Europa will beim Iran-Krieg nicht helfen – der US-Präsident schäumt
Wie sich Trump an Europa rächen kann

Er droht mit dem Rückzug von der Nato. Es gibt aber auch andere Massnahmen, mit denen Donald Trump Europa wegen der verweigerten Hilfe im Nahen Osten schaden kann.
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Mit der Nato auf Konfrontationskurs: Donald Trump ärgert sich über die Hilfs-Verweigerung.
Foto: Getty Images

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Guido FelderAusland-Redaktor

Donald Trump (79) schäumt vor Wut. Als «ziemlich schockierend» bezeichnet er den Korb, den ihm Europa für seinen Hilferuf gegeben hat. Er hatte mehrere Nato-Staaten aufgefordert, ihm bei der Minenräumung in der so wichtigen Seestrasse von Hormus zu helfen. Die explosive Blockade der Iraner bringt den Handel weltweit zum Erliegen und treibt die Preise in die Höhe. Der republikanische Senator Lindsey Graham (70) aus South Carolina schreibt über Trump auf X: «Ich habe ihn noch nie so wütend erlebt.»

Der US-Präsident droht als Rache für die verweigerte Hilfe mit einem Rückzug aus der Nato. Das würde bedeuten, dass Europa – etwa bei einem Angriff Russlands – auf sich alleine gestellt wäre. Doch es muss nicht gleich ein Nato-Austritt sein. Es gibt auch andere Massnahmen, mit denen Trump Europa empfindlich treffen kann.

Sicherheit entziehen

Die europäischen Staaten sind bei der Luftabwehr und im Geheimdienst stark von amerikanischen Informationen abhängig. Trump hat bereits begonnen, unwillige Partner mit dem Datenentzug zu bestrafen. Vor allem die Ukraine spürt den Verlust dieser Informationen. Die Sicherheit schwindet schlagartig, wenn Trump dann US-Truppen aus Ländern wie Deutschland abzieht. Statt formal auszutreten, könnte Trump die Nato also weiter von innen aushöhlen.

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Am 28. Februar haben die USA und Israel zum Angriff auf den Iran geblasen.
Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Kosten eintreiben

In Trumps Politik geht es immer ums Geld. Auch wenn die USA in der Nato verblieben, könnte er in Zukunft die Leistungen der US-Armee an andere Nato-Staaten verkaufen. Trump könnte von anderen Staaten auch definitiv 5 Prozent des BIP für die Verteidigung verlangen. Wer nicht liefert, wird als Trittbrettfahrer gebrandmarkt und im Ernstfall ignoriert.

Strafzölle erhöhen

Das ist sein Lieblingsinstrument, um einerseits andere zu bestrafen und andererseits die eigenen Kassen zu füllen. Bei dieser Massnahme gibt es zwei Möglichkeiten: Er belegt unwillige Länder mit weiteren Strafzöllen. Oder er fordert für die Passage der Strasse von Hormus – die er ja jetzt alleine sichern muss – oder anderer wichtiger Routen wie den Panamakanal Gebühren.

Europa spalten

Trump ignoriert Brüssel schon heute und verhandelt lieber mit einzelnen Staaten. Ein mögliches Szenario: Die «Lieben» bekommen Schutz und Deals, die «Bösen» werden abgestraft. Die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas (48) sagte in einem Interview: «Die USA haben ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass sie Europa spalten wollen.»

Energie verteuern

Mit der Verzögerung oder gar Aussetzung von Exportgenehmigungen für Flüssiggas kann Trump die europäische Energiekrise verschärfen. Das allerdings wäre heikel, weil er damit auch amerikanische Exportunternehmen träfe.

Grönland besetzen

Um Grönland ist es wieder still geworden. Die zum Königreich Dänemark gehörende Insel könnte aber wieder zum Thema werden. Trump will sie «unbedingt», hatte er ja Anfang Jahr gesagt. Eine Besetzung und Annexion der kaum besiedelten, strategisch wichtigen und an Bodenschätzen reichen Insel wäre für die US-Armee ein Leichtes. Allerdings ist ein solcher Schritt im republikanischen Lager äusserst unpopulär.

Nur nicht nachgeben

Die Rache könnte Europa mächtig schmerzen. Dennoch darf Europa laut Trump-Experte Philipp Adorf von der Universität Bonn nicht einknicken. «Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass Zugeständnisse selten das Ende der Forderungen des Weissen Hauses markieren.»

Ganz im Gegenteil! Komme man Trump entgegen, ziehe er die Schlussfolgerung, dass er diese Taktik ständig wiederholen und schon Tage nach einer Einigung die nächsten Drohungen aufstellen könne.

Adorf verweist auch darauf, dass Trumps Handlungsspielraum in manchen Bereichen eingeschränkt sei. So sei der Nato-Beistand nicht an konkrete Ausgabenziele gekoppelt, und das Oberste Gericht habe ihn bei den Strafzöllen zurückgepfiffen. Adorf über Trumps mögliche Rache: «Trotz allem können die Europäer in gewisser Hinsicht entspannt in diesen Konflikt gehen.»

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