Schweizer zahlen lieber höhere Mieten, als einen längeren Arbeitsweg zu haben
Wohnungsnot lässt sich nicht wegpendeln

Je länger der Arbeitswege desto tiefer die Lebensqualität, ist eine weitverbreitete Meinung. Das zeigt auch eine Studie, die den Zusammenhang zwischen Wohnkosten und Arbeitsweg untersucht.
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Die Schweiz steckt mitten in einer Wohnungsnot. Die Wohnungen in den Städten sind begehrt und teuer, da dort auch die meisten Arbeitsplätze sind.
Foto: Martin Schmidt

Darum gehts

  • Wohnungsnot in der Schweiz: Hohe Mieten, Pendler meiden lange Arbeitswege
  • Drei Viertel der Befragten lehnen längere Pendelzeiten trotz günstigerer Mieten ab
  • Nur 20 Prozent der Frauen akzeptieren längeren Arbeitsweg beim Umzug
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Riccarda CampellRedaktorin Wirtschaft

Wer eine bezahlbare Wohnung sucht, braucht Geduld. Die Angebote werden knapper, die Mieten steigen weiter mit der Nähe zu den Stadtzentren. Vor allem in den Ballungszentren mangelt es an bezahlbarem Wohnraum.

Trotzdem sind viele nicht bereit, für eine tiefere Miete einen längeren Arbeitsweg in Kauf zu nehmen. Das geht aus einer repräsentativen Befragung hervor, die der Vergleichsdienst Comparis am letzten Dienstag veröffentlicht hat.

Ein langer Arbeitsweg reduziert die Lebensqualität

Der Homeoffice-Boom ist passé, die meisten Menschen sind wieder regelmässig auf dem Weg an den Arbeitsplatz. «Für den Wohnungsmarkt und den Pendelverkehr hat das spürbare Folgen», erklärt Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser (55). 

Denn die Jobs liegen vor allem in den Städten – und dort sind die Mieten hoch. Wer günstiger wohnen will, zahlt oft mit mehr Zeit im Zug oder Auto. Für drei Viertel der Befragten kommt das nicht infrage. «Viele zahlen lieber eine hohe Miete, als jeden Tag Zeit, Energie und Nerven im Pendelverkehr zu verlieren», erklärt Büsser. 

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Für den Experten ist deshalb klar: «Die Politik darf sich nicht der Illusion hingeben, man könne die Wohnungsnot wegpendeln. Die Menschen machen da nicht mit.»

Die Befragung des Vergleichdiensts zeigt deutlich: Die Mehrheit will höchstens 30 Minuten pendeln. «Die halbe Stunde ist eine psychologische Grenze. Alles darüber wird als Dauerbelastung empfunden», erklärt der Experte. Wer länger pendelt, ist nachweislich unzufriedener. «Pendeln wirkt wie eine tägliche Zusatzsteuer auf das Wohlbefinden», sagt Büsser. «Und diese Steuer will kaum jemand dauerhaft zahlen.»

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Nähe ist für Frauen oft zwingend nötig

Besonders Frauen scheuen den längeren Arbeitsweg. «Das dürfte damit zu tun haben, dass Frauen noch immer meist den Familienalltag organisieren. Deshalb ist für sie Nähe kein Luxus, sondern nötige Voraussetzung», schätzt Büsser ein. 

Das passt ins Gesamtbild: Die meisten Befragten wohnen nahe beim Arbeitsplatz und pendeln nur kurze Distanzen bis zu fünf Kilometer. Der Comparis-Experte erklärt: «Diese Zahlen zeigen, dass der Wunsch nach kurzen Wegen derzeit noch stärker ist als der Preisdruck auf dem Wohnungsmarkt.»

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Wer weiter fahren muss, nimmt häufig das Auto, was die Strasseninfrastruktur belastet. «Wohnen und Arbeiten driften auseinander – und das Auto schliesst für viele diese Lücke auf eine bequeme Art –, selbst wenn das täglich Stau bedeutet.» 

Junge sind eher bereit

Stau vermeiden können Pendler mit dem öffentlichen Verkehr – auch wenn Trams und Züge ebenfalls immer voller sind. Der ÖV wird von rund einem Drittel der Befragten genutzt. Sportlich mit dem Velo, E-Bike oder zu Fuss legen 15 Prozent der Befragten ihren Arbeitsweg zurück – bevorzugt auf kürzeren Distanzen von bis zu fünf Kilometern. 

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Dennoch ist längeres Pendeln für tiefere Mieten nicht völlig tabu: Vor allem junge Erwachsene nehmen für günstigeren Wohnraum einen längeren Arbeitsweg in Kauf. «Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Jüngeren eher beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung haben», so Büsser. «Aber auch sie haben eine Grenze – spätestens dann, wenn der Arbeitsweg den Feierabend auffrisst.»

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