«Ich habe mich entschieden, dass ich aus der SP austrete»
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Jositsch kämpferisch:«Ich werde 2027 noch einmal für den Ständerat kandidieren»

Haben sie sich verzockt?
SP sägt Jositsch ab – jetzt muss sie ums Stöckli zittern

Daniel Jositsch hat die SP verlassen und will als Parteiloser erneut für den Ständerat kandidieren. Damit werden die Karten in Zürich neu gemischt – der Zürcher Wahlkampf 2027 gehört schon jetzt zu den spannendsten des Landes. Blick ordnet die Ausgangslage ein.
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Ständerat Daniel Jositsch tritt per sofort aus der SP aus.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Daniel Jositsch verlässt die SP nach 27 Jahren, 2027 kandidiert er als Parteiloser
  • SP verliert stärksten Ständeratskandidaten, Bürgerliche wittern Rückeroberungschance in Zürich
  • 147 SP-Delegierte gegen Jositsch

Die Beziehung zwischen der SP und ihrem Stimmenkönig Daniel Jositsch (61) erinnerte zuletzt an einen Rosenkrieg. Nach Vorwürfen und unschönen Anschuldigungen folgt nun der endgültige Bruch. Jositsch zog am Donnerstag einen Schlussstrich unter seine 27-jährige Politkarriere bei den Sozialdemokraten.

Das Feld räumen will er aber trotzdem nicht: 2027 tritt er als Parteiloser bei den Ständeratswahlen an. Ein Entscheid mit enormer Sprengkraft im grössten Kanton des Landes: Die Karten für die Wahlen werden damit neu gemischt! Blick hat mit mehreren Kennern der Zürcher Politszene gesprochen. Namentlich zitieren lassen will sich niemand, umso deutlicher sind die Einschätzungen. 

SP muss um Sitz im Stöckli zittern

Zunächst verliert die SP ihren aussichtsreichsten Kandidaten fürs Stöckli. «Die SP hat sich mit dem Entscheid keinen Gefallen getan», sagt ein prominenter Bürgerlicher hinter vorgehaltener Hand. Die Delegierten hatten vorgängig entschieden, Jositsch im Herbst 2027 nicht erneut für die Wahlen aufzustellen.

«Dass Jositsch auch als Parteiloser gewählt wird, ist völlig klar», meint ein Kenner der Zürcher Politlandschaft. Und Zürich sei ein bürgerlicher Kanton – falls die Bürgerlichen also eine starke Kandidatur präsentierten, würden sie sich so den zweiten Sitz holen. 

Haben die 109 Delegierten der SP, die gegen Jositsch stimmten, also den Sitz der SP im Stöckli verspielt? Zwar hat die Partei mit der Nationalrätin Jacqueline Badran (64) noch ein Schwergewicht im Köcher. Sie liess vor der entscheidenden Versammlung verlauten, dass sie für eine Ständeratskandidatur zur Verfügung stehen würde, sollten das die Delegierten wollen. Damit lieferte sie wohl das entscheidende Argument, um Jositsch abzusägen.

Wie stehen Badrans Chancen?

Unter Politikerinnen und Politikern gehen die Meinungen über Badrans Chancen allerdings auseinander. Sie sei kein sicherer Wert, heisst es etwa. Zwar geniesst sie im städtischen Zürich mit ihrem kompromisslosen Kampf gegen hohe Mieten quasi Kultstatus. Doch einige bezweifeln, dass sie auch die konservativere Landbevölkerung abholen und genügend Stimmen sammeln kann.

Zwar sicherte sie sich 2019 und 2023 am meisten Stimmen von fremden Wahllisten, doch für die Ständeratswahlen gelten bekanntlich eigene Gesetze. Ihr Erfolg wird wohl stark von den bürgerlichen Plänen abhängen. 

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor in dieser Gleichung: GLP-Frau Tiana Angelina Moser (47). Sie besetzt seit 2023 den zweiten Zürcher Sitz im Ständerat. Über ihre politische Bubble hinaus blieb Mosers Ausstrahlung bisher begrenzt. Dazu befinden sich die Grünliberalen eher im Sinkflug. Mit Badran und Jositsch könnten ihr nun gleich zwei Köpfe aus dem linken bis linksliberalen Lager Stimmen abjagen.

Rickli sorgt für grosse Überraschung

In bürgerlichen Kreisen beginnen die Planspiele. Denn dank der neuen Ausgangslage gibt es reelle Chancen, den Sitz im Stöckli zurückzuerobern.

Und eigentlich sah die Personaldecke zunächst dünn aus. Vor allem die Freisinnigen haben eine schwierige Ausgangslage: Im Kanton Zürich stehen im April 2027 Regierungs- und Kantonsratswahlen an. Das Spitzenpersonal – allen voran FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt (32) – hat sich schon für den Regierungssitz in Stellung gebracht. 

Bei der Mitte wäre Nationalrat Philipp Kutter (50) ein valabler Ständeratskandidat, aber auch er gab kürzlich seine Kandidatur für die Kantonsregierung bekannt. 

Für die grosse Überraschung am Donnerstagnachmittag sorgte SVP-Regierungsrätin Natalie Rickli (49). Sie prüft eine Ständeratskandidatur, wie zuerst der «Tages-Anzeiger» berichtete. Tritt sie an, würde sie aber ihren Sitz in der Regierung aufgeben. Ein ungewöhnlicher Schritt. Schliesslich finden die Regierungsratswahlen noch vor den Ständeratswahlen statt. Wird Rickli nicht in den Ständerat gewählt, stünde sie ohne Amt da. Auch SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel (45) prüft eine Kandidatur. Beide wären valable Optionen.

Spätestens jetzt dürfte klar sein: Die SP hat sich vielleicht nicht nur von ihrem Ständerat verabschiedet, sondern auch von einem Sitz im Stöckli.

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