Darum gehts
- Deutsche Grenze bei Stein AG verschiebt sich um 8,2 Meter – quasi nur auf dem Papier
Grenze neu anhand der exakt vermessenen Rheinmittellinie festgelegt
- Kleine Fridolininsel liegt nun vollständig auf deutschem Boden
Die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland gibt immer wieder Anlass zum Schmunzeln. An kuriosen Geschichten mangelt es nicht. Ein Klassiker ist etwa die deutsche Enklave Büsingen, die vollständig vom Schaffhauser Staatsgebiet umschlossen wird. Ebenso speziell: Im Bodensee ist der genaue Grenzverlauf zwischen der Schweiz und Deutschland bis heute nicht abschliessend festgelegt.
Ein weiteres Grenz-Kuriosum findet sich nun am Rhein, genauer gesagt auf der bekannten Holzbrücke zwischen Stein AG und der deutschen Nachbargemeinde Bad Säckingen: Dort beginnt Deutschland plötzlich 8,2 Meter früher als bisher!
Das wurde am Grenzverlauf geändert
Nein, natürlich hat sich unser grosses Nachbarland nicht einfach über Nacht ausgedehnt, auch wenn Spaziergänger diesen Eindruck bekommen könnten. Ein neu festgelegter Grenzverlauf wird durch einen versetzten weissen Grenzstrich auf der Brücke sichtbar.
Wie die «Badische Zeitung» nachgezeichnet hat, wurde der Grenzverlauf zwischen Deutschland und der Schweiz nach den geltenden Regeln neu festgelegt. Bislang orientierte sich die Grenze an dieser Stelle am sogenannten Talweg des Rheins, also an dessen tiefster Stelle. Weil sich dieser durch die Strömung im Laufe der Zeit verändern kann, wurde die Grenze neu anhand der exakt vermessenen Rheinmittellinie festgelegt.
Das hat einen interessanten Nebeneffekt: Die kleine Fridolininsel im Rhein liegt laut der «Badischen Zeitung» neu vollständig auf deutschem Staatsgebiet. Auf der Brücke macht neben dem weissen Strich auch ein «Bundesrepublik Deutschland»-Schild den Grenzverlauf sichtbar.
Eine Besonderheit gibt es noch, wie die Regionalzeitung weiter herausgefunden hat: Der weisse Strich zeigt die Grenze nicht zentimetergenau an. Die Markierung verläuft aus praktischen Gründen entlang einer Holzdielenkante. Die offiziellen Vermessungspunkte liegen deshalb einige Zentimeter daneben.
Aufstrebender Politiker aus Bad Säckingen
Derzeit sorgt das Grenzstädtchen Bad Säckingen, das in Deutschland sonst nur selten in den Schlagzeilen ist, übrigens noch aus einem anderen Grund für Aufmerksamkeit. Der Grund könnte auch Schweizer interessieren: Der CDU-Politiker Thorsten Frei (52) ist neuer Vorsitzender der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag. Er gilt nicht nur als enger Vertrauter von Bundeskanzler Friedrich Merz (70), sondern auch als Kenner der Schweiz.
Frei stammt aus Bad Säckingen, und entsprechend häufig ist derzeit auch der Name des Orts zu lesen. Der «Spiegel» bezeichnete ihn etwa als «freundlichen Juristen aus dem badischen Bad Säckingen». Erst kürzlich pflegte Frei wieder hochrangige Kontakte zur Schweiz: Noch als Kanzleramtsminister im Kabinett von Merz traf er den Schweizer Bundeskanzler Viktor Rossi (57) und Livia Leu (64), Botschafterin Berns in Berlin. Dabei betonte er «die vielen Gemeinsamkeiten» zwischen den beiden Ländern.