Regionalleiterin von Reinigungsfirma (37) legt ihr Budget offen
«Für Botox gebe ich alle drei Monate 300 Franken aus»

Lara Bianchi ist Regionalleiterin in einer Reinigungsfirma, ihr Mann Geschäftsführer im Gesundheitswesen. Sie lebt gut, muss aber noch Schulden abbezahlen. Die Familie legt ihr Budget offen.
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Der grösste Luxus von Lara Bianchi und ihrer Familie ist das grosse Haus, in dem sie leben (Symbolbild).
Foto: imago/imagebroker

Darum gehts

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Katrin Reichmuth
Beobachter

Lara Bianchi hat ihren ersten Mann jung kennengelernt, mit 18 heiratete sie und bekam ihr erstes Kind. Nach der Geburt machte sie eine Lehre als Kauffrau. Als sie 22 war, kam der zweite Sohn auf die Welt, kurz darauf folgte die Scheidung von ihrem Mann. «Obwohl ich immer gearbeitet habe, gab es Zeiten, in denen ich nicht mal Geld hatte, einen vernünftigen Einkauf zu machen», erzählt die 37-Jährige dem Beobachter.

Heute führt Lara Bianchi, die in Wirklichkeit anders heisst, 160 Mitarbeitende in einer Reinigungsfirma. 2026 beginnt sie eine berufsbegleitende Ausbildung zur Rechtsspezialistin. Die Söhne sind mittlerweile 15 und 19 Jahre alt. Beide absolvieren eine Lehre im handwerklichen Bereich.

Artikel aus dem «Beobachter»

Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.

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Seit acht Jahren ist Bianchi wieder verheiratet. Ihr Mann ist 42 und arbeitet seit vielen Jahren als Geschäftsführer im Gesundheitswesen. Die vierköpfige Familie lebt mit Hund und Katze in der Nähe von Solothurn.

In der Beobachter-Serie «Die Abrechnung» zeigt sie ihren Kontoauszug und erzählt, wie die Familie mit ihrem Budget lebt. Wie viel Geld steht ihnen zur Verfügung? Wofür geben sie es aus?

Einnahmen

Wir arbeiten beide Vollzeit. Ich verdiene netto 7500 Franken, mein Mann netto 14’500 Franken. Ich habe keinen 13. Monatslohn, bei meinem Mann ist er beim Monatslohn hinzugerechnet.

Dazu kommen monatlich 215 Franken Familienzulage sowie 1000 Franken Alimente für meinen jüngeren Sohn.

So teilen wir unser Geld auf

Ich bezahle mit meinem Lohn die Hausrat- und Haftpflichtversicherung und die Handyrechnungen sowie die Krankenkassenprämien für mich und meine Kinder. Mein Mann übernimmt die Miete, die Kosten fürs Auto und die Steuern. Wir haben kein gemeinsames Konto, jeder legt jeden Monat einen gewissen Betrag Bargeld in ein Couvert. Damit erledigen wir die Einkäufe.

Die Kinder müssen zu Hause nichts abgeben. Sie erhalten Sackgeld und bezahlen damit Kleider und persönliche Dinge. Der ältere Sohn bekommt die Familienzulage und die Alimente direkt und zahlt deshalb Krankenkassenprämien und weitere Gesundheitskosten selber. Mein Mann hat noch zwei Kinder aus seiner ersten Ehe, denen er Alimente bezahlt.

Ausgaben

Wohnen: Wir leben seit zwei Jahren in einem 7,5-Zimmer-Haus mit Garten, Sauna und einem Whirlpool. Für Miete und Nebenkosten zahlen wir monatlich 4700 Franken. Für 470 Quadratmeter Grundstücksfläche ist der Preis gerechtfertigt. Vorher haben wir in der Altstadt gewohnt, auch in einem Haus, und 3500 Franken bezahlt.

Zu den Wohnkosten gehören weiter 100 Franken monatlich für Strom und die jährliche Serafe-Gebühr.

Telefon, Internet und Abos: Die Handyabos von meinen Söhnen und mir kosten monatlich 180 Franken. Internet und TV machen 90 Franken.

Jeder streamt seine Serien und Filme auf anderen Plattformen. Deshalb haben wir Netflix, Disney Plus und Paramount Plus. Die Kreditkartenabrechnung zeigt, dass das monatlich 110 Franken kostet.

Versicherungen: Wir haben nur das Minimum versichert. Das heisst, keinen Diebstahl auswärts oder Glasbruch und auch keinen Rechtsschutz. Die Kinder haben ältere Handys und Laptops. Wenn sie gestohlen werden oder kaputtgehen, können wir das aus dem eigenen Sack bezahlen.

Die jährliche Prämie für Hausrat- und Haftpflichtversicherung macht für die ganze Familie 500 Franken.

Schulden: Da ich ein paar Altlasten aus der Vergangenheit habe, bezahle ich monatlich 1800 Franken Schulden ab. Das geht noch bis Mai 2026. Meine erste Ehe stand unter keinem guten Stern, mein damaliger Mann hat unter anderem Dinge aus dem Internet auf meinen Namen gekauft. Dazu kamen noch weitere Schulden, die ich von ihm übernahm. Ich hatte nicht die Kraft, mich dagegen zu wehren. Insgesamt waren es 90’000 Franken.

Alimente: Mein Mann zahlt monatlich 2250 Franken Unterhalt für seine zwei Kinder aus erster Ehe.

Gesundheit: Die Krankenkassenprämien für die Grundversicherung betragen 1000 Franken. Ich habe die tiefste Franchise, das hatte ich schon immer. Mein Mann möchte lieber weniger Prämien bezahlen und hat die höchste Franchise. Der jüngere Sohn ist noch nicht volljährig und hat noch keine Franchise.

Wir gehen einmal pro Jahr in die Dentalhygiene. Die letzte Zahnarztrechnung hat 1200 Franken gekostet, weil mein Sohn und ich beide noch ein Loch flicken mussten. Für Franchise, Selbstbehalt und Zahnarzt geben wir jährlich ungefähr 2500 Franken aus.

Mobilität: Die beiden Kinder haben ein Monats-Generalabo. Mein Mann hat ein Halbtax-Abo. Die Kosten für die Bus- und Zugbillette übernimmt sein Arbeitgeber. Für die drei Abos zahlen wir monatlich 450 Franken.

Mein Mann arbeitet die meiste Zeit von zu Hause aus, ich bin jeden Tag im Büro und nehme das Auto. Mein Arbeitsweg ist eine Stunde hin und wieder eine Stunde zurück. Mit den ÖV würde es noch um einiges länger gehen.

Wir leasen seit drei Monaten einen Audi. Die monatlichen Leasingraten kosten 1200 Franken. Dazu kommen ungefähr 500 Franken monatlich für Benzin.

Die Autoversicherung beträgt 1900 Franken im Jahr.

Haushalt: Wir legen jeden Monat 800 Franken in ein Couvert. Mit diesem Geld kaufen wir Lebensmittel, Putz- und Waschmittel sowie Futter für die Haustiere. Alkohol trinken wir selten. Ich rauche aber bis zu einem Pack Zigaretten pro Tag. Das kostet mich ungefähr 300 Franken pro Monat.

Wir haben gern Freunde zu Besuch, meist ein- bis zweimal im Monat. Wir versuchen jeden Abend gemeinsam zu essen. Meistens kocht mein Mann. Ich mache ihm eine Liste, was er einkaufen soll, weil ich diverse Unverträglichkeiten habe. Gestern gab es Kartoffelstock mit Gemüse und Fleischbällchen.

Für Mani- und Pedicure gebe ich 300 Franken im Monat aus, Coiffeurbesuche liegen bei 100 Franken im Monat, und Make-up kostet auch 100 Franken. Alle drei Monate gehe ich nach Zürich, um mir Botox spritzen zu lassen, das kostet 300 Franken.

Ein weiterer Luxus, den wir uns gönnen, sind eine Reinigungskraft und ein Allrounder. Dafür bezahlen wir jeden Monat 1400 Franken. Die Reinigungskraft kommt zweimal pro Woche, putzt und nimmt Kleider mit zum Bügeln und Zusammenlegen. Der Allrounder übernimmt im Winter grössere Dinge wie die Fenster- und die Grundreinigung des Hauses, im Sommer schaut er zum Garten.

Verpflegung ausser Haus: Mein Mann isst meistens zu Hause oder nimmt etwas mit. Der ältere Sohn kann in der Mensa essen, im Gegenzug zieht ihm seine Firma 40 Franken vom Lohn ab. Der jüngere Sohn kann für 5 Franken in der Mensa essen, das macht er vielleicht zweimal pro Woche.

Ich esse meist kalte Sachen wie ein Sandwich oder einen Salat. Das kostet jeweils um die 8 Franken.

Ansonsten gehen wir nicht viel auswärts essen. Vielleicht viermal pro Jahr zum Italiener oder asiatisch. Ich habe bei diesem Budgetposten mit 500 Franken pro Monat gerechnet.

Kleidung und Schuhe: Dieser Posten ist schwierig zu beziffern. Ich schätze, dass ich monatlich 350 Franken für Kleider, Schuhe und sonstige Accessoires ausgebe. Ich mag Mode und kleide mich gern schön. Lieber günstiger, dafür mehr. Meistens bei Zara.

Bei meinem Mann ist es anders. Er geht einmal pro Jahr für zirka 600 Franken im Suitsupply in Zürich einkaufen.

Mitgliedschaften: Mein Mann ist Mitglied im Ringerverband, ich bin Mitglied in einer sozialen Stiftung, die sich für die Opfer häuslicher Gewalt einsetzt. Die beiden Mitgliedschaften kosten pro Jahr 2400 Franken.

Sackgeld: Der jüngere Sohn bekommt 150 Franken pro Monat, der ältere 180 Franken.

Geschenke: Das sind ungefähr 500 Franken im Jahr für Weihnachten und Geburtstag der Kinder.

Ferien und Ausflüge: Einmal pro Jahr gehen mein Mann und ich für vier, fünf Tage nach Spanien. Das machen wir, seit wir uns kennen. Hin und wieder gehen wir auch mal fürs Wochenende in eine andere Schweizer Stadt oder nach Mailand oder Strassburg. Dazu kommen Familienferien.

Im Schnitt machen wir also dreimal Ferien pro Jahr. Ich schaue jeweils Anfang Jahr, was TUI im Angebot hat. Dieses Jahr waren wir im Herbst zusammen mit den Kindern eine Woche in Italien und im Frühling eine Woche auf Mallorca.

Unser Ferien- und Ausflugsbudget haben wir auf maximal 9000 Franken pro Jahr festgelegt.

Steuern: Wir zahlen jährlich ungefähr 50’000 Franken Steuern. Mein Mann überweist jeden Monat 4500 Franken ans Steueramt. Das ist etwas mehr, als wir am Schluss bezahlen müssen, wir bekommen aber lieber Geld zurück, als dass wir nachzahlen müssen.

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Altersvorsorge: Wir legen monatlich 300 Franken für die Säule 3a auf die Seite. Die 3600 Franken zahlen wir dann auf das bestehende Säule-3a-Konto meines Mannes ein.

Ich habe nie etwas in meine Altersvorsorge eingezahlt. Sobald die Altlasten abbezahlt sind, werde ich mein Budget neu aufstellen und anfangen, in die Säule 3a einzuzahlen.

Sparen und Vermögen: Auch wenn das Budget einen Überschuss von knapp 600 Franken zeigt, können wir nicht wirklich sparen. Sobald die Altlasten erledigt sind, sollten wir aber wirklich Geld auf die Seite legen können. Das wird immer wichtiger, denn man weiss nie, was morgen ist, finde ich.

Früher habe ich mir weniger Gedanken übers Geld gemacht. Je älter ich werde, desto mehr frage ich mich, wie viel Geld ich im Alter brauche: Habe ich genug, um ein normales Leben zu führen, ohne Unterstützung vom Staat? Solche Fragen stelle ich mir, und ich weiss, dass ein Polster für die Zukunft essenziell ist.

Mein grösster Luxus

Das ist unser Zuhause. Wir sind viel und gern in unserem Haus. Die Zeit, die wir zusammen verbringen und miteinander reden, ist uns sehr viel wert.

Weiter habe ich mir vor drei Jahren eine Hermes-Tasche für 10’000 Franken gekauft. Die Tasche musste ich fast ein Jahr im Voraus bestellen. So hatte ich Zeit, das Geld anzusparen.

So fühle ich mich

Es könnte immer besser sein. Wir verdienen gut, haben aber auch viele Ausgaben. Steuern und Wohnen sind die höchsten Ausgaben. Jeder Mensch hat seine Prioritäten im Leben. Uns ist es wichtig, ein schönes Zuhause zu haben. Dafür bezahlen wir genug, aber auch gern.

Ich bin extrem dankbar für mein Leben. Ich kenne auch die andere Seite der Medaille und musste schuften für das, was ich jetzt habe. Wichtig ist, dass man an sich glaubt und nicht aufgibt.

Aufgezeichnet von Katrin Reichmuth. 

Hinweis: Dieser Artikel wurde erstmals am 24. Dezember 2025 veröffentlicht. 

Hier findest du die bisherigen Folgen der Rubrik «Die Abrechnung». 

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