Von wegen Steuersumpf! Diese Steuer begeistert unsere Nachbarn
«Deutschland kann von der Schweiz lernen»

Normalerweise wird die Schweiz im Ausland gern als Steuerparadies abgestempelt. Nun kommt aus Deutschland unerwartetes Lob für unsere Vermögenssteuern. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht.
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Die Schweiz gilt in Deutschland plötzlich als Vorbild in Steuerfragen.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Deutschland debattiert über Vermögenssteuer, blickt dabei auf die Schweiz
  • «Süddeutsche Zeitung»: Schweiz zeigt, dass Vermögenssteuer trotz Attraktivität funktioniert
  • Seit 30 Jahren keine erhobene Vermögenssteuer mehr in Deutschland
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Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Geht es um Steuern, hat die Schweiz im Ausland einen eher zweifelhaften Ruf. Gerade bei unseren Nachbarn werden dazu nur zu gern Klischees bedient: Das ewige Steuerparadies! Der diskrete Geldhafen! Doch in diesem Fall ist alles anders. Plötzlich gilt die Schweiz in Deutschland als Musterbeispiel – wegen einer Steuer, die im eigenen Land heftig umstritten ist.

In Berlin erhält die Forderung nach einer Vermögenssteuer neuen Auftrieb: Die Linken treiben die Idee auf nationaler Ebene und in den Bundesländern vorwärts. Deswegen richten sich die Blicke auf die Schweiz. Soeben widmete die «Süddeutsche Zeitung» dem hiesigen Steuermodell einen ausführlichen Beitrag. Das Fazit des Leitmediums: «Deutschland kann von der Schweiz lernen.»

Man muss das Gesamtpaket anschauen

Die Vermögenssteuer gibt es in Deutschland nur noch auf dem Papier. Erhoben wird sie seit bald 30 Jahren nicht mehr – nachdem das Oberste Gericht eingegriffen hatte. Ausgesetzt wurde die Steuer wegen Problemen bei der Berechnung von Vermögenswerten.

In Deutschland warnen die Gegner einer neuen Vermögenssteuer vor der Abwanderung von Vermögenden. Die Schweiz zeige jedoch, dass eine solche Steuer funktionieren könne, schreibt die «Süddeutsche». Obwohl Vermögen hier besteuert werden, gelte das Land als attraktiv. Erhoben wird die Vermögenssteuer von den Kantonen.

«Kronzeuge» der Zeitung ist Wirtschaftsprofessor Marius Brülhart (58). Entscheidend sei das «Gesamtpaket», und da fallen vor allem die Einkommenssteuern ins Gewicht: Die Belastung für Wohlhabende falle insgesamt «relativ moderat» aus, zwischen den Kantonen herrscht Steuerwettbewerb. Zudem erinnert er daran, dass es hier – anders als in Deutschland – keine Steuern auf private Kapitalgewinne gibt.

Brülhart warnt vor einfachen Schlüssen. Je höher eine Vermögenssteuer ausfalle, desto eher könnten Vermögende abgeschreckt werden. Die Gefahr einer Abwanderung werde aber «gern als politisches Schreckgespenst missbraucht», zitiert ihn die Zeitung. Als Beispiel verweist sie auf den Kanton Luzern: Nach einer Senkung der Vermögenssteuer seien die deklarierten Vermögen deutlich gestiegen. Möglicherweise wohl auch, weil die Steuerzahler ehrlicher wurden.

«Steuersumpf Schweiz besteuert stärker»

Ausgerechnet jene deutschen Kreise, die die Schweiz sonst gern wegen ihrer Steuerpolitik kritisieren, loben sie in diesem Fall. Die Linkspartei hat eine Studie bestellt, um ihre Forderungen zu untermauern. Zwar spielten Vermögensteuern auf hohe Vermögen natürlicher Personen «nur noch in wenigen Steuersystemen eine Rolle», steht darin. Um dann anerkennend festzustellen: Die Schweiz sei hier aber «führend».

Ein Bericht zur Besteuerung von Superreichen, an dem Non-Profit-Organisationen wie Oxfam und das Netzwerk Steuergerechtigkeit beteiligt waren, bemerkte schon 2024 genüsslich: «Selbst der Steuersumpf Schweiz besteuert Milliardäre stärker als Deutschland und Österreich.» Auch da wurde natürlich die Vermögenssteuer ins Feld geführt.

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