Darum gehts
- Kanton Bern entdeckt Chrom 6 im neuen Verwaltungszentrum in Tavannes
- Sanierungskosten steigen wegen Statikmängeln und Schadstoffen
- Gesamtkosten des Projekts erreichen fast 100 Millionen Franken
Was als vermeintliches Immobilien-Schnäppchen begann, entwickelt sich für den Kanton Bern zunehmend zu einem finanziellen Albtraum. Im alten Fabrikgebäude in Tavannes, das künftig als Verwaltungszentrum dienen soll, wurde nun auch noch hochgiftiges Chrom 6 entdeckt, wie die «Berner Zeitung» schreibt.
Zusammen mit massiven statischen Mängeln treibt dies die Kosten in schwindelerregende Höhen. Inzwischen wird das Projekt mit fast 100 Millionen Franken veranschlagt. Deswegen hagelt es nun Kritik.
Gebäude musste gesperrt werden
Wie ist es so weit gekommen? Im Jahr 2023 erwarb der Kanton Bern die alte Fabrik in der Nähe vom Bahnhof Tavannes für rund 6 Millionen Franken. Das Gebäude hat vier Stockwerke und eine Nutzfläche, die fast der Grösse eines Fussballfeldes entspricht. Doch die Freude über den Kauf währte nur kurz.
Schon bald nach der Übernahme offenbarten sich diverse Statikprobleme wie zerbröselte Bausubstanz und stellenweise durchgebrochene Decken. Wegen akuter Einsturzgefahr musste das Areal abgesperrt werden; Decken wurden provisorisch mit Säulen gestützt. Nun folgt mit dem Fund von Chrom 6 der nächste Schock. Der krebserregende Schadstoff erfordert eine aufwendige Sanierung und Spezialentsorgung der betroffenen Bauteile.
Allein für die Behebung der Statikmängel und die Schadstoffbeseitigung werden zusätzliche 11 Millionen Franken fällig. Insgesamt beantragt der Regierungsrat einen Nachkredit von 38 Millionen Franken. Ein Teil dieser Summe ist auch darauf zurückzuführen, dass das Zentrum von mehr Verwaltungseinheiten genutzt werden soll als ursprünglich geplant.
«Paradebeispiel finanzieller Entgleisung»
Damit verdoppelt sich der finanzielle Aufwand nahezu: Von den ursprünglich bewilligten 60 Millionen Franken steigen die Gesamtkosten – inklusive Kaufpreis – auf rund 100 Millionen Franken. Baudirektor Christoph Neuhaus (60, SVP) verteidigt den Kauf dennoch. «Der schlechte Zustand des Gebäudes ist in den Kaufpreis eingeflossen», sagt er der «Berner Zeitung». Das Gebäude sei nach wie vor gut geeignet, ausserdem spare man durch den Verzicht auf ein einst vorgesehenes Justiz- und Polizeizentrum über 50 Millionen Franken.
Trotz dieser Rechtfertigungen wächst der Widerstand. SVP-Grossrat Maxime Ochsenbein (35) spricht von einem «Paradebeispiel finanzieller Entgleisung» und einem «Kontrollverlust». Auch die Finanzkontrolle des Kantons spart nicht mit Kritik. In einer Sonderprüfung wurde bemängelt, dass die Wirtschaftlichkeit des Standorts unzureichend geprüft worden sei.