Darum gehts
Manon Erb hat letzten Sommer ihre KV-Lehre abgeschlossen. Seither besucht sie die Berufsmaturitätsschule (BMS). Das Ziel der 21-Jährigen: Im kommenden Juni die Maturitätsprüfung bestehen, danach die Passerelle absolvieren und anschliessend Psychologie oder Biochemie studieren. Sie wohnt im Berner Ostring-Quartier.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
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Erb, die in Wirklichkeit anders heisst, wurde von der Kesb fremdplatziert, als sie 14 Jahre alt war. Sie lebte erst in einer Pflegefamilie und dann bis zum Ende ihrer Lehre in einem Jugendheim. Zu den Eltern hat sie heute nur sporadisch Kontakt. Ein Stipendium würde sie finanziell entlasten. Bei einer Vorabklärung hat sich aber gezeigt, dass Manon aufgrund des zu hohen elterlichen Vermögens keinen Anspruch auf Stipendien hat.
In der Beobachter-Serie «Die Abrechnung» zeigt sie ihren Kontoauszug und erzählt, wie sie mit ihrem Budget lebt. Wie viel Geld steht ihr zur Verfügung? Wofür gibt sie es aus?
So regelt sie ihre Finanzen
Ich habe keine Schulden, da ich mir in meinem Leben noch nie Geld geliehen habe. Im Jugendheim stand mir mein Lernendenlohn zur freien Verfügung. Wir haben gemeinsam einen Budgetplan erarbeitet und diesen regelmässig evaluiert. So habe ich ein gutes Gespür dafür entwickelt, was ich ausgeben kann.
Meine Ausgaben organisiere ich über zwei Konti. Eines habe ich für meine laufenden Ausgaben wie zum Beispiel Einkaufen und auswärts Essen. Über das andere Konto werden die Fixkosten bezahlt. Dazu gehören Miete, Krankenkasse und Versicherungen.
Einnahmen
Mir stehen monatlich netto 1960 Franken zur Verfügung.
Der grösste Teil meiner Einnahmen besteht aus Alimenten von meinem Vater, insgesamt 1400 Franken. Meine Mutter leitet mir die Ausbildungszulagen von 310 Franken weiter. Zusätzlich verdiene ich monatlich etwa 250 Franken durch Nachhilfeunterricht an der Berufsschule. Das mache ich etwa einmal pro Woche für jeweils zwei Stunden.
Ausgaben
Wohnen: Ich lebe in einer 4,5-Zimmer-Wohnung mit zwei Mitbewohnern. Wir haben ein gemeinsames Wohnzimmer, einen grossen Balkon, eine Waschmaschine und einen Geschirrspüler. Die Wohnung ist hell und befindet sich in einer ruhigen Gegend.
Die Miete beträgt 2550 Franken. Mein Mietanteil 850 Franken, dazu kommen pro Person 180 Franken für Nebenkosten wie Strom und Wasser. Die Serafe-Gebühr von 335 Franken pro Jahr teilen wir uns durch zwei, da ein Mitbewohner nur Wochenaufenthalter ist.
Es ist eher eine teure Wohnung, aber das nehme ich in Kauf. Ich fühle mich in der WG sehr wohl und habe mir ein kleines, stabiles Daheim aufgebaut.
Telefon, Internet und Abos: Mein Handyabo hat unbegrenztes Datenvolumen und kostet 13 Franken im Monat. In der WG haben wir kein gemeinsames Internet. Ich nutze meinen Laptop über den Hotspot meines Handys.
Über die Plattform GamsGo beziehe ich ein vergünstigtes Spotify-Abo für 6 Franken und ein ChatGPT-Abo für 12 Franken. Wenn ich Serien schauen möchte, darf ich den Account einer Freundin nutzen.
Versicherungen: In meiner kaufmännischen Ausbildung haben wir das Thema Versicherungen detailliert besprochen, deshalb kenne ich mich heute in diesem Bereich einigermassen gut aus. Um den Abschluss meiner Policen bei der Mobiliar kümmerte sich ursprünglich meine damalige Beiständin vom Jugendamt.
Für meine Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung zahle ich heute inklusive einfachem Diebstahl 240 Franken pro Jahr.
Gesundheit: Prämienverbilligung erhalte ich im Kanton Bern leider keine, im Kanton Freiburg bekam ich sie. Meine Krankenkasse kostet mich inklusive Zusatzversicherung 426 Franken im Monat. Ich habe die tiefste Franchise von 300 Franken gewählt. Das ergibt bei mir Sinn, weil ich regelmässig zu einer Psychologin gehe. Die Therapie hilft mir, die erarbeitete Stabilität zu halten.
Für Kosten wie Franchise, Selbstbehalt und Medikamente plane ich jährlich etwa 1000 Franken ein. Einmal pro Jahr gehe ich in die Dentalhygiene, meistens kostet das 120 Franken.
Mobilität: Ich bin meistens in der Stadt Bern unterwegs. Teils mit dem Velo, teils mit dem öffentlichen Verkehr.
Ich habe ein altes Mountainbike aus der sechsten Klasse. Kleinere Reparaturen versuche ich möglichst selbst zu machen. Letztes Jahr musste ich aber 120 Franken ausgeben, weil meine Bremsen nicht mehr funktionierten.
Ich habe ein Zonenabo für die Stadt und ein Halbtax-Jugend-Abo, was mich zusammen 820 Franken im Jahr kostet.
Ausbildung und Bücher: Die Berufsmaturitätsschule ist an sich kostenlos, aber ich benötige Schulbücher, und die Anmelde- und Prüfungskosten kommen dazu. Das sind ungefähr 600 Franken pro Jahr.
Haushalt: Für Lebensmittel gebe ich schätzungsweise 300 Franken im Monat aus. In unserer WG kauft jeder für sich selbst ein, wobei es einmal in der Woche ein gemeinsames Abendessen gibt.
Ich achte sehr auf Aktionen und nutze die Cumulus-Karte. Fleisch kaufe ich fast nie, es ist mir zu teuer. Auch Fleischersatzprodukte haben ihren Preis. Tofu ist eine gute Alternative. Allgemein versuche ich mich ausgewogen zu ernähren. Dazu gehören für mich Proteine, Vollkornprodukte und viel Gemüse. Curry ist eines meiner Standardgerichte.
Für Kosmetikprodukte wie Concealer oder Lippenstift rechne ich mit 10 Franken im Monat. Da ich unter Neurodermitis leide, kann ich die speziellen Pflegeprodukte über die Krankenkasse abrechnen. Meine schulterlangen Haare schneidet mir eine Kollegin kostenlos. Meist sind es nur die Spitzen.
Mit 16 habe ich angefangen zu rauchen. Vor drei Wochen habe ich aufgehört und spare seither 20 Franken pro Monat.
Verpflegung ausser Haus: Dafür budgetiere ich 50 Franken im Monat. Das reicht für einmal auswärts Abendessen und für ein bis zwei Feierabendgetränke. Ich trinke maximal ein alkoholisches Getränk, am liebsten Aperol Spritz. Manchmal übernehmen die Rechnung auch meine Freundinnen, die bereits voll arbeiten. Oder wir kochen gemeinsam zu Hause.
Mein Mittagessen für die Schule nehme ich immer von zu Hause mit.
Kleidung und Schuhe: Ich mag Mode und gehe gern shoppen, zum Beispiel bei New Yorker. Aber mein Budget ist mit 20 Franken pro Monat sehr knapp kalkuliert. Ich kaufe oft monatelang gar nichts Neues. Manchmal bekomme ich Kleider von Freundinnen oder wünsche mir Gutscheine zum Geburtstag von meinen Grosseltern.
Freizeit: Ich gehe joggen, höre Musik oder lese Bücher. Das kostet mich keinen Franken respektive habe ich das bereits bei anderen Budgetposten eingerechnet. Wenn ich Musik höre, begeistere ich mich vor allem für Hip-Hop und Pop, zum Beispiel den französischen Rapper Ninho. Ich hoffe, dass mich seine Songs anspornen, mich wieder mehr hinter das Französischlernen zu setzen. Dank meines kostenlosen Bibliotheks-Abos für unter 25-Jährige gebe ich auch beim Lesen kein Geld aus.
Partys besuche ich selten, ich treffe mich lieber in einer Bar. Ich habe keinen festen Freund und bin auch nicht auf Dating-Plattformen aktiv.
Geschenke: Ich kaufe keine Geschenke, sondern bastle oder stricke etwas. Für Material gebe ich monatlich zirka 20 Franken aus.
Ferien und Ausflüge: Für Ferien und Ausflüge lege ich 50 Franken beiseite. Im Sommer gehe ich gern zelten oder an ein Musikfestival. Letztes Jahr war ich einen Abend am Gurtenfestival. Das Ticket kostete 130 Franken.
Letztes Jahr konnte ich dank eines Geschenks einer Kollegin zehn Tage nach Gran Canaria verreisen, wofür ich selbst nur 500 Franken beisteuern musste. Das haben wir uns zum KV-Abschluss gegönnt.
Steuern: Ich zahle keine Steuern, weil ich kein wirkliches Einkommen habe.
Altersvorsorge: Darüber mache ich mir keine Gedanken. Nicht, weil ich mich damit nicht befasse, sondern weil es in meiner Situation sinnlos ist. Ich habe weder das Geld noch den Steuervorteil.
Sparen und Vermögen: Während meiner Lehre konnte ich 8000 Franken ansparen. In den Ferien arbeite ich ab und zu in einer Bar, um den jährlichen Fehlbetrag von ungefähr 3000 Franken in meinem Budget auszugleichen. Mit einem Stundenlohn von 25 Franken plus Trinkgeld geht das ungefähr auf. Ziel ist es, den jährlichen Fehlbetrag im Budget mit diesem Ferienjob rauszuholen.
Mein grösster Luxus
Das ist meine Miete und vielleicht mein Laptop, den ich mir vor zwei Jahren für 800 Franken gekauft habe.
So fühle ich mich
Ich habe keine Eltern, die mir ein finanziell sorgloses Leben bescheren wie bei manchen meiner Freundinnen. Aber so ist das Leben. Für manche liegen mehr Steine im Weg als für andere. Es ist finanziell eng bei mir, und ich weiss noch nicht, ob die Passerelle und ein anschliessendes Studium finanziell überhaupt möglich sein werden. Manchmal frustriert es mich, dass die Chancengleichheit in der Bildung oft vom Portemonnaie der Eltern abhängt.
Aufgezeichnet von Katrin Reichmuth.
Hier finden Sie die bisherigen Folgen der Rubrik «Die Abrechnung».