Ihre Freundschaft ist am Kriegs-Chaos zerbrochen
Lässt Trump Netanyahu jetzt fallen?

Benjamin Netanyahus Alleingang im Iran-Krieg bringt Donald Trump in Not. Die Zwischenwahlen im Herbst könnten für ihn zum Desaster werden. Wie kann sich der US-Präsident aus der Affäre ziehen, ohne zu viel Schaden zu nehmen?
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Donald Trump (r.) mit Benjamin Netanyahu: Die Freundschaft hat im Iran-Krieg gelitten.
Foto: AP

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Guido FelderAusland-Redaktor

Sie waren ein Herz und eine Seele. Sie liessen keine Gelegenheit aus, um die gegenseitige Freundschaft zu betonen. So lobte Benjamin Netanyahu (76) Donald Trump (79) erst noch mit den Worten: «Sie sind der beste Freund, den Israel je im Weissen Haus hatte.»

Doch jetzt hat die Freundschaft zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem Ministerpräsidenten Israels Risse bekommen. Der Krieg gegen den Iran ist für Trump zur Belastung geworden. Seine Umfragewerte in den USA sinken, der Antisemitismus nimmt zu. Lässt Trump Netanyahu nun fallen?

Der Streit zwischen den beiden brach offen aus, nachdem Israel am Mittwoch das iranische Gasfeld South Pars, das grösste der Welt, bombardiert hatte. Der Iran reagierte mit Gegenschlägen auf die Energieinfrastruktur der Golfstaaten. Die Folge: Die Energiepreise schiessen weltweit weiter in die Höhe.

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Grund der neusten Auseinandersetzung ist der Angriff Israels auf das Gasfeld South Pars im Iran.
Foto: x

Trump behauptete, von Israels Angriffsplänen nichts gewusst zu haben. «Es ist alles abgestimmt, aber gelegentlich macht er etwas eigenmächtig», sagte er über Netanyahu. Später ergänzte Trump in Grossbuchstaben, dass Israel «keine weiteren Angriffe» auf das Gasfeld durchführen werde. Eine klare Ansage an Netanyahu.

Schon als Israel vergangene Woche Treibstofflager in Teheran bombardiert hatte, reagierte Trump verärgert. Einer seiner Berater wurde mit den Worten zitiert: «Dem Präsidenten missfällt dieser Angriff.»

Amerikaner wollen keinen Krieg

Trump hat sich mit dem Iran-Krieg in eine Sache hineinmanövriert, die ihm schadet. Bisher 13 getötete und rund 200 verletzte US-Soldaten sowie der explodierende Energiepreis treffen die USA schwer. Die Abfuhr von europäischen Nato-Staaten für Hilfe in der Strasse von Hormus hat ihm ebenfalls gezeigt, dass er mit seiner Aktion ziemlich alleine ist. 

Die Umfragen in den USA zum Iran-Krieg sprechen eine deutliche Sprache: Im Schnitt finden nur 44,1 Prozent den Krieg richtig, bei Reuters/Ipsos sind es nur gerade 29 Prozent. Das war bei den Kriegen im Irak (70 bis 80 Prozent Zustimmung) und Afghanistan (90 Prozent) ganz anders. 

Sympathie für Israel schwindet

Die bisher enge Freundschaft zu Israel wird für Trump zur Belastung. Inzwischen zeigen die Amerikaner laut Gallup-Umfragen zum ersten Mal mehr Sympathien für die Palästinenser als für die Israelis. Der Antisemitismus nimmt zu: Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Michigan vor einer Woche wurden die Sicherheitsdispositive in jüdischen Einrichtungen massiv verschärft.

Viele Amerikaner vermuten: Der Iran war gar keine unmittelbare Bedrohung für die USA, wie es die Regierung behauptet hatte. Genau aus diesem Grund hat Trumps Anti-Terror-Chef Joe Kent (45) den Bettel hingeschmissen.

Selbst die Republikaner sind gespalten: Immer mehr glauben, dass Israel die Fäden ziehe und die US-Regierung zu diesem Krieg gedrängt habe. Senatorin Lisa Murkowski (68) aus Alaska sagte: «Ich wünschte, der Präsident fände einen Weg, den Krieg zu beenden.»

Israel ohne US-Hilfe in Gefahr

Doch Trump muss zu Ende führen, was er angezettelt hat. Ein Rückzug würde Israel in die Bredouille treiben. Zwar verfügt Israel über hochmoderne Angriffswaffen. Das Problem liegt aber in der Verteidigung: Der hochgelobte Iron Dome, der feindliche Raketen abfängt, ist durchlässig geworden.

Die Bestände der Abwehrraketen sind nicht unbeschränkt. Je nach Zustand der iranischen Militärkräfte könnte Teheran mit Billig-Drohnen Israels teure Abwehr leer schiessen, um dann mit präzisen Raketen anzugreifen. Als letztes Mittel ohne US-Hilfe bliebe Israel noch die Option «Samson». Es ist der Griff zur Atombombe und ein Albtraumszenario für die ganze Welt.

Der mögliche Ausweg

Nein, trotz brüchiger Freundschaft wird Trump Netanyahu kaum fallenlassen. Aber er muss die Lage beruhigen, wenn er im November die Zwischenwahlen gewinnen will. Die Frage ist nur, wie. Trumps Ausweg liegt wohl in einer Mischung aus militärischem Druck, um Netanyahu zufriedenzustellen, und geheimen Verhandlungen mit dem Iran. Ziel dieser Gespräche könnte eine Lockerung der Sanktionen sein, damit der Iran sein Öl wieder exportieren kann und die Strasse von Hormus freigibt.

Die bisherige Männerfreundschaft ist zum eiskalten Kalkül geworden. Trump muss Netanyahu an die kurze Leine nehmen. Denn in diesem Krieg zählt für ihn am Ende nur eine Zahl: der Benzinpreis an den amerikanischen Zapfsäulen. Dieser wird bei den Zwischenwahlen über seine Macht in Washington entscheiden.

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