Darum gehts
- Antrag von Anouk Ursin: Berner Stadtrat diskutiert Einlaufsongs für Voten
- Songs sollen maximal 15 Sekunden dauern, thematisch passend zum Redebeitrag
- Mit der Musik soll die Politik näher an die Bevölkerung gebracht werden
Eines muss man Donald Trump (79) lassen: Der US-Präsident beherrscht den grossen Auftritt. Kommt er auf die Bühne, ist dies begleitet von lauter Einlaufmusik. Sie sorgt im Publikum für Stimmung, soll ein Wir-Gefühl erzeugen und Trump als energiegeladenen Kämpfer inszenieren. Gerne untermalt er das Ganze auch mal mit einer Tanzeinlage. Politik als Showbusiness.
An Trump als Vorbild hat Anouk Ursin (33) von der Alternativen Linken wohl nicht gedacht. Doch auch sie möchte im Berner Stadtparlament Fraktionen und Einzelmitgliedern ermöglichen, Voten mit einem kurzen Einlaufsong einzuläuten. Dieser soll in «erkennbarem thematischem Zusammenhang» mit dem Votum stehen. Ursin hat eben einen Änderungsantrag des Geschäftsreglements eingereicht.
Politik zugänglicher und nahbarer machen
Das Berner Pop-Parlament dürfte einzigartig sein. Einlaufsongs wären aber auf die Dauer von maximal 10 bis 15 Sekunden zu begrenzen, betont Ursin. Der Sitzungsablauf soll weder gestört noch verzögert werden.
Politik ist oft trocken und kompliziert. Gleichzeitig sei die Debatte im Stadtrat zentraler Bestandteil der demokratischen Meinungsbildung. Es sei daher eine Herausforderung, sie für Teilnehmende wie für die breite Öffentlichkeit zugänglicher und nahbarer zu machen.
«Die Möglichkeit, Voten mit einem kurzen, thematisch passenden Einlaufsong zu beginnen, stellt eine zeitgemässe Form politischer Kommunikation dar», zeigt sich Sekundarlehrerin Ursin überzeugt. «Sie erlaubt es, komplexe Positionen pointiert einzuleiten und die Aufmerksamkeit der Zuhörenden zu erhöhen.»
Ursin hat schon konkrete musikalische Vorstellungen
Und Ursin hat schon ganz konkrete Vorstellungen: So wäre etwa bei einem stark personalisierten Einzelvotum ein Song wie «Lifestyle» der US-Hip-Hop-Band Rich Gang einzusetzen, um die individuelle Perspektive zu unterstreichen, schreibt sie in ihrem Antrag. Für andere Politthemen liessen sich entsprechend passende musikalische Bezüge herstellen.
Selbst käme die Kurzzeit-Parlamentarierin nicht mehr in den Genuss der Pop-Politik. Ursin sitzt nur zwischen Januar und April im Berner Stadtrat, wo sie dank der neuen Stellvertreterregel einen Parteikollegen vertritt, der eine Auszeit nimmt. Wird ihr Antrag angenommen, könnte sie in dieser kurzen Phase aber fast schon Polit-Geschichte schreiben.