Darum gehts
- Schweizer Unternehmen müssen 36'268 Pflichten beim Bund erfüllen, Stand Ende 2025
- Pflichten stiegen seit 2005 um 50 Prozent laut Regulierungsmonitor
- Rund 90 Prozent sind aktive Handlungen wie Berichte oder Meldepflichten
Immer mehr! Immer komplizierter! Immer teurer! Das Klagen über Bürokratie ist ein Dauerbrenner. Vor allem Wirtschaftsverbände werfen Bern vor, Unternehmen mit einer Flut von Vorschriften zu belasten. Sie kritisieren: Administrative Hürden kosten Zeit und gehen ins Geld.
Stoff dazu liefert das Bundeshaus zuverlässig. Manche Regelwerke sind inzwischen berüchtigt. So umfassen etwa die Bestimmungen zur Rückerstattung von Steuern und Zuschlägen auf Benzin und Diesel stolze 200 A4-Seiten.
Ewig mit Vorschriften beschäftigt
Über Bürokratie wird meist nach Bauchgefühl diskutiert. Nun gibt es harte Fakten: Auf Bundesebene gab es per Ende 2025 genau 36'268 Pflichten für Unternehmen. Die Zahl ist in der Debatte noch nicht angekommen, dürfte sie aber weiter anheizen. Enthüllt hat sie der Regulierungsmonitor, den das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) mit dem Forschungsinstitut BAK Economics entwickelt hat.
36’000-mal «Du musst»? Anders gesagt: Wer sich jeden Tag vertieft mit einer Pflicht befassen würde, wäre fast 100 Jahre beschäftigt. Ein Unternehmer könnte sein ganzes Berufsleben durch den Vorschriften-Dschungel stapfen – und wäre noch immer nicht am Ziel.
Die Fachleute haben alle Gesetze und Verordnungen auf Stufe Bund seit 2005 ausgewertet. Mithilfe künstlicher Intelligenz wurden jene Bestimmungen herausgefiltert, die für Unternehmen einen zusätzlichen Aufwand bedeuten. Der Vorteil der KI: Einmal festgelegte Kriterien lassen sich auf Tausende Gesetzesartikel über längere Zeit hinweg einheitlich anwenden.
Sein Name ist sperrig, sein Ziel einfach: Es soll helfen, der Bürokratie in Bundesbern Herr zu werden. Seit 2024 gilt das Unternehmensentlastungsgesetz. Politik und Verwaltung sollen besser erkennen, in welchen Rechtsgebieten Unternehmen besonders belastet werden – und wo sich Vorschriften abbauen oder vereinfachen lassen.
Dazu sind «vertiefte Analysen» vorgesehen. Eine direkte Folge ist der «Regulierungsmonitor». Er soll erstmals eine datenbasierte Übersicht über die Regulierungslast liefern und die Entwicklung der Vorschriften sichtbar machen.
Lob gibt es vom Schweizerischen Gewerbeverband, der das Gesetz mitinitiiert hat. «Für Politik, Verwaltung und Verbände entsteht damit eine fundierte Grundlage», heisst es. Entscheidend sei nun aber, dass Bund und Kantone aus den Erkenntnissen auch Konsequenzen zögen. «Gelingt es, konkrete Entlastungen abzuleiten, kann der Monitor zu einem echten Standortvorteil werden.»
Sein Name ist sperrig, sein Ziel einfach: Es soll helfen, der Bürokratie in Bundesbern Herr zu werden. Seit 2024 gilt das Unternehmensentlastungsgesetz. Politik und Verwaltung sollen besser erkennen, in welchen Rechtsgebieten Unternehmen besonders belastet werden – und wo sich Vorschriften abbauen oder vereinfachen lassen.
Dazu sind «vertiefte Analysen» vorgesehen. Eine direkte Folge ist der «Regulierungsmonitor». Er soll erstmals eine datenbasierte Übersicht über die Regulierungslast liefern und die Entwicklung der Vorschriften sichtbar machen.
Lob gibt es vom Schweizerischen Gewerbeverband, der das Gesetz mitinitiiert hat. «Für Politik, Verwaltung und Verbände entsteht damit eine fundierte Grundlage», heisst es. Entscheidend sei nun aber, dass Bund und Kantone aus den Erkenntnissen auch Konsequenzen zögen. «Gelingt es, konkrete Entlastungen abzuleiten, kann der Monitor zu einem echten Standortvorteil werden.»
Es zeigt sich ein klarer Trend: 2005 zählte der Bund noch 24'000 unternehmerische Pflichten. Seither ist ihre Zahl also um rund die Hälfte gestiegen.
Diese Pflichten sind häufig
Doch was ist überhaupt eine «Pflicht»? Vereinfacht erklärt: Damit ist nicht einfach ein Gesetzesartikel gemeint. Gezählt wird jede einzelne Anforderung, die den Unternehmen zusätzlichen Aufwand verursacht (zum Beispiel eine Meldevorschrift, ein Bericht oder eine technische Anforderung). Enthält ein Gesetz mehrere solcher Anforderungen, werden sie einzeln erfasst.
Über ihr Vorgehen berichten die Experten von BAK Economics im Fachblatt «Die Volkswirtschaft». Laut ihrem Aufsatz darf die Zahl von 36'000 allerdings nicht missverstanden werden. Sie sagt nichts darüber aus, wie teuer oder aufwändig eine einzelne Pflicht ist. Manche verursachen kaum Zusatzkosten, andere können viel Zeit oder hohe Investitionen bedeuten.
Ein Beispiel: Eine Firma muss eine Maschine wegen strengerer Auflagen in Sachen Sicherheit und Umwelt früher als geplant ersetzen. «Die neue Maschine verursacht zwar höhere Kosten, bietet zugleich aber eine höhere Kapazität», schreiben die Experten. «In diesem Fall ist nicht eindeutig, welcher Teil der Investitionskosten der Pflicht zuzuschreiben ist.»
Auffällig ist, mit welcher Art von Vorschriften sich die Unternehmen herumschlagen. Rund 90 Prozent aller erfassten Pflichten verlangen aktives Handeln. «Am weitesten verbreitet sind dabei Informationspflichten», so die Experten. Dazu gehörten beispielsweise Meldepflichten oder Pflichten zur Berichterstattung. Dahinter folgen sogenannte Konformitätspflichten: Sie schreiben vor, welche Anforderungen ein Produkt oder ein Prozess erfüllen muss.
Wie gross ist der Aufwand?
Die Experten warnen vor vorschnellen Schlüssen. Der Anstieg müsse nicht nur auf neue Bürokratie zurückgehen. Teilweise könnten auch Zuständigkeiten vom Kanton zum Bund verlagert oder bestehende Vorgaben erstmals systematisch erfasst worden sein. Und eine ganz andere Frage bleibt noch offen: Wie viel Aufwand haben Unternehmen, um ihre Pflichten zu erfüllen?
Wer selbst in den Vorschriften-Dschungel eindringen will: Der Regulierungsmonitor wird regelmässig aktualisiert. Er liefert nicht nur Zahlen zu den Pflichten für Unternehmen, sondern auch weitere Kennzahlen zur Bürokratie.