Tania C. hat hohe Schulden
«Ich habe Angst, meinen Briefkasten zu öffnen»

15'000 Franken Schulden: Tania C. kämpft seit Jahren gegen die Forderungsflut. Diese wirkt sich physisch und psychisch auf die 36-Jährige aus. Nicht einmal die Schuldenberatung konnte ihr helfen. Doch die Solothurnerin gibt nicht auf.
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Tania C. (36) hat ein Netto-Gehalt von 3560 Franken. Das Geld reicht nicht.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Tania C. aus dem Kanton Solothurn hat 15'000 Franken Schulden
  • Depressionen und Panikattacken führten zu einem finanziellen Kollaps
  • Monatliche Fixkosten höher als der Lohn
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Tania C.* (36) kämpft seit Jahren. Rechnungen, Mahnungen und Kreditkarten-Schulden – ihr Netto-Gehalt von 3560 Franken reicht hinten und vorne nicht. Monat für Monat fragt sich die Produktionsmitarbeiterin aus der Elektro-Branche, wie sie diese Flut an Forderungen bloss stemmen soll. Oft reicht es nicht einmal fürs Nötigste, wie etwa Essen – dann muss ihre Familie einspringen.

Die Solothurnerin gibt gegenüber Blick zu: «Ich habe sogar Angst, meinen Briefkasten zu öffnen. Sobald ich davor stehe, habe ich Herzrasen und Panik.» Dabei hofft sie stets: «Dass nichts drin ist. Denn ist doch etwas gekommen, ist es meist nichts Gutes.»

15'000 Franken sind offen

Inzwischen hat sich ein Schuldenberg angehäuft, den sie abzubauen versucht. Tania C. sagt: «Ich muss irgendwie 15'000 Franken aufbringen – ich habe keine Ahnung, wie!»

Sie rechnet ihre monatlichen Fixkosten vor: Die Wohnungsmiete ist bei 1156 Franken, die Krankenkasse bei 480 Franken. Dann zahlt sie ihre Schulden ab: für einen einzelnen Kredit 500 Franken und für zwei Kreditkarten insgesamt 700 Franken an Rückzahlung monatlich. Hinzu kommen Telefon, Internet und Strom mit monatlich 150 Franken. Weiter beglich sie bis vor kurzem Steuerschulden aus dem Jahr 2023 für jeweils 600 Franken pro Monat. Theoretisch war sie damit jeden Monat im Minus und musste von ihrer Familie finanziell unterstützt werden.

Doch kaum sind diese Steuerschulden abbezahlt, flatterte jetzt die aktuelle Steuerrechnung in Höhe von 6000 Franken ins Haus. Hier muss sie noch eine Abzahlungsvereinbarung treffen. Denn auf der hohen Kante hat sie das Geld nicht. 

Der finanzielle Kollaps

Die Solothurnerin hat schon seit 13 Jahren in etwa das gleiche Gehalt. Sie erhielt nur einmal eine kleine Lohnerhöhung. «Über all diese Jahre musste ich streng haushalten, nur so reichte es», sagt sie.

Doch dann kam das Jahr 2023. Tania C. kämpfte mit Depressionen und Panikattacken. Emotional war sie an einem Tiefpunkt. «Um diesen negativen Gefühlen entgegenzuwirken, begann ich, einfach zu leben – ohne ständig aufs Geld zu schauen», erinnert sie sich. «Ich bestellte mir Essen, kaufte mir Kleider und Schminke online.»

Schnell uferte es aus. Insgeheim wusste Tania C.: «Ich lebe krass über meine Verhältnisse.» Die Folgen waren rasch spürbar: «Rechnungen, Steuern und Versicherungen blieben auf der Strecke.»

Ein Kredit als Falle

C. versuchte, sich aus dieser Misere zu befreien. Ihre vermeintliche Lösung: ein Kredit in Höhe von 15'000 Franken. «Damit wollte ich alles auf null setzen und neu beginnen.»

Doch dann der Nackenschlag: Der ganze Druck wirkte sich auf ihr Gemüt aus. Tania C.s Depressionen verstärkten sich. «Dadurch spielte ich mit dem Gedanken, mir das Leben zu nehmen», gibt Tania C. zu. Deswegen begab sie sich 2023 für drei Monate in eine Klinik – ebenfalls mit finanziellen Folgen. «Meine Kosten stiegen, etwa durch den Selbstbehalt. Auch musste ich nach dem Aufenthalt nachträglich die Essens-Ausgaben in Höhe von 3000 Franken bezahlen.»

Suche nach Hilfe und Lösungen

Tania C. versuchte seither den finanziellen Balance-Akt. Doch der Spagat war unmöglich. Das merkte die Solothurnerin vergangenen Herbst. Dort sollte sie noch Steuern aus dem Jahr 2023 in Höhe von rund 5800 Franken nachzahlen – doch sie hatte das Geld nicht, und Ratenzahlungen waren nur auf wenige Monate möglich.

C. suchte sich Hilfe. «Ich ging voller Hoffnung zur Schuldenberatung – für mich war es ein Reinfall. Dort hiess es: Sie können mir nicht helfen, ich hätte kaum finanziellen Spielraum. Ihr Tipp: Ich soll mich einfach betreiben lassen.»

Doch das wollte C. nicht. Also suchte sie weiter nach Lösungen: «Zuerst wollte ich einen Nebenjob suchen, aber mein Arbeitgeber war nicht einverstanden. Also probiere ich es jetzt seit Oktober mit Social-Media-Marketing.»

Tania C. redet Klartext

Eine wichtige Lektion aus der Marketing-Ausbildung: «Präsentiere dich authentisch.» Was Tania C. sich sehr zu Herzen nimmt – und jetzt online über ihre Schulden auspackt. «Ich hatte eh das Bedürfnis, mich einmal über meine Situation auszukotzen.» Seither gibt die 36-Jährige auf Instagram und Tiktok Einblicke in ihr Leben – und verkauft gleichzeitig etwa Parfüms und Reinigungsmittel.

Über die Reaktionen ist selbst sie überrascht: «Es gibt so viele Leute, die Ähnliches erlebt haben und dieses Panik-Gefühl vor dem Briefkasten oder Post kennen. Was man vielleicht nicht unbedingt erwartet, weil es ja immer heisst, wie reich die Schweiz sei und wie gut es uns hier finanziell geht», sagt C. Gemäss offiziellen Zahlen sind in der Schweiz mehr als 410'000 Menschen verschuldet. 

Der Austausch auf Tiktok habe ihr enorm geholfen: «Was mir extrem Mut gemacht und Hoffnung geschenkt hat, ist, dass einige User berichtet haben, wie sie es selbst aus der Schuldenfalle geschafft haben, mehrere gaben mir Tipps. Es ist also möglich – auch für mich!»

Inzwischen geht es Tania C. gesundheitlich besser. Ihr Ziel: den Job wechseln, unter Umständen auch die Branche. «Ich möchte meine Finanzen aufbessern – und vielleicht auch durch Social Media etwas dazuverdienen.» 

* Name bekannt 

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