Darum gehts
Sie ist die gefährlichste Strasse der Welt. Und seit gestern gibt es definitiv kein Durchkommen mehr. Die Strasse von Hormus, die Meerenge zwischen dem Iran und den Golfstaaten, ist das Nadelöhr des internationalen Ölhandels. 20 Prozent des schwarzen Goldes müssen auf ihrem Weg an unsere Zapfsäulen durch die gerade mal 39 Kilometer breite Passage.
Seit gestern ist das unmöglich. Und Feldherr Donald Trump (79) hat keine Möglichkeit, daran bald etwas zu ändern.
Der Grund: Das iranische Regime hat laut Berichten von US-Geheimdiensten erstmals Seeminen in der Meeresenge ausgelegt, spezifisch in den beiden je rund drei Kilometer breiten Schiffsverkehrslinien, durch die die Öltanker fahren müssen.
Viele Minen sind es bisher zwar nicht, laut der US-Denkfabrik «Institute for the Study of War» weniger als ein Dutzend. Doch das reicht, damit die Angst unter den Reedereien und Versicherern derart gross wird, dass sich niemand mehr durch die gefährlichen Wasser wagt. Zu gross ist das Risiko, dass einer der Tanker über eine Mine fährt. Zahlreiche Tote und eine ökologische Katastrophe wären die garantierte Folge.
USA zogen Minenräumer ab
Der Iran hat auch andere Mittel, um die Schifffahrt durch die Strasse von Hormus zu stören. In den vergangenen Tagen haben die Mullahs mehrere Frachter mit Raketen, Drohnen und offenbar auch sprengstoffbeladenen ferngesteuerten Booten angegriffen.
Nichts aber ist so gefährlich wie die Mullah-Minen. Bis zu 6000 soll der Iran laut dem US-Militärgeheimdienst DIA besitzen. Darunter schlichte, auf dem Wasser schwimmende Sprengladungen und klassische Ankertauminen, die knapp unter der Wasseroberfläche lauern.
Dann aber auch topmoderne Minen, die erkennen können, welcher Schiffstyp gerade über sie drüberfährt. Kommt beispielsweise ein Minenräumungsboot, reagieren sie nicht. Wird der Wasserweg dann als minenfrei deklariert und fährt der erste Tanker über die Mine hinweg: bumm!
Ausgebracht werden diese Minen mit kleinen U-Booten oder Drohnen, meist aber mit Schnellbooten. 16 dieser verdächtigen Barken haben die USA bereits zerstört.
Darüber hinaus hat Amerika nicht viel in der Hand, um die hochexplosive Lage in der Strasse von Hormus zu entschärfen. Die vier Minenräumungsschiffe, die Washington in der Region hatte, wurden ausgerechnet im vergangenen September abgezogen. Die einzigen anderen spezialisierten Minenräumungsschiffe der Amis ankern derzeit vor Japan.
Zwar hat etwa die fünfte US-Navy-Flotte in Bahrain andere Mittel für die Minenräumung. Doch: Maritime Aufräumaktionen sind in unserer Zeit eine hochkomplexe Angelegenheit. Insbesondere, wenn sie in Artillerie- und Drohnenreichweite des Kriegsgegners stattfinden sollen. Der US-Präsident droht den Mullahs zwar «nie dagewesene Konsequenzen» an, wenn sie die ausgetragene Minensaat nicht sofort wieder einsammelten. Nur: Auf ihn hören wird das Regime nicht. Der neue Ayatollah Modschtaba Chamenei (56) hat am Donnerstagnachmittag geschworen, die Strasse von Hormus weiter zu blockieren.
Trump zapft strategische Reserven an
Die Tanker stecken also fest. Auch die Idee, Öltanker mit militärischen Begleitschiffen durch die Meeresenge zu schicken, wird erst umsetzbar, wenn die Minen weg sind. Die USA und 31 andere Länder der Internationalen Energieagentur haben bereits 400 Millionen Fässer Öl aus ihren strategischen Reserven freigegeben, um den Ölschock verdaubar zu machen.
Die USA steuern vorerst 172 Millionen Fässer bei. Das ist gut ein Drittel ihrer gesamten strategischen Reserven, die in riesigen Tanks in den Bundesstaaten Louisiana und Texas lagern. Allzu viel «spatzig» hat Trump also nicht, falls die Mullahs ihre Minen-Strategie konsequent fortsetzen.
Die Benzinpreise in den USA – seit Jahrzehnten ein guter Indikator für die Zufriedenheit im Land – sind binnen zwölf Tagen von durchschnittlich 2,98 US-Dollar pro Gallone (3,78 Liter) auf 3,58 US-Dollar gestiegen. Die US-Demokraten kosten das bereits genüsslich aus. In knapp acht Monaten stehen in Amerika die wichtigen Zwischenwahlen an. Die Minen der Mullahs könnten den Wahlausgang entscheidend beeinflussen – nicht zugunsten des amerikanischen Machthabers.