Peking reagiert auf den Iran-Krieg mit einer eigenen Taktik
Das unheimliche Schweigen der Chinesen

Die Chinesen reagierten zwar etwas empört, als die USA Venezuela und den Iran angegriffen haben. Dennoch helfen sie ihren engen Verbündeten nicht direkt. Aus gutem Grund, sagt die Expertin.
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Setzt auf Geduld und Zurückhaltung: Xi Jinping hat bisher kaum auf die US-Militäraktionen reagiert.
Foto: keystone-sda.ch

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Guido FelderAusland-Redaktor

Donald Trump (79) hat innert kurzer Zeit zwei Staatschefs ausgeschaltet, die China sehr nahestanden. Am 3. Januar entführten US-Truppen den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro (63), am 28. Februar wurde der Oberste Führer des Irans, Ali Chamenei (†86), bei einem Luftangriff getötet. Mit beiden Ländern unterhält Peking enge wirtschaftliche Beziehungen.

Doch trotz der engen Freundschaft mit diesen Staaten kommen aus China kaum Signale der Empörung. Peking hält sich mit einer Verurteilung der US-Angriffe auffallend zurück. Holt China im Schatten des Iran-Kriegs selber zu einem Schlag aus? Oder hat dieses Schweigen etwas anderes zu bedeuten?

Es waren sehr zurückhaltende Töne aus Peking. Nach dem Angriff auf Venezuela sagte eine chinesische Regierungssprecherin: «China ist zutiefst schockiert über den eklatanten Gewalteinsatz der USA gegen einen souveränen Staat und die Aktion gegen seinen Präsidenten.» Als die Amerikaner den Krieg gegen den Iran eröffneten, tönte es ähnlich: «China lehnt die von den USA und Israel durchgeführten Militärschläge gegen den Iran ab, die gegen das Völkerrecht verstossen.»

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Im Krieg gegen den Iran haben die Amerikaner und Israelis Ölfelder angegriffen.
Foto: IMAGO/Anadolu Agency

Viel mehr kam aus Peking nicht. Eine militärische Unterstützung der angegriffenen Länder war überhaupt kein Thema – trotz freundschaftlicher Verbindungen. 

In Venezuela hatte China über Jahrzehnte Milliarden von Dollar investiert oder Kredite gewährt. Mit dem Iran hatte China 2021 einen 25-jährigen Kooperationspakt unterzeichnet. Im Wert von über 400 Milliarden Dollar wollten sich die beiden Länder bei Infrastruktur, Rüstung und Energie unterstützen.

China sucht Stabilität

Simona A. Grano, China-Expertin an der Universität Zürich, erklärt: «Peking reagiert auffallend zurückhaltend auf den Iran-Krieg, weil China in erster Linie auf pragmatische Weise wirtschaftliche Interessen verfolgt.» So stehe für Peking nicht das iranische Regime selbst im Zentrum, sondern die Stabilität der Energieversorgung.

Das heisst: Wichtiger als die Öllieferungen aus dem Iran ist den Chinesen die Sicherheit der Strasse von Hormus. Rund 50 Prozent der chinesischen Öl-Importe aus verschiedenen Ländern passieren diese Meerenge. «Solange diese zentrale Energieroute nicht dauerhaft unterbrochen ist, hat Peking wenig Anreiz, sich politisch oder militärisch stärker einzumischen», sagt Grano.

Jetzt kommt es darauf an, ob der Krieg bald beendet wird oder sich zu einem Abnutzungskrieg entwickelt. Wenn es länger dauert und die Strasse von Hormus gefährdet ist, wäre es laut Grano für Peking schwierig, untätig zu bleiben. «China könnte dann den Iran indirekt und begrenzt unterstützen – etwa durch die Lieferung von zivilen Technologien, die auch für militärische Zwecke eingesetzt werden können, oder durch eine technologische Kooperation beim Aufbau der iranischen Rüstungsindustrie.» Nach dem Muster also, wie China zurzeit auch Putins Krieg gegen die Ukraine unterstützt. 

Gelegenheit zum Taiwan-Angriff?

Für die chinesische Zurückhaltung könnte es aber noch einen weiteren Grund geben. Es gibt Spekulationen, wonach das laufend aufrüstende China im Schatten des Iran-Krieges einen Angriff auf Taiwan vorbereiten könnte. Doch das ist eher unwahrscheinlich. Im Gegenteil: China könnte von einem solchen Schlag abgeschreckt sein, nachdem es das entschlossene Vorgehen des Taiwan-Verbündeten USA gesehen hat. 

Überhaupt hat Peking ein grosses Interesse daran, die aufkommende Entspannung zu den USA nicht zu gefährden. Grano sagt: «Die Führung in Peking versucht derzeit, die Beziehungen zu den USA stabil zu halten – nicht zuletzt im Hinblick auf ein mögliches Treffen zwischen Xi Jinping und Donald Trump.»

Trump will China vom 31. März bis 2. April besuchen. Es wird ein Treffen zweier Präsidenten, die zwar beide autoritär regieren, aber beim Ausbau ihres Einflusses eine ganz andere Strategie gewählt haben: Während Trump mit dem Vorschlaghammer dreinschlägt, setzt Xi lieber auf Zurückhaltung und Geduld. Pekings Reaktion auf den Iran-Krieg passt perfekt in diese Strategie. 

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