Darum gehts
- Coop Pronto droht Tankstellen-Betreiber Knobel rechtliche Schritte wegen Social-Media-Aussagen an
- Knobel verkauft Treibstoff teils 10–20 Rappen günstiger als Konkurrenz
- Dieselpreis bei Knobel auf 2 CHF/Liter, 20–50 Rappen teurer seit Februar
Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Von «gierigen Preisen», einem «Skandal in dieser Industrie» oder dass Tankende «verarscht» würden: So spricht Michael Knobel (45) in seinen Videos. Jetzt verpasst Coop Pronto dem Tankstellen-Discounter einen Maulkorb. Wieso, kann er sich nicht erklären.
Was Knobel an Diesel oder Benzin verkauft, bietet er knapp über dem Einkaufspreis an. Ein Grund wieso er den Treibstoff teils 10 bis 20 Rappen unter der Konkurrenz verkauft. Doch auch seine Preise sind gestiegen. Seit der Iran-Krieg ausgebrochen ist, raste der Liter-Preis in die Höhe. 20 bis 50 Rappen mehr als noch vor einem Monat kostet der Liter – auch beim Tank-Discounter Knobel.
Unter dem Namen Etzelpark betreibt er acht Tankstellen in der Deutschschweiz zwischen St. Gallen, Pfäffikon SZ und Füllinsdorf BL. Noch ist sein Ziel von schweizweit 40 Tankstellen nicht erreicht, aber «bald» eröffne er die Nächste, verkündet er.
Coop Pronto stört sich ab Sprit-Rebell
Just im Moment, als auch Knobel seinen Dieselpreis auf zwei Franken anhob, flatterte ein Brief von Konkurrent Coop Pronto in seinen Briefkasten. Coop Pronto stört sich im Schreiben nicht an seinen günstigen Preisen, sondern an seiner Kommunikation.
Im Brief von letzter Woche, der Blick vorliegt, lässt ein Coop-Jurist den Unmut über Knobels «Kommunikation in den sozialen Medien» raus. Er spricht von «wiederholt pauschalen Aussagen», in denen gegenüber Coop Pronto «negative Behauptungen aufgestellt werden». Was Coop damit wohl meint? Beispiele nennt der Jurist nicht.
Knobels Behauptungen auf Tiktok, Instagram und Facebook erscheinen Coop Pronto «unbegründet» und stünden im «Widerspruch zu den tatsächlichen Gegebenheiten». Was das Unternehmen konkret an Knobels Aussagen kritisiert, wird nicht erwähnt.
Rechtliche Schritte
Klar ist: Coop Pronto legt dem Diesel-Discounter Michael Knobel nahe, von «pauschalen und unbelegten» Vorwürfen abzusehen, heisst es im Brief. Aus dem Juristen-Duktus übersetzt, bedeutet das: Coop Pronto will dem Branchen-Rebell einen kommunikativen Maulkorb verpassen. Wenn Knobel künftig nicht auf seinem Mund sitzt, würden rechtliche Schritte geprüft, droht der Tankstellen-Riese.
Gegenüber Blick will sich Coop Pronto zum Schreiben nicht äussern. Man lege Wert auf eine «sachliche, faire und faktenbasierte Kommunikation», heisst es auf Anfrage lediglich.
«Eine Frechheit»
Auf das Schreiben angesprochen, sagt Knobel: «Diese Einschüchterung ist eine Frechheit.» Was das Ölfass bei Coop zum Überlaufen brachte, könne er sich nicht erklären. Michael Knobel sagt: «Ich habe mich noch nie namentlich zu Coop Pronto öffentlich geäussert, und das wird so bleiben.» Das mache er bewusst, um juristische Scherereien zu vermeiden.
Das Verhalten einiger grosser Tankstellen-Betreiber stört ihn jedoch schon lange. Es ist einer der Gründe, warum Knobel ins Tankstellen-Geschäft eingestiegen ist und ist eines der Themen in seinen Beiträgen auf den sozialen Medien.
«Leute zahlen zu viel»
Namentlich nennt er die Grossen nie. Er spricht von «Konkurrenz» oder «Markt». «Unfaire» Preisunterschiede zwischen ihm, anderen Anbietern und zwischen den Regionen thematisiert er, aber immer ohne Namen. Er zeigt Grafiken in die Kamera, nennt «skandalöse» Preisänderungen zur selben Zeit und fragt sich, ob Preisabsprachen der Grund dafür seien. Wieso Knobel zu solchen Vermutungen kommt, wird dem Zuschauer nicht immer klar.
Damit wolle er nicht die Nerven der Konkurrenz strapazieren, sondern den Kunden seine «Einschätzung» schildern. Er könne nicht nachvollziehen, wieso die anderen Zapfsäulen-Anbieter deutlich über seinem Liter-Preis verkaufen und sagt: «In gewissen Regionen der Schweiz bezahlen die Leute meiner Ansicht nach zu viel Geld für Diesel und Benzin!»
Dass er sich mit solchen Aussagen keine Freunde bei den grossen Konkurrenten macht, liegt auf der Hand. Gleichzeitig betont Knobel, dass er eine Eskalation unbedingt verhindern möchte. Seine Strategie in Sachen Kommunikation und Preisgestaltung will er nach diesem Warnschuss aus dem Hause Coop nicht anpassen. «Diese Ehrlichkeit bin ich meinen Kunden schuldig», findet Michael Knobel.