Plötzlich fleht Trump um Hilfe
Warum versagt die grösste Supermacht der Welt in der Strasse von Hormus?

Beim Krieg gegen den Iran beisst Trump auf Granit. Um die für den Handel so wichtige Strasse von Hormus zu sichern, braucht er die Hilfe anderer Staaten. Wir zeigen, wie sich die amerikanische Superarmee lächerlich macht.
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Schwimmende Bomben: Die Iraner haben die Strasse von Hormus vermint. (Archivbild aus Rumänien)
Foto: euronews

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Guido FelderAusland-Redaktor

Es war nicht so einfach, wie sich Donald Trump (79) das vorgestellt hatte. Die Iraner treffen mit ihren Raketen nicht nur empfindliche Stellen in den Golfstaaten, sie bringen mit der Blockade der Strasse von Hormus die ganze Weltwirtschaft – und damit natürlich auch die amerikanische – gefährlich ins Wanken.

Nun muss Trump um Hilfe betteln. Deutschland, Frankreich, Japan, Australien, Südkorea, ja sogar China sollen bei der Sicherung der wichtigen Wasserstrasse mithelfen. Auch den britischen Premier Keir Starmer (63) hat er angefragt, obwohl er dessen Hilfe noch vor wenigen Tagen verweigert und sogar ins Lächerliche gezogen hatte. Was ist nur mit den Amerikanern los? Nach den anfänglichen Präzisionsschlägen gegen Teheran versagt die grösste Militärmacht plötzlich.

Trump droht auch der Nato: Sollte es «keine Reaktion geben, oder sollte die Reaktion negativ ausfallen, wird dies, denke ich, sehr schlecht für die Zukunft der Nato sein», sagte der US-Präsident in einem Interview mit der «Financial Times». Es geht ihm vor allem um den Einsatz von Minensuchbooten, von denen Europa viel mehr besitze als die USA.

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Räumung von Seeminen: In sicherer Distanz wird die geortete Mine gesprengt. (Archivbild)
Foto: imago/photothek

Die Iraner waren schneller

Klemens Fischer, Geopolitiker und Sicherheitsexperte an der Universität Köln, erklärt, warum Trumps Superarmee auf einmal versagt: «Die Amerikaner und Israelis waren von einem begrenzten Krieg von bis zu fünf Tagen ausgegangen. Sie haben nicht erwartet, dass die Iraner mit dieser Heftigkeit reagieren würden.» Vor allem sei das Mullah-Regime den Amerikanern mit der Verminung der Strasse von Hormus zuvorgekommen. «Weil Trump dieses Szenario nicht auf dem Radar hatte, fehlt es den Amerikanern vor Ort nun an Minenräumbooten.»

Bis die Amerikaner weitere Ausrüstung eingeflogen und programmiert haben, dauert es zu lange. Andere Staaten, vor allem europäische, liegen näher und wären schneller einsatzbereit. Doch auch hier droht ein Problem: Um nicht ganz Afrika umfahren zu müssen, brauchen sie die Durchfahrt durch den Suezkanal. Ob die Ägypter aber dazu grünes Licht geben würden, ist fraglich. «Kairo hat kein Interesse daran, in den Krieg hineingezogen zu werden», sagt Fischer.

Dreistufige Sperre der Meeresenge

Die Iraner haben sich rechtzeitig und gründlich auf das Szenario Sperrung der Strasse von Hormus vorbereitet. Fischer: «Sie haben eine dreidimensionale Sperre errichtet, bei der eine Variante immer funktioniert.» So funktioniert die Sperre: 

  1. Minen: Der Iran verfügt über verschiedene Varianten von Minen. Grundminen werden abgeworfen, sinken auf den Meeresboden und tauchen auf, wenn sie Schraubengeräusche hören. Treibminen sind jene Bomben, die auf dem Wasser schwimmen. Ankertauminen werden mit einem Seil so am Meeresgrund verankert, dass sie knapp unter der Wasseroberfläche – und somit unsichtbar – auf Schiffe warten.

  2. Luftangriffe: Der Iran ist Meister im Bauen von Raketen und Drohnen. Offenbar verfügen die Mullahs in ihren Verstecken immer noch über ein grosses Arsenal, mit dem sie Schiffe ins Visier nehmen können. 

  3. Schnellboote: Der Iran hat an der Küste viele Kavernen, in denen kleine Sturmboote warten. Sie sind mit Raketen und Torpedos ausgestattet. Fischer: «Sie rasen schnell zum Einsatz und ziehen sich wieder zurück. Es ist fast unmöglich, sie zu finden.»

Komplizierte Räumung

Die Minenräumung ist äusserst aufwendig. Spezielle Minenjagdboote scannen den Meeresboden mit einem sensiblen Sonarsystem. Oft sind die Schiffe aus Holz oder Kunststoff, damit sie keine Magnetminen auslösen. Anschliessend werden Unterwasserdrohnen oder Taucher losgeschickt, die das Objekt identifizieren und eine Sprengladung zur kontrollierten Zündung anbringen.

Minen auf oder knapp unter der Wasseroberfläche können auch durch Schleppvorrichtungen, die von Schiffen gezogen werden, gekappt und in sicherer Entfernung zur Explosion gebracht werden. Zum Einsatz kommen auch Räumgeräte, die starke Magnetfelder oder Geräusche erzeugen und so ein Schiff simulieren und die Minen aktivieren.

Minen tricksen Menschen aus

Doch moderne Minen sind intelligent. Sie besitzen oft Zählschaltungen: Sie explodieren teilweise nicht schon beim ersten Schiff, sondern später. Damit können sie durch Räumgeräte nicht immer sofort erkannt und zur Explosion gebracht werden. Weiter können die Iraner in der Strasse von Hormus Minen ferngesteuert deaktivieren, wenn ein befreundetes Schiff passieren will.

Die Staaten, die Trump um Hilfe ersucht, wollen sich nicht die Finger verbrennen. Bereits haben Deutschland, Australien und Japan abgesagt. Von den anderen Ländern liegen noch keine definitiven Antworten vor.

Das Versäumnis der amerikanischen Superarmee kommt Trump teuer zu stehen. Fischer: «Trumps Hilferuf zeigt, wie verzweifelt die USA sind. Mit ihrer Planlosigkeit machen sie sich jeden Tag immer lächerlicher.»

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