Härtere Strafen geplant
Bundesrat will Velodiebe ausbremsen

Der Bundesrat will Velodiebstahl künftig härter bestrafen. Allein 2024 wurden landesweit weit über 50'000 Velos und E-Bikes gestohlen. Die Zahlen steigen massiv.
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Allein 2024 wurden in der Schweiz weit über 50'000 Velos und E-Bikes gestohlen.
Foto: Aleksandr Kadykov / Unsplash

Darum gehts

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  • In der Schweiz wurden 2024 über 54'000 Velodiebstähle registriert
  • Bundesrat plant härtere Strafen gegen Velodiebstahl und Gesetzeslücken
  • 2025: Basel mit 3,53 % Velodiebstahlquote, Zürich nur 1,66 %
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Die Schweiz ist ein Eldorado für Velodiebe. Laut Kriminalstatistik erfasste die Polizei allein 2024 landesweit 54’308 gestohlene Velos und E-Bikes. Bis 2022 lag die Zahl jahrelang bei rund 37'000. Nur schon die Mobiliar-Versicherung soll 2023 rund 31 Millionen Franken für gestohlene Fahrräder bezahlt haben. Die gesamte Schadensumme dürfte weit höher liegen.

Organisierte Banden nutzen aus, dass bei uns viele teure Velos herumstehen, dass die Strafen mild sind und die Langfinger in über 95 Prozent der Fälle ohnehin davonkommen. Gelegenheitsdiebe profitieren davon, dass viele Besitzer auch teure E-Bikes nur schlecht sichern. Das führe zu regelrechter Selbstbedienungsmentalität, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete.

Ein Problem: Velodiebstahl gilt meist als Bagatelldelikt und wird daher oft nicht verfolgt. So werden denn auch weniger als 5 Prozent der Fälle aufgeklärt.

Täter müssen oft nur mit geringer Busse rechnen

Damit soll Schluss sein. Der Bundesrat will Velodiebstahl künftig härter bestrafen. Er empfiehlt eine entsprechende Motion des St. Galler SVP-Nationalrats Lukas Reimann (43) zur Annahme. Konkret geht es um die sogenannte «Entwendung zum Gebrauch» gemäss Strassenverkehrsgesetz. Dabei geht es um Fälle, in denen jemand ein Fahrzeug entwendet, um von einem Ort an den anderen zu kommen – ohne es dauerhaft behalten zu wollen.

Für solche Fälle fordert Reimann «wirksame strafrechtliche Sanktionen». Sie sollen als Vergehen behandelt werden und nicht mehr pauschal als Übertretung.

Die heutige Regelung führe oft dazu, dass milde bestraft werde, wer ein Velo oder E-Bike mit einer Geschwindigkeit bis 25 km/h entwende, kritisiert Reimann. Täter hätten selbst für den Diebstahl hochwertiger Velos und E-Bikes nur mit einer geringen Busse zu rechnen.

Teure Velos und E-Bikes sind zu wenig geschützt

«Die Ausrede, das Fahrzeug nur ‹gefunden› oder ‹kurz benutzt› zu haben, genügt oft, um eine strengere strafrechtliche Verfolgung zu vermeiden», hält Reimann fest. Das schaffe eine Gesetzeslücke und biete ungenügenden Schutz für Eigentümer teurer Velos und E-Bikes.

Eine mildere Behandlung solle nur noch möglich sein, wenn zwischen Täter und Opfer ein Abhängigkeitsverhältnis besteht, sie also beispielsweise zur gleichen Familie gehören. Milde Strafen sollen zudem weiter möglich sein, wenn jemand ein Fahrzeug zwar grundsätzlich benutzen durfte, diese Erlaubnis aber missbraucht hat.

Banden bringen Velos sofort über die Grenze

Klar ist aber auch: Gelegenheitsdiebe machen nur einen Teil der Fälle aus. Viele gehen auf das Konto organisierter Banden. So ist das Problem in Grenznähe wie in Basel auch besonders gravierend. Der «Tages-Anzeiger» verwies hierzu auf Zahlen der Axa-Versicherung.

So verschwand 2025 in Basel in mehr als jedem 30. Haushalt ein Velo (Diebstahlquote: 3,53 Prozent). Zum Vergleich: In Bern mit der zweithöchsten Quote der zehn grössten Schweizer Städte sei etwa jeder 50. Haushalt betroffen gewesen (2,06 %), in Zürich jeder 60. (1,66 %).

Die Banden würden etwa aus Frankreich gezielt mit dem Zug anreisen, in der Schweiz teure Velos knacken und diese sofort über die Grenze bringen. Von dort würden sie oft per Container nach Osteuropa oder Afrika verschifft. Auch das sei ein zunehmendes Problem.

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