Flieger kostet 60 Millionen Franken
Novartis steckt Prämiengelder in einen Privatjet für die Chefs

Das Novartis-Management leistet sich für gut 60 Millionen Franken einen neuen Luxus-Privatjet – während viele Familien nicht wissen, wie sie ihre Krankenkassenprämien bezahlen sollen. Was sagt die Politik dazu?
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Der Dassault Falcon 8X für die Novartis-Geschäftsleitung – lieferbar auch mit Dusche im Heck.
Foto: IMAGO/dieBildmanufaktur

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Novartis kauft für geschäftliche Zwecke einen neuen Luxusjet für 60 Mio. Dollar
  • Kritik: Kauf teils mit Schweizer Prämiengeldern finanziert, Nachhaltigkeit fraglich
  • Novartis-Gewinnmarge 2025: 40,1 %, Geschäftsleitung kassierte 113,6 Mio. CHF
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Gian Signorell
Beobachter

Die Novartis-Geschäftsleitung unter Vas Narasimhan hat sich einen neuen Privatjet gegönnt: einen Dassault Falcon 8X. Laut Hersteller punktet das Modell mit «Effizienz, grosser Reichweite und leisem, geräumigem Komfort». In der «Drei-Lounge-Konfiguration» gibt es sogar eine Dusche im Heck. Der Preis beginnt bei 60 Millionen Dollar, je nach Ausstattung wird es teurer. Finanziert wurde der Luxusflieger auch mit Prämiengeldern der Schweizer Bevölkerung. Der Finanzblog Inside Paradeplatz berichtete zuerst über den Kauf.

Wie rechtfertigt Novartis diesen Schritt gegenüber den Schweizer Prämienzahlern? Und wie passt der Jet zur propagierten Nachhaltigkeit des Konzerns? Der «Beobachter» stellte solche und weitere Fragen – insgesamt acht – an die Medienstelle von Novartis. Die Antwort kam prompt – und bestand aus einem einzigen Satz: «Wir bestätigen, dass wir einen für geschäftliche Zwecke genutzten Privatjet ersetzt haben.» Auf weitere Fragen ging das Unternehmen nicht ein.

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Der Kauf fällt in eine Zeit intensiver Verhandlungen zwischen dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) und den Pharmariesen Roche und Novartis. Obwohl die Schweiz laut OECD bereits die dritthöchsten Pro-Kopf-Ausgaben für Medikamente weltweit hat – nach den USA und Deutschland –, fordern beide Konzerne noch höhere Preise. Sollte das BAG nicht einlenken, droht Narasimhan unverhohlen damit, neue Medikamente nicht mehr in der Schweiz einzuführen und bestehende vom Markt zu nehmen.

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Enorme Kluft zwischen Management und Bevölkerung

Ein Blick ins Schweizer Luftfahrzeugregister zeigt: Der neue Falcon 8X ist nur ein Teil der Novartis-Flotte. Eingetragen sind ausserdem drei weitere Privatjets vom Typ Dassault Falcon 7X und ein Eurocopter EC135.

Pharmakritiker Beat Ringger von «Pharma für alle» übt scharfe Kritik: «Der Kauf des Firmenjets zeigt die enorme Kluft zwischen der Welt des Novartis-Managements und der breiten Bevölkerung.» Novartis wolle die Menschen glauben machen, dass höhere Preise nötig seien, um neue Medikamente zu entwickeln. «Wer das bisher geglaubt hat, sollte spätestens jetzt eines Besseren belehrt sein», so Ringger.

Laut Geschäftsbericht erzielte Novartis im vergangenen Jahr eine Gewinnmarge von 40,1 Prozent (core operating income margin). Von 100 Franken Umsatz blieben dem Unternehmen gut 40 Franken als Betriebsgewinn. Zum Vergleich: Die Migros kam auf 3,6 Prozent.

Die Geschäftsleitung von Novartis liess sich 2025 insgesamt 113,6 Millionen Franken auszahlen. Allein Narasimhan kassierte 24,9 Millionen Franken. Die übrigen zehn Mitglieder der Geschäftsleitung teilten sich 88,7 Millionen Franken.

Bürgerliche Parteien schweigen

Wie reagieren die politischen Parteien auf den Jet-Kauf? Die Bürgerlichen schweigen. «Dazu gibt die SVP Schweiz keine Stellungnahme ab», teilte deren Medienstelle mit. Ähnlich äusserte sich die FDP: «Die FDP kommentiert keine Kaufentscheide von Novartis. Es ist nicht Aufgabe der Politik, sich in unternehmerische Entscheidungen privater Firmen einzumischen.» Auch die Mitte-Partei will «keine Stellungnahme zu diesem spezifischen Thema» abgeben.

Kritik kommt nur von links. «Während immer mehr Familien nicht wissen, wie sie ihre Krankenkassenprämien bezahlen sollen, leistet sich Novartis einen Luxus-Businessjet», schreibt SP-Nationalrat Samuel Bendahan. Für die SP sei klar: Die Forderung von Novartis nach höheren Medikamentenpreisen muss sofort vom Tisch. Die Partei werde sich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass die Preise sinken, damit Krankenkassenprämien bezahlbar bleiben.

Die Grünen-Nationalrätin Manuela Weichelt sieht im Jet-Kauf nur die Spitze des Eisbergs. «Fragen Sie mal einen Migros-Verkäufer, ob er mit seinen Krankenkassenprämien die Privatjets der Pharmabosse mitfinanzieren möchte, auch wenn die Schweiz nur ein kleiner Markt ist.» Für Weichelt steht fest: Die Schweiz muss zusammen mit Europa ihre Abhängigkeit von gewissen Wirkstoffherstellern und Pharmakonzernen verringern. Etwa mit der eigenen Produktion von patentabgelaufenen Medikamenten. Dazu müsse auch mehr mit den Apothekerverbänden zusammengearbeitet werden.


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