Darum gehts
- Neubauprojekt von 15 auf 37 Wohnungen durch Einsprache blockiert.
- Neubauten werden als notwendig gesehen, Verzögerungen durch Einsprachen kritisiert.
- Sorge um steigende Mieten, Verlust bezahlbarer Wohnungen und Veränderung der Quartiersstruktur.
In Schlieren ZH stehen drei Wohnhäuser seit letztem Sommer leer, obwohl Wohnraum in der Gemeinde extrem knapp ist. Der Eigentümer will die Gebäude abreissen und durch zwei Neubauten mit deutlich mehr Wohnungen ersetzen. Aus 15 Wohnungen sollen 37 werden. Doch ein Rekurs aus der Nachbarschaft blockiert das Projekt vorerst. Die Nachbarinnen argumentieren, dass bezahlbarer Wohnraum verschwinde und ein weiteres Stück des «alten» Schlierens verloren gehe.
Für Danilo Altieri (35), Geschäftsführer der Anlagestiftung Vertina, zeigt dieser Fall exemplarisch, wie Bauprojekte durch Einsprachen über Monate verzögert werden können, während dringend benötigter Wohnraum ungenutzt bleibt. Das schade letztlich den Wohnungssuchenden und den investierten Pensionskassen und deren Versicherten.
Bau-Debatte polarisiert
Das Thema stösst auch unserer Leserschaft auf. So schreibt Leser Gio Barone: «Solche Fälle zeigen sehr gut, warum der Wohnungsbau in der Schweiz so langsam vorankommt. Während die Nachfrage stark steigt und die Leerwohnungsziffer landesweit bereits auf rund 1 Prozent gesunken ist, werden Projekte durch Einsprachen oder langwierige Verfahren oft jahrelang verzögert. Am Ende fehlen genau die Wohnungen, über deren Mangel wir gleichzeitig diskutieren.»
Ähnlich sieht es Matthias Grey: «Wenn ein Bauprojekt den baurechtlichen Vorgaben entspricht und von den entsprechenden Behörden genehmigt ist, dürfte es keine Möglichkeit der Einsprache geben.» Nur weil einem Bewohner der Strasse das alte Gebäude besser gefällt als das neue, sei das kein Grund für eine Einsprache. «Wenn eine Einsprache erfolgt, sollte das mit Kosten verbunden sein.»
Und auch Leser Hans Ulrich Hofstetter meint: «Das Festhalten am Alten bringt niemanden weiter. Die Häuser, die jetzt noch dort stehen, haben seinerzeit ebenso etwas Bestehendes verdrängt. So ist das im Leben: Nichts bleibt, wie es ist, nichts ist, wie es war. Besser freut man sich über neue Dinge und neue Häuser.»
Kritische Stimmen sorgen sich um Preise
Doch nicht alle Leserinnen und Leser teilen diese Sicht. «Wenn aus 15 bezahlbaren plötzlich 37 weniger bezahlbare Einheiten werden, bedeutet das für das Quartier in der Regel einen Bevölkerungsaustausch», schreibt User Marcos Garcia. Ein Stück Identität und Geschichte gehe dadurch verloren. Für die umliegenden Bewohner werde es zudem lauter, hektischer, dichter und vor allem anonymer. «Plötzlich fühlt man sich fremd im eigenen Daheim. Ich kann gut verstehen, dass sich Menschen dagegen wehren.»
Leserin Tita-Nina Francheschi betont, dass sie nachvollziehen kann, warum neue Wohnungen gebaut werden müssen, vor allem verdichtet in städtischer Umgebung. Gleichzeitig sagt sie: «Wenn die Abrissbirne arbeitet, heisst das Endergebnis immer: Vermietung zu Marktpreisen – und das bedeutet teuer.» Sie hofft, dass eine Gesetzgebung geschaffen wird, die Genossenschaftswohnungen gezielt fördert, unterstützt durch Gemeinde-, Kantons- und Staatsgelder. «So, wie die Schweiz verbaut wird, kann die Zukunft nicht vernünftig aufgebaut werden!»
Auch Eva Betschart schreibt: «Häuser abreissen und Neubauten mit mehr Wohnungen sind sicher nötig! Doch es suchen Familien, Alleinerziehende und Rentner dringend bezahlbare Wohnungen. Bei Neubauten und Sanierungen sind die Kosten sehr hoch, so dass die Wohnungen danach für diese Menschen nicht mehr bezahlbar sind. In der Schweiz klafft die Schere zwischen Mittelschicht, Arm und Reich immer schneller und breiter auseinander!»