Darum gehts
Céline Sutter hat sich nach der Matura an der Pädagogischen Hochschule zur Kindergärtnerin und Primarlehrerin ausgebildet. Das hat drei Jahre gedauert. Seit acht Jahren arbeitet die 30-Jährige nun als Kindergärtnerin in der Stadt Zürich.
Sutter, die in Wirklichkeit anders heisst, lebt mit ihrem Partner im Limmattal. Der 29-Jährige ist Softwareentwickler und verdient ein bisschen weniger als sie. Die Kosten teilen sie sich hälftig. Ihr gemeinsames Ziel ist es, mit 60 finanziell frei zu sein. Und das auch, wenn sie einmal Kinder haben sollten.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
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In der Beobachter-Serie «Die Abrechnung» zeigt Céline Sutter ihren Kontoauszug und erzählt, wie sie mit ihrem Budget lebt. Wie viel Geld steht ihr zur Verfügung? Wofür gibt sie es aus?
Einnahmen
Ich arbeite Vollzeit und verdiene monatlich 8000 Franken netto, 13 Mal im Jahr.
Dazu kommt, dass ich für das Material im Schulhaus verantwortlich bin. Für dieses «Ämtli» habe ich einen Stundenlohn von 45 Franken. Der Aufwand ist sehr unterschiedlich. Mein Lohnausweis zeigt, dass ich für diese Zusatzaufgabe letztes Jahr 2000 Franken zusätzlich bekommen habe.
Mein Lohn steigt automatisch, je länger ich im Beruf arbeite. Ein weiterer grosser Pluspunkt ist, dass er von Zeit zu Zeit der Teuerung angeglichen wird.
Ausgaben
Wohnen: Vor drei Jahren sind mein Freund und ich in eine 3,5-Zimmer-Wohnung gezogen. Unsere erste gemeinsame Wohnung ist mit 105 Quadratmetern grosszügig. Das Haus ist etwa 20 Jahre alt. Die Küche ist nicht mehr die modernste, aber es funktioniert alles bestens. Für meinen Anteil der Miete zahle ich 1100 Franken, inklusive Nebenkosten.
Wir haben eine Solaranlage auf dem Dach und bezahlen für Strom ungefähr 130 Franken alle drei Monate. Diese Kosten und die Serafe-Gebühr teilen sich mein Partner und ich ebenfalls hälftig. Das macht für mich monatlich 35 Franken.
Telefon, Internet und Abos: Das Netflix-Abo von monatlich knapp 18 Franken übernehme ich. Musik höre ich über Spotify, das läuft aber über meine Eltern, und ich zahle nichts.
Über meinen Arbeitgeber konnte ich ein vergünstigtes Handyabo bei Swisscom abschliessen. Deshalb zahle ich monatlich nur 10 Franken.
Wir haben einen Fernseher, aber kein TV-Abo, weil wir das klassische Fernsehprogramm nicht nutzen. Serien oder Dokus schaue ich über Netflix, und News lese ich übers Handy. Unser Internetabo kostet 60 Franken pro Monat, mein Anteil beträgt 30 Franken.
Versicherungen: Wir haben unsere Musikinstrumente und Velos gegen Diebstahl auswärts versichert. Die normale Deckungssumme von 2000 Franken wäre zu wenig. Meine Klarinette hat einen Wert von 4500 Franken, die Tuba meines Freundes 10’000 Franken. Und unsere Velos kommen zusammen ebenfalls auf 10’000 Franken. Die Prämie für die Hausrat- und Haftpflichtversicherung beträgt 600 Franken pro Jahr.
Als Lehrperson ist es meiner Meinung nach sinnvoll, eine Rechtsschutzversicherung zu haben. So bin ich abgesichert, wenn ich Konflikte mit den Eltern, Kindern oder der Schule habe. Die Prämie kostet mich jährlich 240 Franken.
Gesundheit: Ich bin seit vielen Jahren bei der gleichen Krankenkasse. Sie zu wechseln, ist mir zu aufwendig. Es ist ja nicht nur der Papierkram beim Wechsel, man muss auch eine neue App einrichten und so weiter. Für die Grundversicherung mit der höchsten Franchise zahle ich jeden Monat 325 Franken.
Ich habe auch noch eine Zusatzversicherung, damit ich halbprivat versichert bin. Das war ich schon als Jugendliche, und meine Eltern haben mir nahegelegt, ich soll das beibehalten. Für 60 Franken jeden Monat ist es mir wert, eine freie Arztwahl und Anspruch auf ein Zweibettzimmer im Spital zu haben.
Für unsere Rubrik «Die Abrechnung» suchen wir zurzeit Pilotinnen oder Auslandschweizer. Der Beobachter freut sich auf deine Anmeldung unter dem entsprechenden Link! Bitte melde dich hier an.
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Letztes Jahr hatte ich eine Streptokokken-Infektion. Der Arztbesuch sowie Antibiotika kosteten mich 190 Franken. Ansonsten bin ich selten krank. Das habe ich meinem guten Immunsystem zu verdanken.
Die jährliche Dentalhygiene sowie die Kontrolle bei der Gynäkologin sind mir wichtig. ich schätze, dass ich für beides pro Jahr 400 Franken ausgebe.
Mobilität: Sobald es draussen über null Grad ist, bin ich mit dem Velo unterwegs. Meinen Arbeitsort erreiche ich so in 25 Minuten. Für die kalten Tage oder für andere Aktivitäten, wie Skifahren, Familie oder Freunde besuchen, nehme ich den öffentlichen Verkehr. Ich habe ein Halbtax und ein Halbtax Plus mit 1500 Franken Guthaben. Das geht ziemlich genau auf.
Den Veloservice macht mein Vater. Ich kaufe die Ersatzteile, das macht jeweils rund 200 Franken im Jahr.
Haushalt: Sobald der Lohn kommt, überweise ich 400 Franken auf unser Haushaltskonto. Mein Freund macht das Gleiche. Mit diesem Konto bezahlen wir Lebensmittel, Hygieneartikel und alles, was wir gemeinsam brauchen.
Wer von uns beiden früher mit der Arbeit fertig ist, geht einkaufen und entscheidet, was es zum Znacht gibt. Zu Hause kochen wir vegetarisch. Meistens gibt es etwas mit Kartoffeln, Pasta oder Reis und Gemüse. Saisonal ist uns wichtiger als Bio. Wir schauen auf Aktionen. Zum Beispiel habe ich letzte Woche Tortellini gekauft, weil sie stark reduziert waren. Aber es gibt auch Dinge, die wir in der Fine-Food-Abteilung einkaufen, wie Balsamico-Creme oder Burrata.
Alkohol trinke ich sehr selten, und wir laden auch sehr selten Freunde zu uns nach Hause ein. Vielleicht alle zwei, drei Monate kann das vorkommen. Dann kaufen wir Bier oder Wein ein. Das bezahlen wir von unserem Haushaltskonto.
Ich habe kurze Haare und gehe alle drei Monate zum Coiffeur. Für jeden Besuch gebe ich 100 Franken aus.
Verpflegung ausser Haus: In der Regel bin ich zwei Abende pro Woche unterwegs und verkoste mich extern. Entweder habe ich Sitzungen oder Vereinsanlässe. Ich esse dann etwas vom Take-away, oder ich gönne mir Fast Food. Dafür budgetiere ich 150 Franken jeden Monat.
Ein- bis zweimal die Woche kaufe ich mir mein Mittagessen im Coop Pronto oder in einem Take-away. Für Verpflegung am Mittag gebe ich monatlich 100 Franken aus.
Mit meinem Freund oder Freunden gehe ich eigentlich nie auswärts essen. Wenn, dann mit meiner Familie. Die Rechnung übernimmt immer jemand anders. Ich schätze, dass ich dafür pro Jahr 1200 Franken ausgebe.
Kleidung und Schuhe: Meine Garderobe besteht teils aus Secondhand-Kleidern, teils aus nachhaltigen Labels. Onlineshopping ist nichts für mich. Meine Gemeinde organisiert einen Kleidertausch. Das Konzept ist, dass man eigene Kleider abgibt und die gleiche Anzahl Kleider von jemand anderem mitnimmt. Das finde ich cool.
Hin und wieder habe ich aber auch Lust auf neue Kleider oder Schuhe. Zwei lokale Favoriten sind der nachhaltige Concept Store Rrrevolve und der Schuhladen Peter & Vreni an der Zürcher Langstrasse. Ich trage Sneakers, elegante Lederschuhe oder robuste Chelsea Boots.
Für meine Kleidung plane ich etwa 1200 Franken im Jahr ein.
Freizeit: Ich kann an einer Hand abzählen, wie oft ich in einem Club war. Meine Freizeit verbringe ich selten im Ausgang, lieber mache ich Musik oder fahre Velo.
Wenn ich mal ein freies Wochenende habe, besuchen mein Freund und ich Jazz-Gigs oder Auftritte befreundeter Blasmusikkapellen. Und für spezielle Anlässe gönnen wir uns ein Akustikkonzert im KKL.
Für meine Vereinsmitgliedschaften zahle ich jährlich etwa 500 Franken, während die Wartung und Revision meiner Instrumente monatlich rund 100 Franken kostet.
Insgesamt investiere ich mein Geld also sehr gezielt in meine Leidenschaft für die Musik und in Konzerte statt in teure Club- oder Restaurantbesuche.
Zeitschriften: Mein Freund hat ein Abo der «Republik», ich ein Digital-Abo des Beobachters. Dieses kostet mich auf den Monat gerechnet 11 Franken. Spannend finde ich die Hintergrundartikel. Und es lenkt mich von den sozialen Medien ab. Ich lese lieber etwas Intelligentes, als ziellos auf dem Handy rumzudrücken.
Ferien: Als Kindergärtnerin habe ich 13 Wochen schulfreie Zeit. Davon nehme ich mir sechs Wochen Ferien und gebe dafür etwa 5000 Franken aus.
Eine Woche über Neujahr verbringe ich in Graubünden mit Skitouren. Wir sind eine grosse Gruppe in einem Lagerhaus, so kostet mich das nur 450 Franken.
Eine weitere Skiwoche mit der Familie kostet mich inklusive Tickets rund 800 Franken, wobei wir jeden Abend kochen. Jedes Jahr gibt es die gleichen Menüs, von Maultaschen bis hin zu Raclette.
Im Frühling oder Sommer sind mein Partner und ich jeweils zwei Wochen mit dem Velo irgendwo in Europa unterwegs. Zu zweit rechnen wir mit etwa 1400 Franken für Verpflegung und Jugendherbergen.
Flugreisen innerhalb Europas lehne ich konsequent ab und geniesse stattdessen lieber nochmals zwei Wochen meiner Ferien ganz entspannt zu Hause mit Baden, Velofahren und Aufräumen. Auf teure Städtetrips habe ich keine Lust.
Altersvorsorge: Meinen 13. Monatslohn benütze ich, um den Maximalbetrag in die 3. Säule einzuzahlen. Das mache ich schon seit acht Jahren. Das eingezahlte Geld investiere ich. Mein Portfolio hat einen Aktienanteil von 95 Prozent. Das ist mit Risiko verbunden, aber mein Anlagehorizont ist auch lang.
Spenden: Wenn mich jemand auf der Strasse persönlich anspricht und es mich überzeugt, gebe ich gerne Geld, maximal 400 Franken pro Jahr.
Steuern: Ich rechne mit rund 11’000 Franken Steuern und lege dafür jeden Monat bereits Geld auf ein separates Steuerkonto bei der Gemeinde zurück. Die Steuererklärung erledige ich jeweils sofort.
Investieren und Vermögen: Seit vier Jahren investiere ich mit einem Sparplan über Swissquote in ETF. 3000 Franken investiere ich fix pro Monat, meistens kommt dann noch mehr dazu. Je nachdem, wie viel Ende Monat auf dem Konto übrig ist. Was ich beim Anlegen gelernt habe, ist, mutig zu sein und es nicht aufzuschieben.
Ich achte darauf, dass ich knapp zwei Monatslöhne auf meinem laufenden Konto zur Verfügung habe. Mein Gesamtvermögen beträgt ungefähr 160’000 Franken.
Mein grösster Luxus
Mein Velo. Und vor ein paar Jahren bin ich mit meiner Schwester zwei Monate durch Südamerika gereist. Dafür habe ich einige Tausend Franken ausgegeben. Dazu kommt auch noch der Lohnausfall, weil ich fünf Wochen unbezahlten Urlaub genommen habe.
So fühle ich mich
Mein Ziel ist es, langfristig finanziell unabhängig und gut abgesichert zu sein. Ich fühle mich gut, weil ich meine Finanzen aktiv plane und nichts aufschiebe. Ich habe schon immer alles durchgerechnet und genug Geld zurückgelegt, selbst im Gymnasium habe ich nie mein Budget ausgeschöpft.
Mein Freund und ich sprechen sehr offen über Geld und unsere Sparziele. Er hat mir den Tipp gegeben, mein Geld zu investieren. Wir beide haben das gleiche Ziel: jetzt Geld investieren, um später ein passives Einkommen zu haben.
Ich bin sehr offen und erzähle auch meinen Arbeitskollegen, wie viel ich wofür ausgebe. Dabei merke ich, dass nicht alle so natürlich über Geld reden können wie ich. Deswegen nehme ich mich dann wieder etwas zurück. Aufgezeichnet von Katrin Reichmuth.
Hier findest du die bisherigen Folgen der Rubrik «Die Abrechnung».