Logistik-Puff bei der Armee
Armee hat bis zu 10 Milliarden Franken nicht eingeplant

Die Armee plant ein milliardenteures Logistikkonzept, um im Ernstfall schneller reagieren zu können. Doch die Finanzierung ist nicht geklärt. Die Finanzkontrolle warnt vor erheblichen Lücken, die den Plan gefährden könnten. Es geht um bis zu 10 Milliarden Franken.
Kommentieren
1/5
Die Schweizer Armee will für den Kriegsfall mit einem neuen Logistikkonzept vorsorgen. Die Umsetzung könnte jedoch für den Steuerzahler teuer werden.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer Armee plant bis 2035 neue dezentrale Logistik für Ernstfälle
  • Kosten könnten bis 2040 über 10 Milliarden Franken betragen
  • 90 Prozent der Rüstungsgüter stammen aus dem Ausland, starke Kritik
Riccarda_Campell_Praktikantin Wirtschaft_Blick_2-Bearbeitet.jpg
Riccarda CampellRedaktorin Politik

Im Kriegsfall zählt jede Minute: Fehlen Munition, Treibstoff oder Ersatzteile, gerät der Einsatz ins Stocken. Deshalb will die Schweizer Armee vorsorgen. Mit einem neuen Logistikkonzept bereitet sie sich auf den Ernstfall vor. Die Umsetzung könnte jedoch für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler teuer werden: Die Pläne liegen vor, die Finanzierung ist aber noch offen. Deshalb übt jetzt die Finanzkontrolle happige Kritik. Bis zu 10 Milliarden Franken könnten fehlen, die das ohnehin finanzgeplagte Verteidigungsdepartement bisher nicht auf dem Radar hatte. 

Das neue Logistikmodell setzt auf eine dezentrale Versorgung: Material soll nah an der Front bereitstehen, Verwundete schnell versorgen und wichtige Verkehrswege sowie unter- und oberirdische Infrastrukturen auch in Krisen- und Konfliktlagen funktionsfähig halten. Gleichzeitig soll die Logistik der Führung mehr Handlungsspielraum geben.

Für die Umsetzung sind 144 Massnahmen vorgesehen, die bis 2035 schrittweise realisiert werden sollen. Diese werden nun auf Überschneidungen geprüft. Ziel ist, die Zahl der Massnahmen voraussichtlich auf rund 80 zu reduzieren.

Keine zusätzlichen finanziellen Mittel eingeplant

Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hat das Konzept geprüft und erachtet es grundsätzlich als «ausreichend reif». Gleichzeitig hält sie fest: «Zentrale Fragen sind noch offen.» Eine davon ist die Finanzierung. Die Armee hat das Konzept ausgearbeitet, ohne die dafür nötigen Mittel festzulegen. Abgesehen von rund 480 Millionen Franken für die Einsatzlogistik, die im Masterplan 2025 vorgesehen sind, wurden bislang keine weiteren Mittel beantragt oder eingeplant.

Allein für die bisher definierten Massnahmen rechnet die Armee mit Kosten von rund 4,3 Milliarden Franken. Nicht enthalten sind Ausgaben für Ersatzteile, zusätzliche Vorräte oder die geplante Dezentralisierung. Hinzu kommen Kosten für neue Dienstleistungsvereinbarungen, Ausbildungen und weitere Anpassungen. Intern geht die Armee davon aus, dass der vollständige Ausbau der Logistik bis 2040 rund 10 Milliarden Franken oder mehr kosten könnte. Diese Summe betrifft jedoch den Endausbau: Ziel ist nicht, die gesamte Kriegslogistik bereits heute aufzubauen, sondern die Voraussetzungen für eine rasche Reaktion im Ernstfall zu schaffen.

Die EFK zeigt Verständnis dafür, dass das Zielbild zunächst unabhängig von Budgetvorgaben entwickelt wurde. Gleichzeitig kritisiert sie, dass rasch absehbar gewesen sei, dass die Pläne die finanziellen Möglichkeiten der Armee übersteigen könnten. «Da die Armee ohnehin immer priorisieren muss, ist es schwer verständlich, warum der Link mit der Armeeplanung nicht früher hergestellt worden ist», schreibt sie. Die Finanzkontrolle warnt, dass einzelne Projekte zwar umgesetzt werden könnten, die Gesamtkonzeption aber ihre Wirkung verfehle, wenn zentrale Bausteine aus finanziellen Gründen wegfallen. 

90 Prozent der Rüstungsgüter stammen aus dem Ausland

Auch die IT-Infrastruktur bleibt eine Herausforderung. Zwar läuft das SAP-Standardsystem seit Anfang 2025 im Alltag stabil, für den Krisen- oder Kriegsfall fehlt jedoch noch ein ausreichend geschützter, autonomer Betrieb. Die Armee arbeitet deshalb an widerstandsfähigeren SAP-Architekturen.

Kritik übt die EFK auch daran, dass die Gesamtkonzeption der Logistik vor der Sicherheitspolitischen Strategie 2026 erarbeitet wurde. Diese soll eigentlich den übergeordneten Rahmen bilden. Das VBS widerspricht: Ein schrittweises Vorgehen würde zu lange dauern, sodass die Strategie bereits wieder überholt sein könnte. Deshalb setzt es auf laufende Anpassungen.

Weiter sieht die Finanzkontrolle die starke Auslandsabhängigkeit sehr kritisch: Rund 90 Prozent der für die Armee zentralen Rüstungsgüter stammen aus dem Ausland. Die Finanzprüfer fordern deshalb eine engere Abstimmung mit Lieferanten, Kantonen und anderen Bundesstellen.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen