Extra neues Lehrmittel geschaffen – zur geistigen Aufrüstung
Bundesrat Pfister will schon Schüler auf die Armee einschwören

Mit einem neuen Lehrmittel will Pfister das Bewusstsein für die aktuelle Bedrohungslage schärfen. Das Ganze aber wirkt wie eine Werbebotschaft für die Armee.
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Mit einem neuen Lehrmittel sollen Schülerinnen und Lehrlinge für die angespannte Sicherheitslage sensibilisiert werden.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Schweiz reagiert auf globale Unsicherheit mit neuer Sicherheitsstrategie des Bundesrats
  • Lehrmittel «Wie sicher sind wir?» soll Jugendliche sensibilisieren und stärken
  • Gedruckte Broschüre umfasst 88 Seiten, multimediale Übungen und Module
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Die Lage ist ernst. Das stellt der Bundesrat in seiner neuen sicherheitspolitischen Strategie klar. In Europa herrscht weiter Krieg. Der Nahe Osten bleibt ein Pulverfass. Und US-Präsident Donald Trump (79) sorgt mit dem Angriff auf Venezuela für noch mehr Unsicherheit.

Auch die Schweiz rüstet auf, will wieder verteidigungsfähig werden. Dazu braucht es nicht nur Kampfjets und Panzer. Der Bundesrat will uns alle auf die neue Bedrohungslage einschwören. Sein erklärtes Ziel: «Die Bereitschaft, die Schweiz mit allen verfügbaren Mitteln zu schützen und zu verteidigen, ist bei allen relevanten Akteuren und der Bevölkerung hoch.»

Gesellschaft soll widerstandsfähiger werden

Verteidigungsminister Martin Pfister (62) möchte der Bevölkerung seine Sicherheitspolitik daher schon in jungen Jahren einimpfen. Bei der Präsentation der neuen Strategie kündigte er an, an Schulen Lehrpläne überprüfen lassen zu wollen. Gerade für Junge sei es wichtig, den Umgang mit Desinformation in sozialen Medien zu lernen. Die Gesellschaft müsse widerstandsfähiger werden.

Doch damit nicht genug. Zusammen mit der Pädagogischen Hochschule Luzern und den kantonalen Erziehungsdirektoren hat die Armee extra ein neues Lehrmittel erarbeitet. Das Zielpublikum: Schülerinnen und Lehrlinge von 15 bis 19 Jahren. So sollen das Bewusstsein für Bedrohungen und Gefahren geschärft sowie Handlungsfähigkeit und Solidarität der Bevölkerung in Notlagen erhöht werden.

Besteht ein Anspruch auf Sicherheit? Wie weit geht er? Wie soll Sicherheit hergestellt und aufrechterhalten werden? Solche und andere Fragen wirft das Lehrmittel «Wie sicher sind wir?» auf, die von den Schülerinnen und Schülern für sich oder in Gruppen beantwortet werden sollen. Und: Die Jugendlichen sollen sich auch überlegen, welchen Beitrag sie zur Sicherheit im Land leisten.

Einschätzungen des Bundes im Vordergrund

Die Jugendlichen sollen die vielseitigen Herausforderungen der Schweizer Sicherheitspolitik aus verschiedenen Perspektiven kennenlernen, argumentiert das Verteidigungsdepartement.

Naturgemäss aber stehen die Einschätzungen des Bundes im Vordergrund, mit der Gefahr, die für die Schweiz vorab von Russland ausgeht. So wird etwa auf eine ETH-Studie von 2024 verwiesen, wonach die russische Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 zu einem Rückgang des Sicherheitsgefühls in der Schweiz geführt habe.

Zudem wird betont, dass die Notwendigkeit der Schweizer Armee seit 2022 von den Befragten verstärkt bejaht werde. Es liegt auf der Hand, dass solche Hinweise die Schüler in ihrer Beurteilung beeinflusst.

Zwar ist das Lehrmittel möglichst neutral formuliert. Dennoch bleibt es eine Werbeplattform für Armee oder Bevölkerungsschutz, ähnlich den Plänen für einen obligatorischen Orientierungstag, mit dem das VBS mehr Frauen für die Armee gewinnen will.

Das Lehrmittel ist online oder als 88-seitige gedruckte Broschüre verfügbar. Multimedial gestaltet umfasst es Übungen, Audio- oder Videoelemente. Hinzu kommen ein historisches Modul, das die Geschichte und Entwicklung der Schweizer Sicherheitspolitik beleuchtet, sowie ein politisches Modul, das aktuelle sicherheitspolitische Fragen aufwirft und die jungen Menschen bei der Meinungsbildung unterstützen soll.

Es stehe den Schulen, Lehrpersonen und Kantonen frei, ob sie das Lehrmittel oder Teile davon in geeigneter Form einsetzen, betont das Verteidigungsdepartement.

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