In Bern arbeiten am 1. Mai alle – nur die Stadtverwaltung nicht
Stinkende Müllberge, weil die Abfuhr nicht kam

Müll-Chaos in Bern: Weil der 1. Mai für die Stadtverwaltung ein Feiertag ist, blieb die Kehrichtabfuhr aus. Das sorgt für Ärger und für ein politisches Nachspiel im Stadtparlament.
Kommentieren
1/6
Weil am 1. Mai die Müllabfuhr nicht kam, blieb der Abfall tagelang liegen.
Foto: Zvg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Fehelnde Müllabfuhr am 1. Mai in der Stadt Bern sorgt für Ärger
  • Mitte-Stadträtinnen kritisieren fehlende Kommunikation und fordern schnelle Lösung
  • SP-Gemeinderat Matthias Aebischer muss Antworten liefern
RMS_Portrait_AUTOR_1047.JPG
Ruedi StuderBundeshaus-Redaktor

Zweimal pro Woche wird in Bern der Abfall eingesammelt, in der Innenstadt sogar viermal. Am Freitag ist die Müllabfuhr nicht nur in der Altstadt, sondern auch in den westlichen Quartieren unterwegs. Normalerweise. Nicht so am Freitag, 1. Mai. Im Gegensatz zu Kantonen wie Zürich oder Basel-Stadt, in denen der «Tag der Arbeit» als gesetzlich freier Feiertag gilt, wird im Kanton Bern auch am 1. Mai geschuftet.

Anders bei den Angestellten der Stadt Bern: «Der 1. Mai ist in der Berner Stadtverwaltung ein arbeitsfreier Tag», meldete die Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün unter SP-Gemeinderat Matthias Aebischer (58) Ende April in einer Mitteilung. «Daher wird an diesem Tag kein Kehricht abgeführt.»

Botschaft verhallte vielerorts ungehört

Die Botschaft verhallte in manchen Berner Gassen ungehört. Und so kam es, wie es kommen musste. In verschiedenen Quartieren wie Bümpliz, Monbijou oder Weissenbühl stapelten sich da und dort Müllberge am Strassenrand – übers ganze Wochenende hinweg.

Ein Umstand, der einigen Lokalpolitikerinnen in die Nase stach. Und zwar derart, dass das Güsel-Gate ein politisches Nachspiel hat. Die Mitte-Stadträtinnen Laura Curau und Michelle Steinemann reichten flugs eine Anfrage ein. Sie wollen vom Gemeinderat, also der Stadtberner Exekutive, wissen, wie es zu den im Stadtbild störenden Abfallsäcken und den damit verbundenen «unangenehmen Gerüchen» kommen konnte. Die beiden Frauen vermuten bereits «fehlende Kommunikation» als Ursache. 

Immer mehr Leute werfen Abfall in den Kleidercontainer
2:25
450 Tonnen pro Jahr:Immer mehr Leute werfen Abfall in Kleidercontainer

Trotzdem haken sie mit einem Fragekatalog nach. Wissen wollen sie dabei, ob, wann und wie die betroffene Bevölkerung «rechtzeitig und wirksam» über die Nicht-Abfuhr am 1. Mai informiert wurde. Ebenso, ob an diesem Tag zumindest eine Teilabfuhr oder ein Notfalldienst für Kehricht organisiert werden könnte, «um das lange Liegenlassen von Abfallsäcken auf öffentlichem Grund zu verhindern».

Sonderregelung hinterfragt

Schliesslich zielen die Mitte-Politikerinnen mitten ins Herz der links-grün dominierten Stadtregierung: Sie stellen die Sonderregelung für die städtischen Angestellten infrage.

«Wie beurteilt der Gemeinderat die Tatsache, dass der 1. Mai im Kanton Bern kein gesetzlicher Feiertag ist, die Stadtverwaltung ihn aber dennoch als arbeitsfreien Tag behandelt?», sticheln sie angesichts der Tatsache, dass «die Stadtangestellten den ganzen Tag frei haben, während Geschäfte geöffnet sind und viele Bernerinnen und Berner regulär arbeiten». Diese Diskrepanz führe Jahr für Jahr zu Verwirrung in der Bevölkerung.

Bereits 2014 habe der Gemeinderat in Aussicht gestellt, die Bevölkerung besser über den Müllabfuhr-Ausfall zu informieren, monieren die Mitte-Frauen. «Offensichtlich sind diese Massnahmen bis heute ungenügend, wie die Bilder vom 1. Mai 2026 erneut belegen.» Sie bitten die Stadtregierung daher, das Problem «dauerhaft und wirksam zu lösen».

Grüne will schweizweit arbeitsfreien 1. Mai

Noch steht die Antwort der Exekutive aus. Ein Lösungsansatz aus dem Bundeshaus könnte aber für Abhilfe sorgen. Die Genfer Grünen-Nationalrätin Léonore Porchet (36) möchte den 1. Mai schweizweit zum arbeitsfreien Tag erklären.

Das dürfte allerdings kaum nach dem Gusto der Berner Mitte-Frauen sein – und auch der Bundesrat lehnt das Ansinnen ab. Der Kehricht-Knatsch dürfte in Bern damit auch nächstes Jahr wieder für Aufregung sorgen.

Was sagst du dazu?
Meistgelesen