Darum gehts
US-Kriegsminister Pete Hegseth (45) kann die israelisch-amerikanischen Luftschläge in seinen Pressekonferenzen noch so sehr abfeiern, US-Präsident Donald Trump (79) und Israels Premier Benjamin Netanyahu (76) können noch so viele Bomber Richtung Iran losschicken: Ohne Bodentruppen werden die Amerikaner und die Israelis das Mullah-Regime nicht besiegen können. Einen Regierungsumsturz nur mit Luftstreitkräften: Das hat es noch nie gegeben.
Klar ist also: Soldaten müssen rein. «Boots on the ground», wie die Amerikaner sagen. Und weil weder die USA noch Israel dazu bereit sind, ihre Söhne und Töchter in Uniform in die iranische Todeszone zu schicken, müssen die Kurden ran. Tausende Kämpfer des staatenlosen Volkes haben sich in der bergigen Grenzregion zwischen dem Iran und dem Irak versammelt und am Mittwoch eine Bodenoffensive gegen die Mullahs gestartet. Ihr Ziel ist klar – und der dafür verlangte Preis hoch.
Ein Sprecher der kurdischen Einheiten hat gegenüber dem israelischen TV-Sender i24 News bestätigt, dass mehrere Tausend kurdische Kämpfer ihre Position bezogen hätten – mit einem ersten Erfolg: Die iranischen Kräfte scheinen sich präventiv aus der Grenzstadt Mariwan im Nordwesten des Landes zurückgezogen zu haben. Israelische und amerikanische Kampfjets flogen am Donnerstagmorgen massive Angriffe auf die Grenzregion. Wohl, um der kommenden kurdischen Bodenoffensive den Weg freizuräumen.
Bis zu einer Million Kämpfer des Mullah-Regimes
Die Kurdenkämpfer sind gut trainiert und könnten laut CNN von der CIA mit modernen Waffen ausgerüstet werden. Doch: Die paar Tausend Kämpfer werden nicht ausreichen, um die bis zu 800'000 iranischen Soldaten und fast 200'000 Revolutionsgardisten zu besiegen. Selbst wenn die kurdische Peschmerga-Miliz alle ihre 150'000 Männer mobilisieren würde: Die Iraner blieben ihnen zahlenmässig überlegen. Das Ziel der kurdischen Bodenoffensive ist ein anderes:
- Erstens sollen sie die auf die Verteidigung ihrer Zentralen in Teheran konzentrierten Kämpfer der Mullahs ablenken und ihre Aufmerksamkeit auf die entlegenen Gebiete im Nordwesten des Iran ziehen
- Zweitens sollen sie die militärischen Kapazitäten des Regimes binden, damit die Mullahs die erhofften Massendemonstrationen in Irans Städten nicht niederschlagen können
- Und drittens sollen sie im Idealfall eine kurdisch kontrollierte Pufferzone für Israel schaffen
Trump persönlich hat laut dem Nachrichtenportal Axios in den vergangenen Tagen mit verschiedenen kurdischen Fraktionen über die Operation gesprochen. Bereits in seiner ersten Amtszeit rüstete Trump die kurdischen YPG-Kämpfer aus, um ihnen im gemeinsamen Kampf gegen den Islamischen Staat den Rücken zu stärken. Dasselbe tat Präsident Barack Obama (64) 2014, als er die kurdischen Peschmerga-Soldaten für die Schlachten gegen die IS-Terroristen ausbildete.
Die Kurden seien «die herausragende und perfekt geeignete Kraft für diese komplexe Operation», sagt der kurdisch-iranische Journalist Diako Shafiei (36) zu Blick. Der in der Schweiz wohnhafte Shafiei versucht derzeit selbst, in die Kurdengebiete im Irak zu reisen. «Niemand sonst verbindet Kampferfahrung, militärische Fähigkeiten und politischen Willen wie wir Kurden. Die Demokratische Partei Kurdistans kann auf 80 Jahre politischen und militärischen Widerstand zurückschauen», sagt Shafiei. Guerilla-Taktik, Städtekampf, Bodenoffensiven: Die Kurden seien dem historischen Moment gewachsen.
Was die Kurden für ihre Hilfe fordern
Natürlich hätte das 30- bis 40-Millionen-Volk im Nahen Osten dann auch gern etwas für seinen Einsatz, sollte der Kampf gegen die Mullahs tatsächlich gewonnen werden können. Ziel aller Kurden ist die Errichtung eines autonomen Kurdistans, der grosse Traum seit dem Verlust der eigenen Staatlichkeit im 16. Jahrhundert.
Der Moment dafür scheint reif. Zuletzt haben die Kurden in Syrien mit der neuen syrischen Regierung einen Deal abgeschlossen, der ihnen mehr Selbstverwaltungsrechte zugesteht. In einem dereinst freien Iran, wo die Kurden heute rund zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen, dürfte die Gruppierung ebenfalls auf mehr Autonomie oder gar auf ein eigenes Territorium pochen.
Der Weg dahin wird ein steiniger – und blutiger. Die Geschichte zeigt, dass kurdische Träume den Realitätscheck nur selten bestehen. Zuletzt belohnten die Amerikaner die heldenhaften kurdischen Kämpfer, die 2015 die syrische Stadt Kobane von den IS-Terroristen befreiten, mit: nichts.
Die einzigen Freunde der Kurden seien die Berge, besagt ein lokales Sprichwort. Im März 2026 wirbt das Kämpfervolk mit ausgestreckten Händen und scharf gestellten Waffen erneut für neue Freunde. Immerhin: Einen gemeinsamen Feind haben die Israelis, die Amerikaner und die Kurden schon mal gefunden.