Darum gehts
- Keller-Sutter verkündet: 2027 kein Sparpaket nötig, dank sprudelnder Gewinnsteuern
- 0,5 % der Firmen zahlen 75 % aller Gewinnsteuern in der Schweiz
- MSD bezahlte 2025 1,8 Milliarden Franken, doch jetzt ist die Firma im Visier der US-Behörden
Seltener Glücksmoment für Finanzministerin Karin Keller-Sutter (62): Normalerweise muss sie wegen der angespannten Finanzlage schlechte Nachrichten verkünden – und ihre Kolleginnen und Kollegen zum Sparen zwingen. Doch am Mittwoch konnte sie für einmal das Gegenteil tun. Die Gewinnsteuern der Unternehmen sprudeln. Keller-Sutter kann auf ein weiteres Sparpaket für 2027 verzichten. Und es springt sogar noch etwas Geld raus, um die Armee aufzurüsten.
Den Geldsegen beschert der Schweiz ein kleiner Kreis von Unternehmen. 0,5 Prozent der Firmen zahlen drei Viertel aller Gewinnsteuern. Auch dank Pharmafirmen aus den Kantonen Basel, Zürich und Luzern soll es höhere Steuereinnahmen von 1,8 Milliarden Franken geben.
Eine Firma sticht besonders heraus: der Pharmakonzern MSD Schweiz mit Hauptsitz in Luzern. Er gilt als bester Steuerzahler der Schweiz. 1,8 Milliarden Gewinnsteuern zahlte die US-Firma 2025 hierzulande, auch dank ihm wurde das Luzerner Tiefsteuermodell für Unternehmen zum Erfolg. Inzwischen ist der Zentralschweizer Kanton das neue Steuerparadies der Schweiz, hat die tiefsten Firmensteuern im Land. Zug musste den Spitzenplatz abgeben.
Konzern passt perfekt in Trumps Negativbild der Schweiz
Doch damit könnte die Schweiz erneut in den Fokus von US-Präsident Donald Trump (80) geraten. Wird er die Schweiz einmal mehr piesacken und Finanzministerin Keller-Sutter wie schon beim Zoll-Deal den Schlaf rauben? Denn MSD passt wegen seiner Steuerpraxis und der unterschiedlichen Medikamentenpreise hierzulande und auf der anderen Seite des Atlantiks perfekt ins Schema des schlechten Bilds, das Trump von unserem Land zeichnet. So lästerte er rund um das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos GR, die Schweiz sei nur reich, weil die USA es ihr erlauben, viel Geld zu machen. «Sie nehmen uns aus», sagte Trump dem US-Sender Fox Business.
Seine Steuerbehörde hat MSD jedenfalls auf dem Radar, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Das Unternehmen gab laut dem Bericht an, dank einer Sonderregelung, die es erlaubt, Gewinne in der Schweiz zu versteuern, 1,4 Milliarden Dollar Steuern gespart zu haben. Die US-Behörden befinden sich mit MSD in einem Streit. Sie werfen ihm vor, Gewinne im Ausland zu versteuern, die die USA selbst gern hätten.
Auf den Radar der US-Behörden und von Trump dürfte MSD auch geraten, weil sein Krebsmedikament Keytruda in der Schweiz rund 73’000 Franken pro Patient und Jahr kostet, in den USA laut der «SonntagsZeitung» aber über 200’000 Dollar.
Trump will die hohen Medikamentenpreise in den USA senken und Querfinanzierungen für andere Länder stoppen. Das könnte letztlich auch zu höheren Medikamentenpreisen und Krankenkassenprämien in der Schweiz führen. Laut dem Bundesrat könnte das die Prämienzahlerinnen und -zahler bis zu 4,8 Milliarden Franken mehr kosten, wenn Trumps Pläne voll durchschlagen. Heisst: rund 530 Franken pro Person und Jahr!
Wer sonst noch ganz viel Steuern zahlt
Nicht nur MSD beschert dem Bund einen Geldsegen. Der Kanton Genf hat es zum Beispiel versäumt, provisorische Steuerrechnungen an Konzerne auszustellen. Der Kanton muss dem Bund deshalb hohe Summen abliefern; allein zwischen 2025 und 2028 sollen es 600 bis 800 Millionen Franken mehr sein als geplant.
Das hat mit Rohstoffkonzernen zu tun, die von Genf aus handeln. Aber auch mit der Logistik: Die Reederei MSC hat ihren Sitz in der Rhonestadt. Zahlen gibt das grösste Containerschiffunternehmen der Welt zwar nicht bekannt, 2022 soll der Gewinn, auch dank der Pandemie, bei 36,2 Milliarden Euro gelegen haben. Die Besitzerfamilie Aponte gehört zu den Top 5 der reichsten Schweizer.
Der beste Steuerzahler der Schweiz ist laut dem Steuerrating der «Handelszeitung» der Basler Pharmakonzern Roche – gefolgt von Nestlé, Novartis und der Zurich-Versicherungsgruppe. Auf Platz 5 liegt der Zuger Rohstoff-Riese Glencore. Roche zahlt demnach weltweit dem Fiskus 3,2 Milliarden Gewinnsteuern. In der Schweiz liefert Roche 1,29 Milliarden an den Staat ab, Nestlé 875 Millionen und Novartis 765 Millionen.