Forderung an Beat Jans
Tausende verlangen härteres Vorgehen gegen Vergewaltiger-Netzwerke

Das internationale Projekt «Medusa» deckt digitale Netzwerke auf, in denen Vergewaltigungen gezeigt werden – die Opfer sind in der Regel betäubt. Die Schweiz ist an dem Projekt nicht beteiligt. Eine Petition will das ändern.
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Mit dem Fall Patrick F. rückt das Thema «chemische Unterwerfung» wieder vermehrt ins öffentliche Bewusstsein.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ex-Politiker Patrick F. angeklagt: Missbrauch und versuchter Mord in der Schweiz
  • Petition fordert Teilnahme der Schweiz an internationalem Projekt «Medusa»
  • 57 Festnahmen, 158 Opfer gerettet, 21'789 Unterschriften bis 29. Juli 2026
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Der Fall Patrick F. erschüttert die Schweiz. Der Ex-Politiker soll mehrere Frauen und eine Minderjährige unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht haben. Die Aargauer Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben. Die Liste der Vorwürfe ist lang: mehrfache Vergewaltigung, Körperverletzung, sexuelle Handlungen mit Kindern, sexuelle Nötigung und mehrfacher versuchter Mord. Noch aber gilt die Unschuldsvermutung.

Eine Online-Petition will verstärkt gegen chemische Unterwerfung vorgehen. In geheimen Foren und Chatgruppen würden Männer einander Anleitungen geben, wie sie Partnerinnen und andere Frauen betäuben können, wird argumentiert. Die Männer würden die Frauen im wehrlosen Zustand missbrauchen, Taten filmen und Aufnahmen teilen. Sie teilten Tipps zur Dosierung von Betäubungsmitteln – und bestärkten sich in ihrer Gewalt.

Operation weist rasche Erfolge auf

Um solche Netzwerke zu zerschlagen, haben sich neun Länder zusammengetan. Im April ist das Projekt «Medusa» gestartet worden – durchaus mit Erfolg. Bereits im Juli zogen die Beteiligten eine erste Bilanz: 57 Personen wurden verhaftet, 158 Opfer in Sicherheit gebracht, 113 Ermittlungen laufen, 274 weitere Ermittlungsansätze wurden gefunden. Die Schweiz hat bisher auf eine Teilnahme verzichtet.

Das soll sich ändern. Die Online-Petition fordert die Schweizer Beteiligung an der Operation «Medusa» – «statt zuzuschauen». Sie wendet sich ans Parlament sowie an SP-Justizminister Beat Jans (62). Initiiert wurde das Anliegen von der Studentin Milena Keiser als Privatperson, die zudem eine nationale Taskforce verlangt. Bis Freitagmittag ist die Petition von rund 33'000 Personen unterzeichnet worden.

Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» erklärt das Bundesamt für Polizei (Fedpol), die Schweiz sei aus operativen Gründen nicht am Projekt «Medusa» beteiligt, ohne aber näher auf diese Gründe einzugehen. Für allfällige Ermittlungen sind die jeweiligen Kantone zuständig – die sich aus taktischen Gründen aber ebenfalls nicht in die Karten schauen lassen.

«Andere Länder zeigen, entschlossenes Vorgehen ist möglich»

Initiantin Keiser gibt sich damit nicht zufrieden: «Mit dem Projekt ‹Medusa› zeigen andere Länder, dass entschlossenes Vorgehen möglich ist.» Der Schweiz fehle nicht die technische, finanzielle oder rechtliche Möglichkeit, sondern die Struktur und der politische Wille. Das solle sich ändern. «Solange die Täter sich in Foren und Chatgruppen sicher fühlen, geht die Gewalt weiter. Ihr Sicherheits- und Machtgefühl muss enden.»

Die Petition fordert weiter, dass Fälle systematisch erfasst werden. Denn «ohne belastbare Zahlen bleibt das Problem unsichtbar und die Politik und Justiz ohne Grundlage zum Handeln». Auch brauchten Opfer niederschwelligen Zugang zu spezialisierter Therapie, Beratung und Betreuung.

Im Parlament seien schon Vorstösse eingereicht worden, die vom Bundesrat griffigere Massnahmen zum Thema «chemische Unterwerfung» fordern, erinnert der «Tages-Anzeiger». Die Regierung stellte sich bisher aber auf den Standpunkt, es bestehe kein gesetzgeberischer Handlungsbedarf. Die Begründung: Das Schweizer Strafrecht verurteile Fälle von Betäubung schon heute vollumfänglich als Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung.

Die Online-Petition will nun aber den öffentlichen Druck erhöhen. Solche Netzwerke müssten aufgespürt und zerschlagen, die Täter verfolgt und Betroffene geschützt werden. Parlament und Bundesrat müssten jetzt handeln, fordert die Petition. «Wer schweigt, schützt die Täter.»

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