Die Schweiz will grüner werden. Auch im Verkehr. Das Ziel heisst E-Mobilität. Deshalb sieht das geltende CO₂-Gesetz vor, dass Autohändler Strafzahlungen entrichten müssen, wenn sie zu viele Wagen mit Verbrennungsmotor verkaufen. Doch statt sauberer Luft droht Bürokratie: Die Fahrzeugflotte altert, der Markt stockt, die Zeche zahlt die Allgemeinheit. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung im Auftrag des Branchenverbands Auto-Schweiz.
Seit der Pandemie befindet sich der Schweizer Neuwagenmarkt in der Krise. Über 370'000 Autos weniger wurden verkauft, als zu erwarten gewesen wäre. Das durchschnittliche Schweizer Auto ist heute 10,8 Jahre alt. Dass ein altes Auto mehr Schadstoffe ausstösst als ein neues, ist kein Geheimnis.
376 Millionen Franken Bussen
Was öffentlich allerdings kaum Thema ist: Die direkten Bussen, die Importeure bei Überschreitung der CO₂-Grenzwerte zahlen müssen, sind nur ein Teil der Last. Seit 2012 summierten sich die Strafzahlungen auf 376 Millionen Franken – allein 2025 kamen nochmals 125 Millionen dazu. Dazu kommen laut dem Branchenverband zusätzliche 247 Millionen Franken an indirekten Kosten.
Preisanpassungen, Sonderaktionen, Werbekürzungen, Verluste im Occasionsmarkt – die Importeure biegen sich, um die Vorgaben irgendwie zu erfüllen. Was den Verkauf drückt.
Laut Studie verzögert die Regulierung die Erneuerung des Fahrzeugbestands und könnte damit einen Teil der erwarteten Klimawirkung wieder schmälern. Gemäss Studie in der Höhe von mindestens 370 Millionen Franken – allein im Jahr 2025. Rechnet man die direkten Bussen dazu, ergibt das eine halbe Milliarde Franken. 46 Vollzeitangestellte in der Branche beschäftigen sich täglich mit dem Verwalten dieser Regulierung.
Branche beklagt «Swiss Finish»
Besonders stossend ist laut den Autoren der Vergleich mit der Europäischen Union. Deren Gesamtmarkt ist rund 50-mal grösser als der schweizerische. Und doch zahlten alle EU-Länder zusammen in den Jahren 2012 bis 2024 mit 494 Millionen Euro nur geringfügig mehr Sanktionen als die Schweiz.
Beim Bundesamt für Umwelt verweist man auf die Vorgaben durch Regierung und Parlament, an die man sich halte.
Was einst als sinnvolle Übernahme der EU-Regulierung begann, ist laut der Wirtschaft zur Bürde geworden. Während Brüssel das System pragmatisch nachgebessert hat, klebt Bern starr an der alten Vorlage – man spricht in der Branche von einem «Swiss-Finish»: dieselben Regeln, aber mit maximaler Härte angewendet.
Wer ein Auto kauft, weiss nicht, wie viel des CO₂-Aufschlags im Preis steckt. Wer ein Verbrenner-SUV kauft, bekommt die Regulierungskosten nicht auf der Rechnung – sie sind diffus auf alle Käufer verteilt. Was nun? Auto-Schweiz fordert keine Subventionen. Der Verband will keine Klimaziele abschaffen. Die Forderung mutet bescheiden an: Die Schweiz soll nachziehen, was die EU längst beschlossen hat. Flexible Mechanismen, angepasste Fristen, weniger Bürokratie. Doch: «Eine Abschwächung der Regulierungsfolgen ist zurzeit weder vom Bundesrat noch vom Parlament geplant», resümieren die Autoren bitter. Mitte-Ständerat und Gewerbeverbandspräsident Fabio Regazzi (63) hat einen Vorstoss eingereicht: Er verlangt vom Bundesrat einen Bericht zur Lage.