Sparpakete für nichts?
Unsere Kantone verrechnen sich um Milliarden

Die Kantone verschätzen sich massiv: Die meisten übertreffen ihr Budget deutlich – das hat Folgen für die Bürgerinnen und Bürger. Blick hat genau hingeschaut.
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Die Kantone haben zu vorsichtig budgetiert.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Kantone verzeichnen 2025 hohe Überschüsse
  • Kanton Zürich: Rechnung fällt um 629 Mio. CHF besser aus als erwartet
  • Fehlprognosen gehen in die Milliarden
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Tobias BruggmannRedaktor Politik

Verlust angesagt, Gewinn gemacht. Differenz: Hunderte Millionen Franken. Nein, Jasskönige würden unsere Kantone nicht werden. Der Kanton Zürich etwa vermeldet ein finanziell «sehr gutes Ergebnis». Der Kanton Bern schreibt von «hohem Ertragsüberschuss». Doch hinter den guten Nachrichten versteckt sich ein Problem.

Denn oftmals haben die Kantone auch viel zu tief budgetiert. Im Kanton Zürich sah das Budget für 2025 einen Überschuss von 98 Millionen vor. Die tatsächliche Rechnung fällt um 629 Millionen Franken besser aus. Im Kanton Bern rechnete man mit einem Gewinn von rund 250 Millionen Franken – tatsächlich wurden 873 Millionen Franken erwirtschaftet.

Höhere Steuereinnahmen, mehr Geld von der Nationalbank

Und die grossen Kantone sind kein Einzelfall. Blick hat jene Kantone ausgewertet, die bislang ihre Rechnungen vorgelegt haben. Fast alle haben sich vertan, die einen mehr, die anderen weniger. Und fast alle haben mehr Geld eingenommen als geplant.

Zum Beispiel der Kanton Luzern: Budgetiert war ein Verlust von 31,3 Millionen Franken, tatsächlich gab es 338,2 Millionen Franken Gewinn. In St. Gallen gibt es eine schwarze Null, also einen kleinen Gewinn von 10,2 Millionen Franken. «Das Rechnungsergebnis fällt damit rund 200 Millionen Franken besser aus als budgetiert», heisst es in einer Medienmitteilung.

Die Gründe ähneln sich: höhere Steuererträge und ungeplante Einnahmen von der Schweizerischen Nationalbank. Diese verteilte für 2025 insgesamt 4 Milliarden Franken an Bund und Kantone. Jene Kantone, die Anteile am Energiekonzern Axpo halten, bekamen auch dafür höhere Gewinnausschüttungen. Für den Kanton Zürich machte dies zum Beispiel 86 Millionen Franken aus. Fast gleich viel Geld bekam der Kanton durch den Erlös einer alten Banknotenserie der Nationalbank.

Streit um Budget

Schon für 2024 haben viele kantonale Finanzdirektoren mehrere Hundert Millionen falsch prognostiziert. Meistens gab es mehr Gewinn. Alleine 2021 haben sich die Kantone insgesamt um satte 8,3 Milliarden Franken verschätzt, im Jahr darauf waren es erneut 7,7 Milliarden.

Die hohen Differenzen sind nicht nur beim Jassen ein Problem. Oftmals heisst es, die guten Zeiten seien bald vorbei. Doch am Ende können zu grosse Überschüsse bedeuten, dass die Bewohnerinnen und Bewohner des Kantons zu viele Steuern bezahlt haben. Oder dass Sparpakete völlig vergebens geschnürt worden sind.

So ärgert man sich zum Beispiel im vergleichsweise kleinen Appenzell Innerrhoden, dass man sich um über 10 Millionen verrechnet hat. «Es ist denkbar, dass wir für das kommende Jahr aggressiver budgetieren», sagt Säckelmeister Ruedi Eberle (59) gegenüber der «Appenzeller Zeitung». Denn solche Verrechner könnten handfeste Folgen haben, so Landesbuchhalter Josef Manser: «Im Grossen Rat wurde um 200'000 Franken beim Personalaufwand gestritten, während wir bei den Steuern mehrere Millionen daneben lagen.»

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Ob die Kantone aus ihren Fehlprognosen tatsächlich lernen, ist offen. Zwar versuchen Politikerinnen und Politiker in mehreren Kantonen, mit Vorstössen Druck zu machen. Doch sie beissen bislang auf Granit. So lehnte etwa das Parlament im Kanton Aargau im November 2025 rückwirkende Steuerrabatte bei guter Finanzlage ab. Während die SVP lieber eine generelle Steuersenkung gehabt hätte, zeigte sich die SP offen, wollte aber auch sozialpolitische Verbesserungen haben. Nur Mitte und FDP unterstützten das Anliegen. Die Mitte lanciert nun eine Initiative.

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