Darum gehts
- Behörden präsentieren Charta gegen Radikalisierung und Extremismus am 21. August 2026
- Seit 2019 wurden 94 Projekte gegen Extremismus mit 750'000 CHF jährlich unterstützt
- Radikalisierung steigt seit 2023, auch durch Islamismus, Incel-Bewegung und Rechtsextremismus
Die Horror-Tat erschütterte die Schweiz: Im März 2024 hatte ein damals 15-jähriger IS-Anhänger mitten in Zürich einen orthodoxen Juden mit einem Messer attackiert. Der Mann überlebte schwer verletzt. Schon 2020 hatte ein damals 29-jähriger Schweiz-Türke in einem Kebabimbiss in Morges VD einen Portugiesen kaltblütig niedergestochen. Der Angreifer bezeichnete sich selbst als IS-Attentäter.
Im Mai hatte ein 31-Jähriger beim Bahnhof Winterthur Angst und Schrecken verbreitet. Mitten im Pendlerverkehr stach er wahllos auf Menschen ein. Drei Personen wurden verletzt – eine davon schwer. Videoaufnahmen zeigten, wie der Mann herumrannte und «Allahu akbar» schrie. Kurz darauf wurde der Schweiz-Türke festgenommen. Er war den Behörden wegen Islamisten-Verbindungen bekannt.
Gerade seit 2023 steige die Zahl sich radikalisierender Minderjährigen in der Schweiz und in ganz Europa an. Gleichzeitig werde der gewalttätige Extremismus vielfältiger, warnen die Behörden. Nebst dem gewalttätigen Islamismus radikalisierten sich junge Männer etwa in der «Incel»-Bewegung, die Frauenhass schüre, oder organisierten sich in sogenannten «Active Clubs», die rechtsextreme Ideologien verbreiten. Linke Kreise wiederum nutzten Proteste mit internationalem Bezug für Gewaltakte.
«Radikalisierung spaltet und gefährdet unsere Gesellschaft»
Gegen diese Entwicklung wollen die Behörden verstärkt vorgehen. Als Sicherheitsverbund Schweiz machen Bund, Kantone und Gemeinden gemeinsame Sache. Unter der Federführung von Justizminister Beat Jans (62) haben sie am Freitag eine neue Charta gegen Radikalisierung und Extremismus vorgestellt.
Sie soll ein politisches Bekenntnis zum Kampf gegen alle Formen von Radikalisierung und Extremismus sein. Und sie soll vor allem auch praktische Hilfe liefern für Personen und Institutionen, die mit betroffenen Personen wie eben gefährdeten Jugendlichen konfrontiert sein können – sei es als Eltern, Trainerin oder Lehrer.
«Die Radikalisierung spaltet und gefährdet unsere Gesellschaft», mahnte SP-Bundesrat Jans vor den Medien. Gerade im digitalen Raum könnten sich Menschen sehr schnell radikalisieren. Ein grosses Augenmerk soll daher auf die Prävention gelegt werden, damit junge Menschen gar nicht erst zu Tätern werden.
«Gleichstellung rettet Leben»
Auch die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr (63) warnte vor einem zunehmenden Phänomen. Als Beispiel nannte sie etwa toxische Männlichkeit, die sich in Gewalt gegen Frauen auswirken könne. «Ein solches Weltbild ist erschreckend weit verbreitet – auch in der Schweiz.» Es werde heute nicht immer als solches erkannt. Die Entwicklung aber sei dringend zu stoppen: «Gleichstellung rettet Leben.»
Hingewiesen wurde etwa auf zwei bereits laufende Nationale Aktionspläne. Diese hätten seit 2019 94 Projekte zur Bekämpfung von Radikalisierung und Extremismus ermöglicht. Jährlich stehen dafür 750'000 Franken zur Verfügung. Für 2027 seien bereits wieder 14 Gesuche eingereicht worden.
Als konkrete Beispiele genannt wurden drei Projekte: 2024 unterstützte das Bundesamt für Polizei (Fedpol) ein Projekt zur Schulung von Fachleuten der Sozialarbeit zum Vorgehen gegen Hass im Internet. 2025 wurden Schulungen für Leitfiguren von Religionsgemeinschaften unterstützt. Gleichzeitig hat ein Projekt von männer.ch Unterstützung erhalten. Dieses widmet sich der sogenannten «Manosphere», einem Netzwerk, das sich unter anderem mit Männlichkeit und teils radikalem Antifeminismus befasst.