«Iran hätte uns innert einer Woche angegriffen»
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Trump rechtfertigt Krieg:«Iran hätte uns innert einer Woche angegriffen»

Katastrophale Kriegsbilanz
Trump erreicht im Iran nur ein Ziel – und schafft sich ein Monsterproblem

Der Krieg sei bald vorbei, prophezeit der US-Präsident. Die Situation vor Ort lässt anderes vermuten. Nach zehn Tagen sind die USA genau da, wo sie niemals hinwollten: gefangen in einem komplexen neuen Krieg mit katastrophalen Folgen für die ganze Welt.
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US-Präsident Donald Trump sagt, der Krieg werde sehr bald vorbei sein.
Foto: AP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Trump nennt Iran-Krieg «so gut wie vorbei»: Seine Bilanz ist katastrophal
  • 4500 Luftangriffe in 10 Tagen, Ölpreis steigt zwischenzeitlich auf 119 Dollar pro Fass
  • Putin profitiert: Hohe Ölpreise füllen Russlands Kriegskasse, Sanktionen wackeln
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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Donald Trump (79) kann vom Gewinnen einfach nicht genug bekommen. «Wir haben bereits gewonnen, aber wir haben noch nicht genug gewonnen», posaunte der US-Präsident mit Blick auf den Krieg im Iran zum Wochenbeginn vor republikanischen Parteikollegen. Wann der Krieg denn vorbei sein würde, fragte ihn kurz darauf ein Journalist des Senders CBS: «Er ist so gut wie vorbei», sagte Trump.

Mit dieser Einschätzung ist der mächtigste Mann der Welt allein auf weiter Flur. Nicht einmal der israelische Premier Benjamin Netanyahu (76), dessen Armee gemeinsam mit den Amerikanern in zehn Tagen mehr als 4500 Luftangriffe gegen die Mullahs geflogen hat, stimmt Trump zu: «Wir sind noch nicht fertig», sagte Netanyahu am Dienstag. Die bisherige Kriegsbilanz von Trump und «Bibi»: katastrophal. Nur ein Ziel haben die beiden so halbwegs erreicht.

Die iranischen Seestreitkräfte sind faktisch ausgeschaltet. Und die Raketen-Vorratskammern laut Reuters um immerhin rund die Hälfte reduziert. Die Atomanlagen des Regimes hatten schon im Zwölf-Tage-Krieg im vergangenen Sommer schweren Schaden genommen. Das ist aus amerikanisch-israelischer Sicht ein Teilerfolg.

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Die Ölfelder bei Teheran brennen: Eine humanitäre und ökologische Katastrophe für die Millionen von Menschen in der Stadt.
Foto: AP

Doch: Ausgeschossen ist der neue Ayatollah Modschtaba Chamenei (56) deswegen noch lange nicht. Der Iran feuert weiterhin Raketen und Drohnen auf die arabischen Nachbarn und die US-Militärstellungen in der Region. Das dürfte sich in nächster Zeit auch nicht ändern.

Trumps grossspurige Aufforderung an die Schiffskapitäne

Man bedenke: Die Hamas, eine wesentlich schwächere Militärkraft als die iranische Armee und die iranischen Revolutionsgarden, hat noch zwei Jahre nach dem Start des israelischen Flächenbombardements in Gaza regelmässig Raketen losgefeuert.

Katastrophal ist für Trump (und für uns) die Entwicklung des Ölpreises. Vergangene Woche stieg er zwischenzeitlich auf 119 Dollar pro Fass – so hoch wie seit 2022 nicht mehr. In den USA stiegen die Benzinpreise um durchschnittlich 50 Rappen pro Gallone. Das dämpft die Euphorie der autovernarrten Amerikaner gewaltig. Gleichzeitig steigt weltweit die Terrorgefahr – auch bei uns in der Schweiz.

Die faktische Blockade der Strasse von Hormus – einer Meerenge zwischen dem Iran und dem Arabischen Golf, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels transportiert werden – wird in den kommenden Wochen eine ganze Reihe von Problemen mit sich bringen: Medikamentencontainer bleiben stecken, wichtige Bauteile für die Halbleiterindustrie ebenfalls. Und ausgerechnet jetzt, da die Bauern weltweit ihre Saat ausbringen sollten, liegt der arabische Düngergrosshandel darnieder.

Trumps Lösung: Die Schiffe am Golf sollten «zeigen, dass sie Eier haben» («show some guts») und trotz des extremen Risikos durch die Meerenge fahren.

What else? Der Iran hat diese Woche erstmals eine Entsalzungsanlage am Golf getroffen. Rund zwei Drittel der Menschen in der Region sind für ihr Trinkwasser von den Anlagen abhängig. Schafft es das Regime, sie auszuschalten, droht der Region eine humanitäre Katastrophe von biblischem Ausmass.

Emirate-Kampfjet jagt iranische Drohne über Badestrand
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Über Strand in Dubai:Emirate-Kampfjet jagt iranische Drohne

Das ist der wirkliche Gewinner des Iran-Krieges

Die brennenden Ölfelder im Iran legen zudem einen schmierigen schwarzen Filter über die Hauptstadt Teheran. Eine Umweltkatastrophe, unter der Millionen Iraner leiden – und die komplett vermeidbar gewesen wäre.

Zu Hause schliesslich muss sich Trump für die inzwischen sieben getöteten US-Soldaten rechtfertigen. Sein Kabinett scheint gespalten: Insbesondere Vizepräsident J.D. Vance (41) ist kein Fan des neuen Krieges. Die Spannung hinter den Kulissen: mutmasslich gross.

«Gewonnen» hat bislang nur Russlands Präsident Wladimir Putin (73). Der hohe Ölpreis füllt die russische Kriegskasse – insbesondere, weil Trump den Indern erlaubt, für mindestens 30 Tage wieder russisches Öl zu kaufen. Der US-Präsident denkt angesichts des Öl-Engpasses sogar laut darüber nach, die Sanktionen gegen Moskau ganz fallen zu lassen.

Das Verhältnis zu Russland kam in der Pressekonferenz von Kriegsminister Pete Hegseth am Dienstag zur Sprache. Offenbar hat Trump mit Putin telefoniert und über den Iran gesprochen. «Der Präsident hat gesagt, es sei ein gutes Telefonat gewesen», sagte Hegseth – ohne wirklich konkret zu werden.

Klar ist: Die nächsten Verhandlungsrunden über das Ende des Ukraine-Krieges sind verschoben, viele der Waffen, die die Amerikaner eigentlich an die Ukraine liefern sollten, landen derzeit im Nahen Osten. Einen Sieger hat der Iran-Krieg tatsächlich. Nur heisst der nicht Trump. Er heisst Putin.

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