Darum gehts
- Schweiz wartet wegen Iran-Krieg wohl mehr als fünf Jahre auf Patriot-Systeme
- UAE hat über 1000 iranische Raketen mit teuren Abfangraketen abgewehrt
- 650 Millionen Franken für Patriots überwiesen, über zwei Milliarden Gesamtkosten geplant
Hiobsbotschaft für Verteidigungsminister Martin Pfister (62, Mitte): Die Schweiz muss noch länger auf ihre bestellten Patriot-Flugabwehrsysteme warten.
Grund ist der aktuell massive Einsatz der Raketen im Nahen Osten, wie SRF berichtet. Allein die Vereinigten Arabischen Emirate haben seit Sonntag über 1000 iranische Raketen und Drohnen abgefangen, oft mit teuren Patriot-Abfangraketen, die rund drei Millionen Franken pro Stück kosten.
Rüstungschef war in den USA
Die hohe Nachfrage übersteigt den Nachschub. Neben den Golfstaaten setzt auch die Ukraine auf Patriot-Systeme und befürchtet Engpässe wegen des Iran-Kriegs.
Laut SRF-Recherchen wurde Rüstungschef Urs Loher (59) bereits vergangene Woche – also vor dem Ausbruch des Iran-Kriegs – bei einem USA-Besuch darüber informiert, dass die Lieferzeit für die fünf Schweizer Systeme mindestens fünf Jahre betrage. Nun könnte sie sich sogar noch weiter verzögern.
Alternativen werden geprüft
Die Sicherheitspolitiker im nationalen Parlament sind über die Neuigkeiten nicht sonderlich überrascht. «Man hatte schon länger die Vermutung, dass die Schweiz nicht mehr auf einer Position ist, auf der sie beliefert wird», sagt SVP-Ständerat Werner Salzmann (63). SP-Ständerätin Franziska Roth (59) will die Beschaffung nun ganz stoppen. Nicht so FDP-Ständerat Josef Dittli (68): Er fordert stattdessen zusätzliche Mittel zur Luftabwehr.
Dittlis Forderung scheint auch im Sinne von Verteidigungsminister Pfister: Wie SRF berichtet, prüft der Bundesrat aktuell ein alternatives System, ohne die mindestens zwei Milliarden Franken teure Patriot-Bestellung zu stornieren. Bisher hat die Schweiz 650 Millionen Franken an die USA überwiesen – aktuell sind weitere Zahlungen eingestellt. Wie Alternativen finanziert werden sollen, bleibt offen.