Heimatliebe oder unnötig? Überraschende Forderung von SVP bis SP
Warum die Berner plötzlich 10 neue Wappen bekommen sollen

Berner Politiker von links bis rechts ziehen am selben Strang: Zehn Regionen, die im Kanton eine wichtige Rolle spielen, sollen endlich eigene Wappen und Fahnen erhalten. Die Regierung hält die Idee für «anachronistisch».
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Nur der Berner Bär? In Bern läuft eine Debatte über neue Wappen für Verwaltungskreise.
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Darum gehts

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  • Berner Politiker fordern neue Wappen für Verwaltungskreise zur Stärkung der Identität
  • Regierung kritisch: Historische Wurzeln fehlen, Bevölkerung könnte neue Symbole ablehnen
  • 2010: Zehn Verwaltungskreise statt 26 Amtsbezirke, Parlament entscheidet über Postulat
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Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Ob Löwen, Adler oder Bären, ob Kronen, Sterne oder Burgen: Wappen oder Fahnen stiften Identität und Heimatgefühl. Sie prangen an Amtsgebäuden und schmücken offizielle Schreiben – auch im Kanton Bern. Doch ausgerechnet die grossen regionalen Einheiten des Kantons haben heute kein eigenes Hoheitszeichen. Das wollen Politikerinnen und Politiker nun ändern. Sie präsentieren einen überraschenden Wappen-Plan.

Konkret geht es um die zehn Verwaltungskreise. Sie entstanden 2010 im Zuge einer grossen Verwaltungsreform. Damals verschwanden die früheren 26 Amtsbezirke, an ihre Stelle traten grössere Einheiten wie Bern-Mittelland, Emmental oder Seeland. Heute übernehmen sie wichtige Verwaltungsaufgaben.

«Identität und Heimatgefühl»

Bis zur Reform verfügten die alten Amtsbezirke über eigene Wappen. Genau daran wollen Grossrätinnen und Grossräte anknüpfen. Ihnen schwebt eine eigentliche Wappen-Offensive für Bern vor. Der Langenthaler SVP-Politiker Martin Lerch (71) hat dazu im Parlament ein Postulat eingereicht. Bemerkenswert ist die breite Allianz: Unterstützt wird der Vorstoss von Politikerinnen und Politikern aus allen Lagern – von SVP, SP und Grünen bis hin zu Mitte, EVP, FDP und EDU. 

Lerch argumentiert: Wappen oder auch Fahnen könnten «Identität und Heimatgefühl» stärken. Der Regierungsrat soll deshalb prüfen, ob in Verwaltungskreisen ein Interesse an neuen Hoheitszeichen besteht. Die Einführung solle «behutsam und nur auf ausdrücklichen Wunsch der Betroffenen» erfolgen, heisst es im Vorstoss. Falls ein Bedürfnis bestehe, sollen die rechtlichen Grundlagen angepasst werden, damit neue Wappen und Fahnen eingeführt werden könnten. 

Dabei könnte man sogar noch weiter gehen, wenn es nach den Politikern geht: Allenfalls kämen nicht nur die übergeordneten zehn Verwaltungskreise infrage, sondern auch die fünf Verwaltungsregionen des Kantons.

«Quasi auf dem Reissbrett»

Der Berner Regierungsrat kann der Idee wenig abgewinnen. In seiner soeben veröffentlichten Stellungnahme erinnert er daran, dass die früheren Amtsbezirke historisch gewachsen seien. Ihre Wappen hätten einen konkreten geschichtlichen Ursprung gehabt – etwa aus der Zeit der bernischen Landvogteien. Die historischen Hoheitszeichen seien damals nicht neu erfunden worden. Vielmehr habe man Wappen übernommen, die in der Bevölkerung längst verankert gewesen seien.

Früher seien die Amtsbezirke zudem mehr gewesen als reine Verwaltungsräume, erklärt die Regierung weiter. Gerichte, Grundbuchämter oder militärische Aufgebote seien lokal organisiert gewesen. Heute würden viele Verwaltungsabläufe hingegen digital oder zentral abgewickelt.

Die Verwaltungskreise seien «nach modernen Gesichtspunkten, quasi auf dem Reissbrett» geschaffen worden. Entsprechend kritisch beurteilt die Regierung die vorgeschlagene Neuerung. Im Klartext: «Die Schaffung neuer Wappen für nach rein funktionalen Kriterien gebildete Gebietseinheiten wäre anachronistisch.» 

Zudem sei schlicht fraglich, ob sich die Bevölkerung mit neu geschaffenen Symbolen ohne historischen Bezug identifizieren würde. Wichtiger sei heute, dass die Regierungsstatthalterämter einheitlich als kantonale Behörden auftreten. Umfragen zur Bedürfnisabklärung hält der Regierungsrat für unverhältnismässig. 

Nun muss das Parlament über das Postulat entscheiden. Wie allfällige neue Wappen aussehen würden, wäre dann eine ganz andere Frage.

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