Darum gehts
- Lukas Reimann verlässt nach 20 Jahren den Nationalrat für Wiler Stadtrat
- Er gewann mit 699 Stimmen deutlich gegen Michael Sarbach mit 270 Stimmen
- Wil SG beheimatet 25'000 Menschen und viele bekannte Polit-Talente
Nach fast 20 Jahren im Nationalrat wird Lukas Reimann (43) Bundesbern den Rücken kehren und in den Wiler Stadtrat einziehen. Mit 3670 Stimmen konnte er sich im zweiten Wahlgang am Sonntag deutlich gegen seinen Mitbewerber Michael Sarbach (45) von den Grünen durchsetzen. Dieser konnte 3201 Stimmen auf sich vereinen. Gleichzeitig ist Andreas Breitenmoser von der Mitte-Partei zum neuen Stadtpräsidenten gewählt worden.
Die Ersatzwahl war notwendig geworden, nachdem der amtierende Stadtpräsident Hans Mäder nach gut fünf Jahren im Amt seinen Rücktritt per Mitte August eingereicht hatte. Im ersten Wahlgang von Mitte Juni waren drei Kandidaten für das Stadtpräsidium sowie drei Kandidaten für den Stadtratssitz angetreten; keiner der Kandidaten hatte damals das absolute Mehr erreicht.
«Das sind alles Themen, die den Bürgern wichtig sind»
Mit Reimann verliert Bundesbern einen unkonventionellen Politiker. Seinen grössten Erfolg sieht Reimann im Kampf für mehr Transparenz. Politiker müssen heute ihre Nebeneinkünfte offenlegen. Und: «In Wil bin ich noch immer der, der ein Minarett verhindert hat. Dazu kommen kleine Sachen: Pokern ist in der Schweiz wieder legal.»
Erster Ersatz auf der St.Galler SVP-Liste ist Landwirt Marco Gadient (56) aus Flums.
Während andere Politiker mit grossen Gesetzesvorhaben in Erinnerung bleiben, setzte sich Reimann dafür ein, dass die Fernsehsendung «Aktenzeichen XY» zurückkommt oder dass im Parlament Schweizerdeutsch gesprochen wird. «Das sind alles Themen, die den Bürgern wichtig sind.»
Jetzt zieht es Reimann zurück nach Wil SG, eine Stadt mit rund 25'000 Einwohnern. Sie ist ein Hotspot der Polit-Talente. Neben Reimann kommt mit Arbër Bullakaj (40, SP) und Barbara Gysi (62, SP) ein Viertel der Nationalratsdelegation des Kantons St. Gallen aus dieser Stadt. Und mit Bundesrätin Karin Keller-Sutter (62, FDP) wohnt eine der mächtigsten Personen der Schweiz dort.