Darum gehts
- Stadt Bern kündigt 84 Wohnungen in Bern-West wegen Sanierungen
- Betroffen sind Häuser in Bethlehem, Holligen und Bümpliz
- Stadt verspricht Hilfe für Mieter – Politik will Situation beobachten
In Bern-West werden bald reihenweise die Zügelkisten gepackt: Die Mieter von 84 städtischen Wohnungen müssen ihre Wohnungen verlassen, weil ihre Mehrfamilienhäuser umfassend saniert werden sollen. Der Gemeinderat beantragt dem Parlament dafür Kredite von insgesamt 31 Millionen Franken. Die Bauarbeiten sollen gestaffelt im Lauf des Jahres 2027 beginnen.
Betroffen sind Wohnungen an der Zelgstrasse 18-22 und an der Melchiorstrasse 9 in Bern-Bethlehem, an der Huberstrasse 18/20 in der Siedlung Holligen sowie an der Looslistrasse 37/39 im Untermattquartier in Bümpliz. Die Gebäude stammen aus den 1940er- bis 1970er-Jahren und gelten als stark renovierungsbedürftig. Da die Arbeiten umfangreich sind, können die Häuser laut Stadt nicht im bewohnten Zustand saniert werden. Deshalb führe kein Weg an Leerkündigungen vorbei.
Die Mietverträge wurden bereits gekündigt
Die Stadt will die betroffenen Mieterinnen und Mieter bei der Wohnungssuche unterstützen. «Hinter jedem Mietvertrag stehen Menschen», sagte Gemeinderätin Melanie Mettler (48, GLP) bei einem Medienauftritt. Vorgesehen sind unter anderem Beratung, Referenzschreiben sowie Hilfe bei der Vermittlung von Wohnungen. Die Mietverträge sind bereits gekündigt worden, obwohl der Entscheid des Stadtrats noch aussteht.
Die Behörden sprechen von «Gesamtsanierungen für die nächste Generation». Sollte das Parlament die Kredite wider Erwarten ablehnen, würden die Kündigungen laut Mettler zurückgenommen. Der Zustand der Häuser würde sich dann weiter verschlechtern, so die Gemeinderätin.
Nach der Sanierung wird die Zahl der Einheiten leicht sinken: Es werden noch 72 Wohnungen zur Verfügung stehen. Doch drohen danach deutlich höhere Mieten? Genau das ist bei Leerkündigungen mit anschliessender Sanierung oft der Fall.
Die Stadt weist diese Befürchtung zurück. Die Wohnungen sollen weiterhin zu vergleichsweise günstigen Mieten angeboten werden, sagte Mettler. Ein grosser Teil werde unter den Kriterien für günstigen Wohnraum vermietet. Zudem sollen die bisherigen Mieter ein Vorzugsrecht auf die sanierten Wohnungen erhalten – sofern sie die entsprechenden Bedingungen erfüllen.
Neben der Erneuerung der Gebäudehüllen plant die Stadt unter anderem neue Heizungen, Balkone und Photovoltaikanlagen sowie teilweise angepasste Grundrisse. Zudem sollen die Wohnungen hindernisfrei werden, soweit dies möglich und verhältnismässig ist.
«Mieterinnen und Mieter verlieren ihr Daheim»
Aus dem Stadtparlament kommt dennoch bereits Skepsis – zumal die Wohnungsnot in Bern gross ist. «Bei Leerkündigungen verlieren die Mieterinnen und Mieter ihr Daheim», sagte SP-Stadträtin Lena Allenspach (34) zu «TeleBärn». Deshalb werde man «sehr genau prüfen, ob die von der Stadt vorgeschlagenen Massnahmen ausreichend sind».
In der Stadt Bern gibt es insgesamt rund 80‘000 Wohnungen, darunter 2500 städtische Wohnungen. Die Stadt könne also nicht viel Einfluss auf die Gesamtlage nehmen, so Gemeinderätin Mettler, aber sie könne marktergänzend wirken.
Leerkündigungen geben zu reden
Leerkündigungen durch die öffentliche Hand oder staatsnahe Institutionen sind ein politisch sensibles Thema – und geben landesweit immer wieder zu reden. Auch in Bern. Erst im Januar kündigte etwa die Pensionskasse der Burgergemeinde Bern den Vertrag mit insgesamt 18 Mietparteien – zur Ertragsoptimierung.
Die Vorzeichen waren in diesem Fall aber ganz anders: Sanieren wollte die Stiftung die drei Liegenschaften in der Stadt Bern nämlich nicht. Vielmehr will die Kasse den Mietzins der Wohnungen um 41 bis 64 Prozent erhöhen.