Expertin ordnet ein
Kann man mit der neuen Longevity-Pille tatsächlich länger leben?

Eine neue Tablette des US-Longevity-Unternehmen Retro Biosciences will das natürliche Zell-Recycling im Alter ankurbeln. Doch was steckt wirklich hinter der Wunderpille? Eine Expertin erklärt, womit du dein Leben tatsächlich gesund verlängern kannst.
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Die gesunde Lebensspanne des Menschen um zehn Jahre verlängern – das ist die Mission des US-Unternehmens Retro Biosciences.
Foto: imago/Westend61

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • US-Firma testet Longevity-Pille RTR242 erstmals in Australien
  • Pille soll Zellrecycling aktivieren und Alzheimer vorbeugen.
  • Erste Studiendaten für August 2026 erwartet
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

Ausgewogene Ernährung, regelmässige Bewegung, guter Schlaf – es gibt viele Wege, den Körper für ein langes und gesundes Leben zu unterstützen. Immer mehr Menschen setzen sich dies zum Ziel. Daraus ist der Trend der Longevity (Englisch für Langlebigkeit) entstanden. Besonders Superreiche suchen dabei nach immer weiteren und immer bizarreren Methoden, um ewig jung zu bleiben.

Das US-amerikanische Longevity-Unternehmen Retro Biosciences hat sich ein ganz spezielles Ziel gesetzt. Es will das menschliche Leben mittels verschiedener Therapien um zehn gesunde Jahre verlängern. Nun soll bei dieser Mission auch eine Pille helfen. In Australien hat das von OpenAI-Chef Sam Altman (41) finanzierte Unternehmen bereits mit der ersten klinischen Studie an Menschen begonnen.

Konkret will die Pille RTR242 den natürlichen Recyclingprozess der Zellen (Autophagie) im Alter wieder ankurbeln. Dadurch soll die Behandlung von Alzheimer unterstützt werden. Erste Studiendaten aus Biomarker-Auswertungen werden für August 2026 erwartet.

Zell-Recycling nimmt im Alter ab

Doch warum ist Autophagie so wichtig für den Körper? Blick hat mit Nina Ruge (69), Biologin und Longevity-Expertin, gesprochen. «Autophagie bedeutet wörtlich ‹sich selbst essen› – und genau das tut die Zelle, wenn sie jung und gesund ist: Sie baut beschädigte oder überflüssige Bestandteile (vor allem Proteine) gezielt ab und recycelt sie als Rohstoffe für neue Zellprozesse», erklärt Ruge.

Das Schlüsselelement im Autophagieprozess: die Lysosomen – «winzige Bläschen in unseren Zellen mit einem hochkonzentrierten Säurebad, das ‹Zellmüll› aller Art zerlegt und zur Wiederverwertung freigibt». Doch im zunehmenden Alter geht dieses saure Milieu verloren, die Funktion der Lysosomen nimmt ab.

Der «Zellmüll» sammelt sich an. «In Nervenzellen können dadurch Proteinaggregate wie Tau und Beta-Amyloid entstehen – charakteristische Merkmale der Alzheimer-Erkrankung», betont Ärztin und Longevity-Expertin Anna Erat (49) der Paracelsus Recovery-Klinik in Zürich gegenüber Blick.

Wie funktioniert die Longevity-Pille?

Und genau hier kommt die Pille RTR242 ins Spiel. «Die Substanz soll die lysosomale Funktion wiederherstellen – also die zelluläre Putzkolonne wieder in Gang bringen», sagt die Expertin. Bei dem Medikament handle es sich um ein sogenanntes Small Molecule – eine neue Wirkstoffkategorie, die sich nur per Algorithmus und künstlicher Intelligenz aufbauen lässt, da es Abermillionen theoretischer Baupläne gebe.

Aufgrund ihrer geringen Grösse können Small Molecules sehr gut vom Darm über das Blut bis ins Gehirn gelangen. Und genau hier kann die Longevity-Pille ihre Wirkkraft entfalten. Aktuell wird in der laufenden Phase-1-Studie in Australien die Sicherheit und Verträglichkeit der Pille an gesunden Probanden getestet.

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Möglicher «Hoffnungsträger» für Alzheimer und Demenz

Laut der Longevity-Expertin könnte die Studie wegweisend sein. «Zehn gewonnene gesunde Lebensjahre durch eine einzige Pille? Das sicherlich nicht», schränkt sie zunächst ein. Den konkreten Nutzen der Pille sieht Ruge jedoch an anderer Stelle: «Sollte eine Autophagie-Dysfunktion tatsächlich ein zentraler Treiber neurodegenerativer Erkrankungen sein, dann könnte ein wirksamer Autophagie-Aktivator zumindest als ein Hoffnungsträger für eine Alzheimer- oder Demenzprävention betrachtet werden. Das allein wäre schon ein enormer Gewinn.»

Damit könnte die Pille RTR242 eine «gewisse Prävention vor neurodegenerativem Abbau» mit sich bringen, betont die Expertin. Doch bis dahin gelte es zunächst, die Studienergebnisse im August abzuwarten.

Das kannst du selbst für ein längeres Leben tun

Die wichtigsten Massnahmen, das eigene Leben gesund zu verlängern, könne man jedoch bei sich selbst finden, betont Ruge: «Die stärksten Longevity-Interventionen, die wir heute kennen, sind keine Pillen – sie sind Lebensstilentscheidungen, die wir täglich treffen können.» Mit regelmässiger und vielfältiger Bewegung steigere man Ausdauer und Kraft des Körpers. Auch gesunder Schlaf sei unverzichtbar – denn besonders im Tiefschlaf reinige sich das Gehirn selbst über das glymphatische System, das eng mit Autophagie-Prozessen verknüpft ist.

Auch bei der Ernährung kann man ansetzen. «Fasten und Intervallfasten sind die bekanntesten natürlichen Autophagie-Aktivatoren. Der Körper fährt die Selbstreinigung hoch, wenn keine Nahrung zugeführt wird – genau das, was RTR242 pharmakologisch imitieren soll», erklärt die Expertin. Zusätzlich gilt: Stress reduzieren, denn chronischer Stress beschleunige Alterungsprozesse auf Zellebene messbar.

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