzversicherungen.
«Kriegsklauseln werden von Versicherungsmaklern schon seit Jahren angeboten, waren aber selten beliebt. Sie stehen im Widerspruch zur Vorstellung einer sicheren Feriendestination – schliesslich macht niemand Urlaub an gefährlichen Orten. Normalerweise interessieren solche Klauseln diejenigen, die beruflich in potenziell riskante Gebiete reisen. Touristen fragten selten danach, aber angesichts der Lage im Nahen Osten wären sie sehr nützlich. Man darf jedoch nicht vergessen, dass diese Klauseln teuer sind», fügt Skotnicki hinzu.
Was die Policen abdecken
Der Experte weist zudem darauf hin, dass nicht nur Touristen, sondern auch Investoren und Inhaber von Reisebüros, die früher zwischen Europa und Dubai pendelten, nun mit grösseren Herausforderungen und Risiken konfrontiert sind. Dies hat zu vermehrten Fragen zum Thema Versicherung und zum Abschluss solcher Policen geführt.
Die meisten vor Ausbruch des Iran-Kriegs abgeschlossenen Policen enthalten eine passive Schutzklausel oder eine Klausel für unerwartete Notstände und Krieg. Diese gewährleistet in der Regel die Deckung von medizinischen Kosten und Transportkosten für bis zu sieben Tage ab Beginn des Konflikts – vorausgesetzt, der Versicherte ist nicht aktiv an den Kämpfen beteiligt und die Police war bereits in Kraft, bevor das Gebiet gefährlich wurde.
Wird eine Kriegsklausel aktiviert, umfasst der Versicherungsschutz in erster Linie Krankheitskosten, Hilfeleistungen und Unfallfolgen, sofern es sich um plötzliche Ereignisse handelt und der Versicherte ausschliesslich passiv daran beteiligt ist.
Dieser Artikel erschien zuerst auf Fakt.pl. Die polnische Newsplattform gehört wie Blick zum Ringier-Verlag.