Jetzt spricht die Mutter von Amok-Opfer Maria S. (†22)
«Sehen Sie, was ich für eine wunderschöne Tochter hatte?»

Italienerin Gulmira Israilova hat ihre Tochter Maria (†22) beim Amoklauf von Aarau verloren. Mit Blick spricht sie erstmals über ihren schrecklichen Verlust.
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Gulmira Israilova (47) aus Sant'Angelo (I) trauert um ihre Tochter Maria S. (†22).
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Mutter von Maria S. trauert um ihre Tochter
  • Maria S. (†22) wurde am Aarauer Rave tödlich angeschossen
  • Beerdigung mit Techno-Musik geplant
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Gulmira Israilova (47) aus Sant'Angelo (I) sitzt an einem Esstisch in einer McDonalds-Filiale im Kanton Aargau. Es ist 22.50 Uhr, mittwochs. Die Italienerin holt ihr Handy hervor und zeigt der Blick-Reporterin Bilder ihrer Tochter: Maria S.* (†22). Die junge Frau, die während der Schiesserei am Aarauer Rave tödlich im Brustbereich getroffen wurde und innert kürzester Zeit verblutete. Sie will, dass ihre Tochter gesehen wird.

«Sehen Sie, was ich für eine wunderschöne Tochter hatte?», fragt Israilova. Die zierliche Frau wirkt gebrochen. «Und jetzt wurde sie mir für immer genommen.» Ihre beiden anderen Kinder – Sohn Alvaro und Tochter Alisia – schauen ihre Mama mit traurigen Augen an. Auch anwesend: Ein Freund der Familie, der sein Bestes gibt, um zu trösten.

Israilova sucht weiter in ihrer Handy-Galerie. Auf den Fotos wirkt Maria lebensfroh. Ihre Mutter sagt: «Ihr Sternzeichen ist Skorpion. Sie hat bald Geburtstag – am 26. Oktober. Dafür wollte sie nach Italien reisen, um mit mir gemeinsam zu feiern.»

«Techno-Musik wirkte beruhigend auf sie»

Dann legt Israilova ihr Handy weg. Nach einem langen und sehr emotionalen Tag versucht die alleinerziehende Mutter etwas zu essen. «Ich muss jetzt stark für meine anderen beiden Kinder sein.» Gleichzeitig plant sie schon die Überführung und die Beerdigung ihrer ältesten Tochter.

«Wissen Sie: Maria war für ihr Alter enorm reif. Gleichzeitig hatte sie etwas Verspieltes, Kindliches an ihr», sagt Israilova und lächelt. «Beispielsweise hat sie sich HelloKitty tätowiert und liebte auch Stitch. Manchmal machte es den Eindruck, als wäre ihre vier Jahre jüngere Schwester reifer als sie.»

Als Kind sei Maria sehr ruhig und liebevoll gewesen, so Israilova weiter. «Sie konnte sich stundenlang mit sich selbst beim Spielen beschäftigen.» Was die Mutter heute enorm erheitere: «Im Kindergarten sang Maria aufgrund eines anderen Kindes, das sehr religiös war, Kirchenlieder. Konnte jeden Text und sang lautstark. Und jetzt als Erwachsene liebte sie Techno-Musik, es wirkte beruhigend auf sie», erzählt Israilova und lacht. «Wie absurd ist das, bitteschön?»

Maria S. sei zwar gerne unter Menschen gewesen, hätte ihre Freunde aber bewusst ausgewählt. «Ihr Kreis war klein, wer dazugehörte, konnte sich geehrt fühlen», so Israilova und fügt hinzu: «Schliesslich hat sie sich um jeden gekümmert.»

Die Familie hätte es nicht einfach gehabt, so Israilova. «Als alleinerziehende Mutter drei Kinder grosszuziehen, ist eine Herausforderung». Die Chance auf ein schöneres Leben brachte Maria S. in die Schweiz. Ihre Mutter sagt: «Ich war eigentlich dagegen, dass sie hierher kommt.» Und weiter: «Maria rief mich jeden Tag an und erzählte mir von ihrem Alltag. Ich hatte das Gefühl, als wäre ich hier bei ihr.» In der Heimat hatte Maria die Hotelfachschule absolviert. In der Schweiz arbeitete sie unter anderem in einem Food-Truck.

Offene Fragen plagen die Familie

Es folgt eine kurze Pause. Die Familie möchte draussen sitzen. Weil es bereits nach Mitternacht und etwas kühl ist, werden die Jacken aus dem Auto des anwesenden Familien-Freundes geholt.

Weil die Familie damit beschäftigt war, die Habseligkeiten von Maria S. in einen Transporter zu packen, konnte sie die Pressekonferenz der Kantonspolizei Aargau nicht mit voller Aufmerksamkeit verfolgen. Die Familie fasst noch einmal all die Informationen zusammen, die sie mitnehmen konnte, und analysiert diese. Fragen, die sie etwa beschäftigen: Woher weiss die Polizei, dass es ein Amoklauf war und der Täter alleine gehandelt hat, wenn der Mann doch die Aussagen verweigert? Und: Wieso kam er ausgerechnet nach Aarau, wenn er vom Jura aus andere Städte – wie etwa das nahe Basel – mit mehr Partyleben eher hätte erreichen können? Oder: Wie psychisch krank ist der Täter wirklich?

Israilova erfährt, dass inzwischen der Wohnort des Täters bekannt ist und Medienschaffende vor Ort recherchieren – auch Blick-Reporter. Sie meint: «Das ist gut so. Ich will wissen, wer mein Kind getötet hat!» Sie will die unfassbare Tat verstehen.

Inzwischen ist es 2 Uhr. Die McDonalds-Filiale löscht die Aussenlichter. Israilova sagt zum Abschied: «An ihrer Beerdigung wird Techno-Musik laufen. Maria soll so verabschiedet werden, wie sie auf dieser Welt gefeiert hat.»

*Name bekannt

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