Deutlich mehr als Konkurrenten Roche und Novartis
US-Pharmariese ist der grösste Steuerzahler der Schweiz

Die Schweiz ist bei ausländischen Firmen ein beliebtes Pflaster. So beliebt, dass der grösste Steuerzahler gar aus dem Ausland kommt. Es ist ein Pharmariese aus den USA.
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Der US-Pharmariese MDS ist seit 1963 auch in der Schweiz tätig.
Foto: MSD

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • US-Konzern MSD zahlte letztes Jahr 1,8 Milliarden Franken Gewinnsteuern in der Schweiz
  • 6 Prozent aller Unternehmensgewinnsteuern in der Schweiz stammen von MSD
  • MSD beschäftigt 1000 Mitarbeitende, neuer Hauptsitz in Luzern ab Mai
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Milena KälinRedaktorin Wirtschaft

Der grösste Schweizer Steuerzahler ist keine Firma aus dem eigenen Land: Der US-Pharmakonzern Merck Sharp & Dohme (MSD) zahlt hierzulande deutlich mehr in die Staatskasse ein als die Schweizer Schwergewichte Novartis, Roche oder Nestlé.

Konkret: 1,8 Milliarden Franken an Gewinnsteuern hat der Pharmariese vergangenes Jahr gezahlt, wie das Portal «Republik» berichtet. Auch das internationale Journalisten-Netzwerk ICIJ war an der Recherche beteiligt. Insgesamt gehen 6 Prozent der schweizweiten Unternehmensgewinnsteuer-Einnahmen auf MSD zurück.

Für 2025 musste der amerikanische Pharmariese im Geschäftsbericht erstmals deklarieren, wenn der Konzern in einem anderen Land mehr als 5 Prozent des Gewinns erwirtschaftet. Das trifft sowohl auf die Schweiz als auch die Niederlande zu. Insgesamt macht MSD fast ein Viertel der 65 Milliarden Franken Umsatz in Europa. Der Pharmakonzern wollte sich gegenüber der «Republik» nicht näher äussern.

Wie viel Schweizer Firmen zahlen

Der grösste Schweizer Steuerzahler aus dem Inland war vergangenes Jahr Roche. Knapp 1,3 Milliarden hat der Basler Pharmariese 2025 an Gewinnsteuern bezahlt, wie neueste, noch nicht veröffentlichte Recherchen der «Handelszeitung» zeigen. Eine halbe Milliarde weniger als MSD! Der Pharmakonzern aus den USA zahlt in der Schweiz auch mehr als doppelt so viel Steuern wie das SMI-Schwergewicht Nestlé (875 Millionen) oder Konkurrentin Novartis (765 Millionen).

Im Vorjahr bezahlte ebenfalls Roche am meisten: Mit 840 Millionen waren es aber deutlich weniger Steuern als 2025. Bei Novartis sind die Steuern seit 2024 gar leicht gesunken.

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Die 1,8 Milliarden Franken, die der US-Konzern vergangenes Jahr in der Schweiz ablieferte, dürften US-Präsident Donald Trump (79) besonders ärgern. Schliesslich will er mehr Wertschöpfung im eigenen Land. Doch ausgerechnet eine Steuerreform von Trump aus dem Jahr 2017 macht es für MSD so attraktiv, im Ausland grosse Umsätze zu machen. Damals senkte Trump die Gewinnsteuer und sorgte dafür, dass Tochterfirmen im Ausland nur sehr wenig Steuern bezahlen müssen.

Verrückt: Der MSD-Steuerbetrag könnte sogar noch höher ausfallen. Denn der US-Konzern profitiert aktuell von einem Steuerdeal mit der Schweiz, der noch bis 2032 gilt. Wie dieser genau aussieht, will niemand verraten: Steuergeheimnis. Zudem ist die Schweiz mit ihrer eher tiefen Gewinnsteuer äusserst attraktiv für Unternehmen.

Neuer Hauptsitz in Luzern

In seiner Schweizer Tochterfirma beschäftigt MSD aktuell 1000 Leute. Drei Viertel davon arbeiten bald am neuen Hauptsitz direkt am Bahnhof Luzern; er soll im Mai eröffnen. Von aussen ein langweiliges Glasgebäude, profitieren die Angestellten drinnen unter anderem von einer hauseigenen Bibliothek sowie einem Fitnesscenter, schreibt die «Luzerner Zeitung».

Der Schweiz-Chef ad interim von MSD äusserte sich in der Zeitung zu den Tätigkeiten in der Schweiz: «Der Fokus liegt auf der Versorgung von Patientinnen und Patienten, Forschung und Entwicklung sowie internationalen Funktionen. In Schachen produzieren wir Medikamente ausschliesslich für klinische Studien», erklärte Jasper Kunow (59) Ende März.

Auffällig: Der Kanton Luzern hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Unternehmenssteuern eingenommen als budgetiert – dadurch schloss er die Rechnung 2025 mit einem Plus von 338 Millionen Franken ab. Wie viel der 1,8 Milliarden Franken im Luzerner Steuertopf landen, ist wegen des Steuergeheimnisses nicht bekannt. Gut möglich, dass auch der Kanton Zürich profitiert. Schon 1963 eröffnete MSD seine erste Niederlassung in der Schweiz in Zürich. Heute arbeiten noch 250 Angestellte im Circle am Flughafen Zürich.

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