Darum gehts
- Iran-Krieg beeinflusst Russland: Rohstoffpreise steigen, Waffenlieferungen aus Iran stocken
- Shahed-Drohnenproduktion wurde nach Russland verlegt, Lieferkette bleibt stabil
- Flüssiggas-Export aus Katar gestoppt, Ölproduktion gedrosselt, Hormus blockiert
Die ganze Welt schaut auf den Iran. Wegen der Angriffe von Israel und den USA auf das Mullah-Regime rückt der Krieg in der Ukraine aktuell in den Hintergrund. Trotzdem wird auch in Osteuropa noch immer hart gekämpft.
Russlands Präsident Wladimir Putin (73) wird die Ereignisse am Persischen Golf wohl ebenfalls gespannt verfolgen. Während sein Aussenminister Sergei Lawrow (75) die Eskalation bereits scharf verurteilte, hielt sich Putin selbst aber noch zurück.
Der Krieg im Iran hat nämlich deutliche Auswirkungen auf ihn und seine Ambitionen. Russland-Experte Ulrich Schmid von der Universität St. Gallen nennt die Rolle des Kremls in diesem Konflikt «eine Politik von Doppelstandards».
Schwächung eines Verbündeten
Zum Einen schwächt der Konflikt Putins Position im Nahen Osten. Lange Zeit habe Russland versucht, sich in der Region als verlässlicher Partner und Beschützer autokratischer Regimes zu präsentieren. «Mit dem gewaltsamen Tod von Irans Machthaber Chamenei hat diese Selbstpositionierung einen argen Imageschaden erlitten», sagt Schmid.
Ausserdem wird ein wichtiger Partner Putins gerade stark geschwächt: «Der Iran fällt als Waffen- und Munitionslieferant weitgehend aus.» Die Islamische Republik hatte Russland vor allem die berüchtigten Shahed-Drohnen geliefert, die wegen ihrer knatternden Antriebsmotoren in der Ukraine «Mopeds» genannt werden.
USA haben jetzt andere Probleme
Einen Mangel an Drohnen wird der Autokrat aber wahrscheinlich nicht zu verschmerzen haben. Die Produktion der Shahed-Drohnen wurde mittlerweile nämlich nach Russland verlagert. «Der Unterbruch der Lieferkette aus dem Iran kann zwar die russische Drohnenproduktion beeinträchtigen, aber nicht zum Erliegen bringen», meint der Experte.
Daneben zieht Putin aus dem Krieg im Iran einige Vorteile. So wird die Öffentlichkeit von seinem eigenen Krieg in der Ukraine abgelenkt. Damit könnte Russland auf der Prioritätenliste von US-Präsident Donald Trump (79) nach hinten rutschen.
Dies ist möglicherweise auch der Grund, warum sich Putin selbst nur sehr zurückhaltend über den Krieg im Iran äussert. «Putin will sein Verhältnis zu Trump nicht beschädigen, muss aber gleichzeitig auch seine eigene aussenpolitische Schwäche vertuschen», so Schmid.
Rohstoffpreis steigt an
Der grösste Pluspunkt des Konflikts für Russland sind aber die steigenden Rohstoffpreise. «Der russische Staatshaushalt ist auf die Einnahmen aus dem Rohstoffgeschäft angewiesen», erklärt Schmid. Bis vor kurzem seien diese für Putin nicht zufriedenstellend gewesen.
«Nun hat Katar den Export von Flüssiggas gestoppt, Saudiarabien hat seine Ölproduktion gedrosselt und die Strasse von Hormus ist für Tanker faktisch gesperrt.» Dies führe zu einem Anstieg der Preise und spüle Geld in die russische Kriegskasse.
Kreml will vermitteln
Der Krieg im Iran ist für Putin also ein zweischneidiges Schwert. Moskau hatte schon mehrmals versucht, sich als Vermittler zwischen dem Iran und seinen Gegnern ins Spiel zu bringen. Das könnte auch jetzt wieder ein Ziel Putins sein: «Am Montag hat er Kontakt zu den Golfstaaten aufgenommen.»
Schmid glaubt allerdings nicht, dass Russland als Vermittler in diesem Konflikt eine ernsthafte Option ist. Die Erklärung ist einfach: «Der Kreml ist wegen seiner eigenen Aggression in der Ukraine als Vermittler wenig glaubwürdig.»