Darum gehts
- SP-Nationalrätin Badran kritisiert SRF-«Arena» zu Mietpreisdebatte und Zuwanderung scharf
- Badran kritisiert eine Grafik, die einen Zusammenhang zwischen Zuwanderung und steigenden Mieten herstellt
- Studien zeigen: Zuwanderung beeinflusst Mieten, sind aber nicht der wichtigste Faktor
Es war eine «Arena», in der die Post abging. «Miet-Irrsinn stoppen» hiess die kürzlich ausgestrahlte SRF-Sendung. Mittendrin: SP-Nationalrätin Jacqueline Badran (64). Sie kämpfte. Wie immer mit viel Emotionen. Sie wurde hart angegriffen. «Leben Sie wirklich auf 150 Quadratmetern?», wurde die Zürcherin gefragt. Ihre Antwort: «Geht es noch?»
Jetzt beklagt sich Badran über die «Arena». 20 Minuten lang habe sie sich falsche Behauptungen anhören müssen, schreibt Badran in ihrer Kolumne in der «SonntagsZeitung». «Mir wurde nicht einmal der Raum gegeben, diesen vom Hauseigentümerverband diktierten Unfug zu kontern.» Badran sieht sich konfrontiert mit einer Dauerschleife an «falschen Behauptungen». So verbreite SRF etwa eine Grafik, die einen Zusammenhang zwischen der Zuwanderung und steigenden Mieten herstelle, poltert Badran weiter.
Dass die Wogen hochgehen, ist kein Wunder. Im Juni stimmt die Schweiz über die 10-Millionen-Initiative der SVP ab. Steigen die Mieten und Hauspreise wegen der Zuwanderung? Oder sind andere Gründe schuld an unerschwinglichen Eigenheimen und an Mietzinsen, die viele Haushaltsbudgets stark belasten? Die Frage ist bei der Abstimmung besonders brisant.
Welchen Effekt hat die Zuwanderung auf steigende Mieten?
Badrans Haltung ist klar: Die Zuwanderung ist nicht schuld. Ihr Kernargument: Die Leerwohnungsziffer liegt aktuell über dem langjährigen Schnitt. Insofern müssten die Mieten eigentlich gesunken sein, da mehr gebaut wurde, als durch die Zuwanderung Wohnraum benötigt wurde. «Biel hat mit 1,7 Prozent eine der höchsten Leerwohnungsziffern der Schweiz. Die Mieten sind dort in zehn Jahren um 34 Prozent gestiegen», sagte Badran kürzlich zu den Zeitungen von CH Media.
Dort führte sie die Steigerung der Mietzinsen auf institutionelle Anleger zurück. Anleger hätten in der Tiefzinsphase in Immobilien investiert, weil sie nicht wussten, wohin mit dem Geld. Die falschen Leute hätten «aus falschen Gründen die falschen Sachen» gebaut. Nun bräuchten sie «möglichst hohe Mieten, um den Wert ihrer Immobilie in der Bilanz zu steigern». Eine Kontrolle der Renditen würde Abhilfe schaffen, ist sie überzeugt.
Experten: «Ja, aber ...»
Welche Rolle spielt die Zuwanderung? Hat Badran recht? In den letzten Jahren sind mehrere Studien zur Frage erschienen. Das sind die Ergebnisse:
- Der Immobilienexperte Wüest Partner publizierte letztes Jahr eine Übersichtsstudie. Deren Schluss: «Ein Bevölkerungswachstum von 1 Prozent treibt die Angebotsmieten im Schnitt um 1 Prozent nach oben», hält Experte Robert Weinert in einem Blogbeitrag fest. Die Migration sei aber längst nicht der einzige Faktor. Zu Blick sagte Weinert: Eine deutlich grössere Rolle würden das Wirtschaftswachstum an sich spielen, die Zinssituation und die Leerwohnungsziffer. Sein Fazit: «Die Migration beeinflusst zwar die Preisbildung, sie ist aber nicht die Ursache dafür.»
- Auch die liberale Denkfabrik Avenir Suisse setzte sich in einem Blogbeitrag mit der Frage auseinander und blickte auf frühere Studien zum Thema. Das Fazit: Beim Wohneigentum ging nach der Einführung der Personenfreizügigkeit 2002 ein Fünftel des Preisanstiegs auf die Zuwanderung zurück. Aber: «Der Grossteil des Preisanstieges war hausgemacht: Die gute Konjunktur, die fallenden Zinsen trugen entscheidend dazu bei.» Zudem flachte der Effekt wieder ab. Denn es wurde wegen der gestiegenen Nachfrage mehr gebaut.
- Ähnlich ist das Fazit einer Studie des Bundesamtes für Wohnungswesen. Die Zuwanderung spielt demnach eine Rolle, aber längst nicht die alleinige.
Die Studien legen zudem nahe, dass es nicht alle gleich betrifft: Der Zuwanderungseffekt betrifft Neuvermietungen und eine zahlungskräftige Klientel in den Zentren oder kräftig wachsenden Regionen stärker.