Darum gehts
- In Eschenz TG sorgt die Öffnung der Meitlibadi für Auswärtige für Streit
- Einheimische gründeten IG und sammelten Unterschriften gegen die Öffnung
- Rechtsgrundlage für Zutrittsbeschränkung fehlt laut Gemeindepräsident Pascal Berwert
Im Sommer sorgen sie für wohlverdiente Erfrischung und Badespass. Doch immer wieder sorgen Badis auch für erhitzte Gemüter. Besonders wenn eine scheinbar etablierte Ordnung plötzlich aus den Fugen gerät. In Eschenz TG sorgte die Öffnung der Meitlibadi für Auswärtige in dieser Badesaison für hitzige Diskussionen, wie das «Tagblatt» berichtet.
Seit diesem Frühling hat die Gemeinde Eschenz die Meitlibadi am Untersee auch für Gäste aus anderen Regionen geöffnet. Das ging einigen Einheimischen gehörig gegen den Strich. Denn zuvor war die Badi durch eine entsprechende Tafel am Eingang exklusiv den Bewohnern der Gemeinde vorbehalten gewesen. Ein Privileg, das einige Eschenzer nicht verlieren wollen. Die Einheimischen bildeten daher eine Interessengemeinschaft (IG) und starteten eine Unterschriftensammlung, um die Entscheidung des Gemeinderats rückgängig zu machen.
Keine rechtliche Grundlage für Zugangsbeschränkung
Denn ohnehin besitze die Gemeinde mit der Buebebadi bereits eine öffentliche Badi, wie alt Gemeinderat Hansruedi Buff im Namen der IG gegenüber dem «Tagblatt» argumentiert. Man wolle den Ort, an dem die Einheimischen ganz unter sich bleiben könnten, daher nicht verlieren.
Der Gemeindepräsident von Eschenz, Pascal Berwert, weist die Kritik zurück. Er betont gegenüber der Zeitung: «Der Gemeinderat hat keinen Beschluss zur Öffnung der Meitlibadi gefasst und auch keine neue Zutrittsregelung geschaffen.»
Stattdessen sei der bestehende rechtliche Rahmen geklärt und entsprechend umgesetzt worden. Denn für die ausgewiesene Zutrittsbeschränkung in der Meitlibadi bestehe keine genügende Rechtsgrundlage. Wenn die IG ein entsprechendes Begehren einreiche, werde dieses jedoch ordnungsgemäss überprüft, betont Berwert.
Die Debatte in Eschenz zeigt, wie emotional die Frage der lokalen Ordnung in den Bädern diskutiert wird.
Badiverbot für Ausländer in Pruntrut JU
Im Sommer 2025 beschloss die Gemeinde Pruntrut JU, Gästen, die nicht in der Schweiz wohnen oder arbeiten, den Zutritt zur Badi zu verwehren. Der Grund: Junge Franzosen aus dem Département Belfort sollen immer wieder durch Vorfälle wie Belästigungen, Pöbeleien und Gewaltbereitschaft aufgefallen sein. Die Massnahme der Gemeinde löste daraufhin internationale Debatten aus, Kritik kam von der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR).
Luzerner Badi verbannt Touri-Reisegruppen
Im Sommer 2025 zog auch das Luzerner Seebad die Reissleine. Immer wieder überrannten Touristengruppen den Ort, die die Liegeplätze primär für Fotos blockierten. Um Dichtestress und Übertourismus entgegenzuwirken, beschränkt die Badi bei hoher Auslastung daher den Zugang für grössere Reisegruppen ab sechs Personen. So soll das Luzerner Seebad als Rückzugsort für lokale Badegäste freigehalten werden.
Keine Ausländer in Tessiner Badi
Bald nach dem Badiverbot in Pruntrut zog auch die Tessiner Gemeinde Mendrisio im Sommer 2025 mit einer Zugangsbeschränkung nach. Lokale Politiker (unter anderem aus dem Umfeld der Lega dei Ticinesi) forderten, dass nur noch die rund 15'000 Anwohner von Mendrisio in das städtische Freibad dürfen. Der Grund: zu viele Badegäste – besonders aus dem nahegelegenen Italien oder Tagestouristen aus der West- und Deutschschweiz.
Burkini-Verbot in Genfer Badis
Doch nicht nur Dichtestress und Pöbeleien sorgen in Bädern für erhitzte Gemüter. Auch die Badekleidung rückt immer wieder in den Fokus von Diskussionen. So entschied der Grosse Rat im März, dass künftig niemand mehr in Genfer Schwimmbädern mit einem Burkini baden darf. SVP-Grossrat Yves Nidegger argumentierte mit Hygiene- und Sicherheitsfragen und einem gesellschaftlichen Zeichen gegen die «Unterdrückung von Frauen». Der Entscheid stiess auf scharfe Kritik von der linken Ratsseite und von der Föderation islamischer Dachorganisationen. Die Genfer Justiz hat das Verbot vorerst gestoppt.
Eklat um Transperson in Berner Frauenbadi
Im Juni 2026 kam es im Frauenbereich «Paradiesli» des Berner Marzilibads zu einem Polizeieinsatz. Das Badepersonal rief die Polizei wegen einer Transperson, die sich im Frauenbereich aufhielt. Die Anwesenheit der Person hatte unter den Badegästen zu Streit geführt. Die betroffene Person musste das Paradiesli schliesslich verlassen. Der Fall sorgte für Empörung, da die städtischen Regeln trans Frauen den Zugang explizit gestatteten. Die Stadt Bern entschuldigte sich im Nachgang öffentlich bei der Betroffenen und rügte das eigene Badepersonal.