Darum gehts
- Fast drei Millionen Steuerpflichtige in der Schweiz haben kaum Vermögen
- Umfrage: 13 Prozent der Teilnehmer haben nach Fixkosten kein Monatsbudget mehr
- 27 Prozent der Befragten verfügen über mehr als 3'000 CHF monatlich
Für immer mehr Schweizerinnen und Schweizer ist das Portemonnaie am Ende des Monats leer. Drei Millionen der Steuerpflichtigen in der Schweiz haben kein oder kaum Vermögen. Oftmals ist die Kombination aus tiefen Einkommen und steigenden Fixkosten verantwortlich.
Für Haushalte mit tiefem Einkommen ist besonders die Belastung durch steigende Mieten und Krankenkassenprämien hoch. Das sorgt dafür, dass viele kaum bis gar nichts zur Seite legen können. In unserer Leserschaft geht es vielen ähnlich. Wir haben genauer nachgefragt.
Für viele liegt sparen nicht drin
Eine Leserumfrage mit über 7000 Teilnehmern zeigt, dass ganze 13 Prozent der Leserinnen und Leser nach Abzug der Fixkosten kein verbleibendes Monatsbudget mehr zur Verfügung haben. Bei 18 Prozent liegt das verfügbare Resteinkommen bei unter 500 Franken. 23 Prozent gaben an, sie haben monatlich nur 500 bis 1'500 Franken zur freien Verfügung.
Für die folgenden 19 Prozent sieht es schon etwas besser aus. Sie haben jeden Monat 1500 bis 3000 Franken mehr, als sie zum Leben brauchen. Die verbliebenen 27 Prozent haben im Monat über 3000 Franken Überschuss. Einige Leserinnen und Leser gehen noch weiter ins Detail. Sie teilen ihre finanziellen Engpässe.
«Oft muss ich Mahlzeiten auslassen»
Am meisten melden sich Communitymitglieder mit Familien zu Wort. Mathias Reimann ist einer von ihnen: «Ich arbeite 100 Prozent, meine Freundin 20 Prozent. Mir drei Kindern bleibt jeden Monat weniger zum Leben übrig, da alles teurer wird. Die Löhne gehen nicht mehr rauf.» Engin Harun berichtet: «Um meine Familie zu ernähren, habe ich einen Nebenjob angenommen. Ansonsten könnte ich weder Steuern noch Krankenkasse zahlen.»
Bei anderen ist es aus Krankheitsgründen knapp. So auch bei Miriam Schenk: «Ich beziehe eine IV-Rente und Ersatzleistung. Krankenkasse und die Miete werden zwar bezahlt, aber viel bleibt mir danach nicht.» Kommt eine grosse Rechnung, gäbe es keinen Spielraum mehr. «Oft muss ich Mahlzeiten auslassen, weil ich mir keinen Einkauf leisten kann», schildert sie weiter.
Auszuwandern ist für manche der einzig verbleibende Ausweg. Rentner Roland Zaugg erzählt von sich: «50 Jahre habe ich mitgeholfen, die Schweiz aufzubauen. Jetzt muss ich in Spanien leben, weil es mit einer Rente von 1900 Franken zu teuer ist in der Schweiz.» Auch Maria Baumgartner legt offen: «Ich bin vor neun Jahren ausgewandert. Ich kann mir die Schweiz nicht mehr leisten.»