Darum gehts
Russland ist ein übler Verbündeter: Als syrische Rebellen Ende 2024 den guten Freund Baschar al-Assad (60) stürzten, tat Moskau: nichts. Anfang Jahr schaute der Kreml hilflos zu, als die USA den Genossen Nicolas Maduro (63) unsanft ausser Landes brachten. Und seit einer Woche nun druckst Moskau herum, während das verbündete iranische Regime gegen seinen Untergang kämpft.
Kein Verlass auf Wladimir Putin (73), mindestens fast keiner. Denn Moskau soll laut mehreren grossen US-Redaktionen Teheran seit Tagen mit Geheimdienstinformationen über die Standorte amerikanischer Kriegsschiffe und Militärbasen aushelfen. Damit begeht Kriegsherr Putin seinen grössten Fehler seit Jahren. Für Moskau könnte er böse enden.
Schliesslich hat das kriegstaktische «Täderle» bei Teheran für die Amerikaner handfeste Konsequenzen. Der iranische Treffer auf eine US-Militäranlage in Kuwait, bei dem sechs US-Bürger getötet worden sind, war wohl nur mit russischer Geheimdienstunterstützung möglich.
Der Iran selbst verfügt laut Militärexperten bereits nach den ersten Kriegstagen nämlich kaum noch über funktionierende Aufklärungskapazitäten. Seine Fähigkeit, amerikanische Ziele zu lokalisieren, ist stark degradiert. Kurz: Ohne russische Hilfe wären die Mullahs auf mindestens einem Auge blind.
Trumps verdächtige Zurückhaltung
Doch Moskau scheint sich im entscheidenden Zeitpunkt doch noch an die iranischen Freundschaftsdienste erinnert zu haben. Teheran belieferte die Russen am Anfang des Ukraine-Feldzugs mit Kamikazedrohnen des Typs Shahed: einem der Hauptangriffsmittel der Russen gegen zivile ukrainische Ziele. Später halfen die Iraner den Russen beim Bau einer Drohnenfabrik, in der Putins Ingenieure jetzt selbst Kampfdrohnen (Geran-2 und Geran-3) nach iranischem Vorbild zusammenschrauben.
Für diese Dienste gibts für Teheran jetzt also immerhin Zieldaten amerikanischer Stellungen. Wichtiges Detail: Russland scheint dem Iran keine sogenannten Zielplan-Pakete weiterzugeben, die neben den GPS-Daten auch gleich noch Vorschläge für konkrete Angriffsmethoden, Waffen und Schwachpunkte des Zielobjekts mitliefern. In Militärkreisen spräche man in diesem Fall von «targeting». Das käme einer aktiven Kriegseinmischung gleich.
Und trotzdem müssten die USA jetzt schäumen vor Wut über die hinterlistigen Russen. Bislang aber: nichts dergleichen. Donald Trump (79) konterte eine Frage zur russischen Einmischung als «dumme Frage». Sein Verteidigungsminister Pete Hegseth (45) tat das alles in einem Interview mit dem Sender CBS als Lappalie ab: Russland spiele «nicht wirklich eine Rolle». Trump würde alle, die sich einmischten, «stark konfrontieren».
Trumps Sprecherin Karoline Leavitt (27) schliesslich sagte, das sei doch alles eigentlich egal, solange die USA das iranische Regime «niederschlagen». Und Trumps Fixer Steve Witkoff (68) teilte kühl mit, er habe die Russen gebeten, dem Iran keine Daten zu liefern.
Die Vermutung liegt nahe, dass Trumps Team die Gespräche mit Russland über zukünftige Businessdeals nicht gefährden will. Hinter den Kulissen aber dürfte der Druck auf Putins Regime gewaltig steigen.
Putins Trumpf: seine politischen Gefangenen
Tote amerikanische Soldaten als Folge russischer Informationsweitergabe: Das bringt auch republikanische Politiker in Rage. Kommt hinzu, dass die Ukraine den USA in diesen Tagen gerade wertvolle Unterstützung im Kampf gegen iranische Kampfdrohnen bietet. Präsident Wolodimir Selenski (48) schickt Spezialisten in den Nahen Osten, die den arabischen Staaten und den Amerikanern zeigen, wie man Shahed-Drohnen vom Himmel holt.
Allzu viel Wegschauen kann sich Trump bezüglich der russischen Schandtaten also nicht leisten. Im Gegenteil: Gut denkbar, dass die USA ihre Geheimdienstzusammenarbeit mit den Ukrainern intensiviert. Seit Kriegsbeginn liefern die Amerikaner den Ukrainern Zieldaten (keine «targeting packages») zu russsischen Stellungen. Putins Truppen verloren jüngst wieder Gebiete an die Ukrainer. Von seinen Kriegszielen bleibt der Kreml weit entfernt. Kommt es zum amerikanischen Payback für den Iran-Verrat – zum Beispiel in Form einer intensivierten Geheimdienst-Zusammenarbeit mit Kiew –, könnte Russland rasch ins Straucheln kommen.
Einen Trumpf hätte Putin aber noch im Ärmel. Sollte Trump aufs Ganze gehen, könnte er den US-Präsidenten mit einem ganz besonderen Geschenk besänftigen. Russland beherbergt derzeit mehrere berühmte Figuren, die Trump noch so gerne in amerikanischen Gerichtssälen sähe – und sei es nur der Show wegen. Den syrischen Ex-Diktator Baschar al-Assad, zum Beispiel. Oder den NSA-Whistleblower Edward Snowden (41).
Ein frei Haus gelieferter politischer Gefangener als Wiedergutmachung für den Iran-Verrat: Das ist in der chaotischen Weltlage nicht länger völlig undenkbar.