Darum gehts
- Joe Kent tritt als US-Anti-Terror-Chef zurück, kritisiert Trumps Iran-Politik
- Kent: «Iran-Krieg durch israelischen Druck, keine Bedrohung für die USA»
- Rücktritts-Tweet erzielt fast 82 Mio. Aufrufe, Kent war seit 2025 im Amt
«Nach reiflicher Überlegung habe ich beschlossen, mit sofortiger Wirkung von meinem Amt als Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung zurückzutreten», schreibt Joe Kent (45) auf X. Dazu postet er sein Rücktrittsschreiben für US-Präsident Donald Trump (79).
Der Tweet hat es in sich. Inzwischen hat er fast 82 Millionen Aufrufe. Kein Wunder: Kent war einst glühender Trump-Unterstützer. Im Februar 2025 schrieb Kent noch voller Stolz, als er zum Anti-Terror-Chef ernannt wurde: «Danke, Präsident Trump! Es ist mir eine Ehre, unserem Land erneut zu dienen; es ist an der Zeit, unser Land sicher und stark zu halten!»
«Beleidigend und lächerlich»
Was ist also seitdem passiert? Der Grund für seinen Rücktritt ist der Iran-Krieg. Den will Kent nicht länger unterstützen. «Der Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unser Land dar, und es ist offensichtlich, dass wir diesen Krieg aufgrund des Drucks Israels und seiner einflussreichen amerikanischen Lobby begonnen haben», erklärt der 45-Jährige in dem offenen Rücktrittsschreiben.
Das Weisse Haus reagierte prompt. Pressesprecherin Karoline Leavitt bezeichnete Kents Vorwürfe als «beleidigend und lächerlich». Präsident Trump, der am Dienstag im Oval Office auf den Rücktritt angesprochen wurde, liess wenig Sympathie erkennen: «Ein netter Kerl, aber schwach in Sicherheitsfragen. Es ist gut, dass er weg ist.»
Er verlor seine Frau bei einem Anschlag
Aber: Der Rücktritt von Kent ist ein schwerer Schlag für Trump. Denn der Ex-Anti-Terror-Chef war nicht irgendwer. Er kann auf eine steile Karriere zurückblicken. Seine Expertise hat Gewicht. Er ist die bislang ranghöchste Person, die öffentlich gegen Trumps Iran-Politik Stellung bezieht.
Kent ist ein Veteran der US-Spezialkräfte und ehemaliger CIA-Offizier. Er hat elf Auslandseinsätze hinter sich, unter anderem im Irak. Seine Frau Shannon Kent, Verschlüsselungsexpertin der US-Marine, wurde 2019 bei einem Selbstmordattentat in Syrien getötet.
In dem aktuellen Rücktrittsschreiben erwähnt er den Tod seiner Frau auch. Deswegen könne er «nicht unterstützen, die nächste Generation in einen Krieg zu schicken, in dem sie kämpfen und sterben muss, der weder dem amerikanischen Volk einen Nutzen bringt noch den Preis amerikanischer Leben rechtfertigt».
Er verbreitete Verschwörungstheorien
Der zweifache Vater kandidierte mehrmals für das US-Repräsentantenhaus. In dem Zusammenhang sorgten seine Verbindungen zu weissen Nationalisten für Schlagzeilen, insbesondere zu einem Nazi-Sympathisanten, wie CNN berichtete.
Trotz Bemühungen, sich von Extremisten zu distanzieren, schadeten diese Enthüllungen seinen Wahlkämpfen 2022 und 2024 im Bundesstaat Washington. Er verlor die Wahlen. Hinzu kommt: Kent hat laut CNN einen Hang zu Verschwörungstheorien. Zum Beispiel, dass der Geheimdienst den Sturm aufs Kapitol am 6. Januar 2021 mitgeplant habe – eine Behörde, der er später selbst angehörte. Oder etwa auch, dass die US-Wahl im Jahr 2020 manipuliert wurde. Joe Biden (83) trat damals gegen Donald Trump an und gewann die Wahl. Trump behauptet seitdem immer wieder, dass ihm der Sieg gestohlen wurde. Die Wahl soll mittels Briefwahl-Stimmen manipuliert worden sein. Beweise dafür gibt es bis heute nicht.