Trump stellt Ultimatum
Zurück in den Tanker-Krieg in der Strasse von Hormus?

48 Stunden, dann droht der Knall: Trump stellt dem Iran ein Ultimatum zur Öffnung der Strasse von Hormus – sonst folgen Schläge gegen die Energieinfrastruktur. Die Lage erinnert fatal an die 80er-Jahre, als Tanker-Eskorten in einer Eskalationsspirale mündeten.
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Auf Eskalationskurs: Der Flugzeugträger USS Boxer im Persischen Golf – ein Einsatz, der schnell zur gefährlichen Wiederholung der Geschichte führen könnte.
Foto: Imago

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Chiara SchlenzAusland-Redaktorin

48 Stunden. Dann will Donald Trump (79) Resultate sehen. «Wenn der Iran die Strasse von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden ab genau diesem Zeitpunkt vollständig und ohne Bedrohung öffnet, werden die USA seine verschiedenen Kraftwerke angreifen und vernichten, beginnend mit dem grössten!» Das schrieb der US-Präsident am Sonntag um 0.44 Uhr Schweizer Zeit auf Truth Social. Das Ultimatum läuft entsprechend in der Nacht von Montag auf Dienstag aus – um 0.44 Uhr Schweizer Zeit.

Die Strasse von Hormus soll wieder offen sein. Sonst drohen US-Schläge gegen Irans Energieinfrastruktur. Am Sonntag reagierte die iranische Revolutionsgarde: Sollten die USA iranische Energieanlagen angreifen, werde die Seestrasse von Hormus vollständig geschlossen. Was nach harter Machtpolitik klingt, weckt bei Militärhistorikern vor allem eine Erinnerung: Genau so hat es schon einmal begonnen.

Als Hormus schon einmal brannte

Die Parallelen zu den 1980er-Jahren sind frappant. Damals eskalierte der Krieg zwischen Iran und Irak in die sogenannte «Tanker-Krieg»-Phase. Beide Seiten griffen gezielt Öltanker an, um die Wirtschaft des Gegners zu treffen. Schnell wurde der Persische Golf zur Gefahrenzone – und die USA wurden damals zum unfreiwilligen Akteur.

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Stillstand im Nadelöhr: Vor Hormus stecken Frachter fest, nachdem Iran die Meerenge faktisch blockiert hat – die globale Energieversorgung gerät ins Wanken.
Foto: Getty Images

Als Kuwait um Hilfe bat, entschied sich Washington für ein drastisches Mittel: Tanker wurden unter US-Flagge gestellt und von Kriegsschiffen eskortiert. Operation «Earnest Will» begann – und mit ihr eine Serie von Zwischenfällen, die heute wie ein Drehbuch für die aktuelle Krise wirken.

Der erste Fehler – und seine Folgen

Noch bevor die Eskorten richtig anliefen, kam es zur ersten Katastrophe: Die USS Stark wurde 1987 von einer Rakete getroffen – abgefeuert von einem irakischen Jet, der das Schiff offenbar falsch identifiziert hatte. 37 US-Soldaten starben. Ein «Unfall», der zeigt, wie schnell sich ein begrenzter Einsatz in eine Tragödie verwandeln kann.

22. Oktober 1987: Ein Hubschrauber der US-Marine weist dem 12. kuwaitischen Tankerkonvoi unter neuer US-Flagge den Weg. Zwei Tanker werden von vier US-Kriegsschiffen und einem US-Hubschrauberträger eskortiert.
Foto: Getty Images

Doch es blieb nicht dabei. Wenige Wochen später lief ein eskortierter Supertanker auf eine iranische Mine. Die Bilder der brennenden Schiffe gingen um die Welt. US-Kriegsschiffe, die hinter einem schwerbeschädigten Öltanker herfuhren – ausgerechnet er hatte die Minen «aufgedeckt». Ein strategisches Desaster und ein symbolischer Gesichtsverlust.

Vom Zwischenfall zur Eskalation

Die USA reagierten, verstärkten ihre Präsenz, schickten mehr Schiffe – und gerieten tiefer in den Konflikt hinein. 1988 traf es die USS Samuel B. Roberts: Eine Mine riss ein Loch in den Rumpf, das Schiff entging nur knapp der Zerstörung. Die Antwort folgte wenige Tage später: Operation «Praying Mantis», der grösste US-Seeangriff seit dem Zweiten Weltkrieg. Iranische Plattformen wurden zerstört, Schiffe versenkt – eine massive Eskalation, ausgelöst durch eine einzelne Mine.

Genau diese Logik droht sich nun zu wiederholen.

Die Gegenwart als Warnsignal

Denn auch heute steht die Idee im Raum, Tanker wieder unter militärischen Schutz zu stellen. Und wieder geht es um denselben Gegner, dieselbe Region, teilweise sogar dieselben Methoden: Minen, Schnellboote, asymmetrische Angriffe. Der Unterschied: Der Iran ist heute besser vorbereitet – technologisch, taktisch, mental.

Und die Gegenwart liefert bereits die ersten Vorboten dieser Eskalation. Der Iran hat die Meerenge faktisch blockiert, setzt Drohnen und Raketen ein und droht offen mit Angriffen auf westliche Energieinfrastruktur. Gleichzeitig bereiten die USA genau jene Optionen vor, die schon in den 80ern zur Spirale führten: gezielte Schläge gegen Abschussrampen, mögliche Tankereskorten, Unsicherheit über verminte Seewege. Selbst innerhalb der US-Regierung herrscht Uneinigkeit, wie weit man gehen soll – ein gefährliches Signal in einer ohnehin angespannten Lage.

Die grösste Konstante: das Chaos

Die vielleicht gefährlichste Konstante aber ist eine andere: die Unberechenbarkeit. Schon in den 80ern zeigte sich, dass nicht strategische Grossentscheide die Eskalation treiben, sondern kleine, unkontrollierbare Momente. Ein Pilot, der ein Ziel falsch einschätzt. Ein Schiff, das in ein unsichtbares Minenfeld gerät. Ein Kommandant, der zu spät reagiert.

Heute kommt ein weiterer Faktor hinzu: Tempo. Drohnen, präzisere Raketen, dichtere Überwachung – Entscheidungen fallen schneller, Fehler passieren schneller, Reaktionen kommen schneller. Was damals Tage dauerte, kann heute innert Minuten eskalieren.

Ein Countdown ohne Bremse

Trumps Ultimatum wirkt vor diesem Hintergrund wie ein historischer Echoeffekt. Wieder stehen die USA vor der Wahl: weiter eskalieren – oder sich zurückziehen. Und wieder zeigt die Geschichte, dass genau solche Missionen selten begrenzt bleiben.

Die eigentliche Gefahr liegt nicht in der Drohung selbst. Sondern in dem, was danach passiert. Denn wenn Hormus eines gelehrt hat, dann das: Eskalation beginnt selten mit einem grossen Schlag. Sondern mit einem kleinen Fehler – zur falschen Zeit, am falschen Ort.

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