Die wichtigsten Fragen zur Bedrohung aus dem Nahen Osten
Wie gefährlich können für uns iranische Raketen werden?

Die Iraner sind Meister im Bauen von Raketen und Drohnen. Nach den jüngsten Drohungen gegen US-Verbündete muss sich auch Europa vor Angriffen in Acht nehmen. Wie gross ist die Gefahr? Wir beantworten die drängendsten Fragen und liefern Antworten, die zu denken geben.
Kommentieren
1/2
Wie viele Drohnen die Iraner noch bunkern, ist nicht bekannt.
Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
RMS_Portrait_AUTOR_242.JPG
Guido FelderAusland-Redaktor

Die Drohung der brutalen Mullahs macht Angst: Wer die USA und Israel unterstützt, gilt als Feind des iranischen Regimes. Klar ist: Damit sind auch europäische Staaten wie Deutschland und Grossbritannien gemeint, die den Amerikanern für den Krieg Luftwaffenbasen zur Verfügung stellen.

Obwohl der Iran schon heftig getroffen und die Führungsriege der brutalen Herrscher kräftig dezimiert worden ist, haben die Iraner noch viel Munition. Schon wurden erste Raketen Richtung Europa – gegen EU- und Nato-Staaten – abgefeuert. Betroffen waren Zypern und die Türkei. War das erst der Anfang einer Offensive gegen Trumps Verbündete in Europa? Hoffentlich nicht, denn wir wären zurzeit miserabel geschützt.

Wie viele Raketen haben die Iraner noch?

Vor dem jüngsten Krieg schätzte Israel den iranischen Vorrat an ballistischen Raketen auf über 3000 Stück. Von denen haben die Mullahs seit einer Woche mindestens 540 Richtung Golfstaaten abgefeuert. Weitere wurden bei Bombenangriffen zerstört. Donald Trump prahlte damit, dass bereits 60 Prozent des Raketenarsenals vernichtet seien.

1/10
Am Tag der Revolution im Februar präsentierten die Iraner ihre Raketen.
Foto: IMAGO/Anadolu Agency

Ebenso wichtig wie die Raketen selber sind die Abschussvorrichtungen. Auch die sollen dezimiert worden sein, und zwar von rund 400 auf 100. Aber: Das alles sind Schätzungen. Was die Iraner wirklich produziert haben und noch bunkern, weiss man nicht.

Können die Mullahs Europa treffen?

Nebst Kurzstreckenraketen mit Reichweiten von einigen Hundert Kilometern verfügen die Iraner auch über Geschosse, die viel weiter reichen. Waffen der Shahab-3-Familie erreichen Ziele in einer Entfernung von bis zu 2000 Kilometern. Der Marschflugkörper Soumar fliegt laut dem Center for Strategic and International Studies sogar bis 3000 Kilometer weit.

Ralph D. Thiele, Vorsitzender der deutschen Politisch-Militärischen Gesellschaft und Präsident von Eurodefense Deutschland, sagt zu Blick: «Ich traue es den iranischen Ingenieuren zu, dass sie mit ihren Geschossen sogar Deutschland und die Schweiz erreichen könnten.»

Offenbar baute der Iran auch an einer Monster-Rakete. 2019 warnten europäische Staaten den UN-Sicherheitsrat, dass der damalige Start eines iranischen Satellitenträgers mit der Entwicklung einer Interkontinentalrakete «eng verbunden» sei. Diese hätte eine Reichweite von über 5500 Kilometern.

Foto: Blick Visuals

Wie präzise treffen die Raketen ihr Ziel?

In früheren Jahren hatten iranische Raketen oft eine Abweichung von bis zu einem Kilometer. Die modernen Systeme nutzen einerseits GPS sowie die von aussen unstörbare Trägheitsnavigation. Das bedeutet, dass vorgängig programmiert wird, wie lange die Rakete in welche Richtung fliegen und wann sie ihre Richtung ändern muss. Die iranischen Geschosse sind heute mit einer Genauigkeit von 10 bis 25 Metern äusserst präzise, wie Schläge in den vergangenen Tagen gezeigt haben.

Wie sicher sind wir in Europa?

Das ist der Abwehrplan: Europa ist durch ein digitales Netz der Nato geschützt, das Radardaten erfasst und weiterleitet. Sobald eine Rakete im Iran startet, wird deren «Hitzefingerabdruck» von US-Infrarotsatelliten entdeckt. In Europa übernehmen dann die Nato-Radarsysteme die Verfolgung, allen voran Europas Frühwarn-Auge im türkischen Kürecik.

Abwehrraketen starten je nach Flugbahn des angreifenden Geschosses zum Beispiel in Rumänien, Polen oder auch von Schiffen im Mittelmeer aus. Nach Möglichkeit wird die bis 500 Kilometer hoch fliegende Rakete möglichst früh und im Weltall abgeschossen, womit herunterstürzende Trümmerteile in der Atmosphäre verglühen.

Das alles tönt gut, ist aber nicht kampferprobt. Thiele: «Damit Europa für eine effiziente Abwehr bereit ist, braucht es noch zehn Jahre.» Das heisst: Aktuell ist der Schutz nicht zuverlässig!

Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.

Kann der Iran Europa auch mit Drohnen angreifen?

Ja! Für Thiele ist die iranische Bedrohung mit Drohnen «ein echtes Problem». Beim Einsatz in der Ukraine würden die Geschosse ständig weiterentwickelt. Auch Mitteleuropa liegt inzwischen im Radius der Shahed-136-Drohe, die eine Reichweite von bis zu 2500 Kilometer aufweist.

Heute werden die Billig-Drohnen (20’000 bis 50’000 Dollar pro Stück) in Schwärmen losgelassen. Solche Bombenteppiche überlasten die teuren Verteidigungssysteme, bei denen eine Abfangrakete teilweise bis zu 4 Millionen Dollar kostet.

Wie realistisch ist ein Angriff auf Europa?

Mit Angriffen auf die britische Basis auf Zypern und den Süden der Türkei sind bereits Ziele auf Nato- und EU-Gebiet ins Visier genommen worden. Es sind bisher Einzelfälle. Massive Schläge vom Iran aus auf Europa sind eher unwahrscheinlich. Denn: Bei einem Angriff auf ein Nato-Land würde der Bündnisfall ausgelöst. Damit hätte der Iran nicht nur die USA und Israel gegen sich, sondern die ganze Nato. Viel wahrscheinlicher sind Attentate auf amerikanische oder israelische Einrichtungen in anderen Ländern.


Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen