Darum gehts
Ein Soldat rief «Sieg Heil» beim Küchendienst und warf mit Getränkebidons um sich. Ein anderer wurde kurz vor dem Start seiner Rekrutenschule von der Polizei festgenommen. Er hatte bei einer Demonstration in Bern eine Frau, die er als Feministin ausmachte, mit einem Klappmesser bedroht und mit «huere Schlampe, du hesch sicher e Neger aus Fründ» beschimpft. Beide Männer wurden später aus dem Armeedienst entlassen.
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Diese Fälle sind nur einige von 61 Meldungen, die 2025 bei der Fachstelle Extremismus in der Armee eingingen – ein deutlicher Anstieg. Schwankungen seien jedoch «üblich», heisst es im Tätigkeitsbericht der Fachstelle. In den Jahren zuvor lag der Durchschnitt bei etwa 40 Meldungen. Rund drei Viertel der Fälle betrafen Rechtsextremismus, was dem Muster der Vorjahre entspreche.
Mehr Russlandfreunde wegen Social Media
Zugenommen habe hingegen der sogenannte ethno-nationalistische Extremismus. Fälle, in denen Soldaten sich in extremer Form etwa mit der Ukraine, Palästina, Israel oder Russland solidarisieren und Andersdenkende als Feinde behandeln. Die Armee führt dies unter anderem auf die Verbreitung radikaler Haltungen in sozialen Medien zurück.
Geht eine Meldung ein, durchforstet die Armee die sozialen Medien der Verdächtigen und prüft mit einer «Personensicherheitsüberprüfung», ob sie bereits bei Behörden auffällig wurden.
Die Fachstelle betont, keiner der gemeldeten Fälle habe ein Sicherheitsrisiko dargestellt. Doch dem Beobachter liegen gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz interne Akten von fünf besonders schweren Fällen vor. Sie zeigen: Die Verantwortlichen verhinderten nur knapp und etwas zufällig, dass ein Russlandfreund Zugang zu sensiblen Informationen erhielt oder die Verurteilung eines Gewalttäters unbemerkt blieb.
Soldat bedrohte Bruder mit Sturmgewehr und erschien danach wieder zum WK
So war ein 20-jähriger Soldat 2023 mit seinem Sturmgewehr illegal nach Frankreich gereist, wo seine Familie lebte. Dort eskalierte ein Streit mit seinem Bruder. «Ich sah, wie er den Spannhebel betätigte und die Waffe auf mich richtete», sagte dieser später der Polizei. Der Vater griff im letzten Moment ein. Niemand wurde verletzt.
Doch die Staatsanwaltschaft betonte vor Gericht: Der Soldat hätte «bei der geringsten Provokation» schiessen können. Im Februar 2025 verurteilte das Gericht ihn zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung, verpflichtete ihn zu einer Therapie und verhängte ein fünfjähriges Waffenbesitzverbot.
Die Armee erfuhr von der Verurteilung erst durch einen Medienbericht im April 2025. Die Westschweizer Zeitung «Le Matin» hatte über den Fall berichtet. Eine offizielle Bestätigung erreichte die Armee erst im Dezember. Solche Verzögerungen seien «nicht unüblich», schreibt das Verteidigungsdepartement (VBS) auf Anfrage des Beobachters. Das Schengener Informationssystem sehe keine automatische Benachrichtigung über im Ausland begangene Delikte vor.
«Kein Gefährdungsrisiko»
In der Zwischenzeit absolvierte der Soldat im November 2025 einen Wiederholungskurs (WK) – ohne dass jemand über seine Vorgeschichte informiert war. Erst kurz vor Kursende fragte ein Verantwortlicher beim Kompaniekommandanten nach, ob der Mann tatsächlich am Dienst teilnehme. Dieser bestätigte dies, wusste aber offenbar nichts von der Verurteilung. Immerhin: Da die Waffe nach dem Urteil eingezogen wurde, habe «kein Gefährdungsrisiko» bestanden, betont das VBS in seiner Stellungnahme. Der Soldat wurde inzwischen aus der Armee entlassen.
In einem weiteren Fall sympathisierte ein Rekrut in der Informatikschule offen mit Russland und Putins Politik. Wie es in seinen Akten heisst, bestand die Gefahr, dass ausländische Geheimdienste ihn ausnutzen könnten.
«Mehr schief- als richtig gelaufen»
Bereits während der Rekrutierung war der Mann aufgefallen. Doch ein Mitarbeiter hatte vergessen, das Ergebnis seiner psychologischen Abklärung im System zu erfassen. «Wahrscheinlich ein Versehen», heisst es in einer internen E-Mail. Besonders heikel: Der Rekrut wurde einem Team zugeteilt, das mit hochsensiblen Informationen arbeitet.
Da sei «mehr schief- als richtig gelaufen», schreibt eine involvierte Person in einer internen E-Mail. Nach einer erneuten psychologischen Begutachtung empfahlen die VBS-Experten dringend, dem Mann «keinen Zugang mehr zu vertraulichen, geheimen und sensitiven Informationen sowie Daten» zu geben. Der Rekrut wurde daraufhin in die Küchenlogistik versetzt.
Das VBS schreibt, es handle sich dabei um einen Einzelfall und nicht um eine systematische Problematik. Zudem sei die Sicherheit auch in diesem Fall «zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt» gewesen. Man arbeite aber grundsätzlich kontinuierlich an der Optimierung bestehender Abläufe und Prozesse.