Darum gehts
- MIT-Studie zeigt: Tumorzellen umgehen gezielte Therapien durch alternative Signalwege
- Kombinationstherapien könnten Haupt- und Nebenwege blockieren, so die Forschenden
- Jährlich 48'000 neue Krebsdiagnosen in der Schweiz, 6'800 Brustkrebsfälle
Moderne Krebstherapien werden individuell auf Patienten zugeschnitten – und scheitern trotzdem oft. Besonders sogenannte Tyrosinkinase-Inhibitoren – gezielte Krebsmedikamente, die wichtige «Schalter» in Tumorzellen blockieren – können Wachstum und Ausbreitung bremsen. Die Krux: Sie wirken nur bei etwa 40 bis 80 Prozent der Patienten.
Eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zeigt nun, warum: Tumorzellen haben oft einen «Plan B». Wird der eigentliche Signalweg blockiert, weichen sie auf einen alternativen Überlebensmechanismus aus – und entziehen sich so der Therapie.
Der Umweg ist der Weg
Wenn der eigentliche Zielweg ausgeschaltet wird, dann entwickeln Tumore einen Umweg. «Dieser Weg macht die Zellen resistent gegen eine Vielzahl von Therapien, einschliesslich Chemotherapien», sagen die Studienautoren Janet C. Rice und Forest White, Professoren für Bioingenieurwesen am MIT.
Und dennoch fanden die Forschenden eine Lösung, um die sich gegen die Medikamente sträubenden Krebszellen zu töten. Das Geheimrezept: Gezielte Krebsmedikamente (Tyrosinkinase-Inhibitoren), in Kombination mit einem Medikament einsetzen, das den alternativen Signalweg hemmt.
Naht das Wundermittel?
Die Forschenden des MIT widmeten sich in einem Experiment dem Phänomen. Dafür untersuchten sie verschiedene Krebszellen von Lungenkrebsbetroffenen. Mithilfe einer Analysemethode (Phosphoproteomik) konnten sie nachvollziehen, welche Signalwege in den Zellen aktiv sind. Das Ergebnis: Die eingesetzten Medikamente blockierten zwar in allen Fällen erfolgreich den eigentlichen Zielmechanismus. Doch in den resistenten Zellen war bereits ein alternativer «Überlebensweg» aktiv.
Die Studie zeigt damit: Manche Krebszellen sind von Beginn an so programmiert, dass sie Behandlungen umgehen können – indem sie auf einen zweiten Signalweg ausweichen. Der Lösungsansatz: Laut der Studie sollen Medikamente zur Blockierung des Haupt- und Nebenweges eingesetzt werden. Eine These, die es jedoch noch zu erforschen gilt.
Die Schweiz und der Krebs
Krebs ist eine Diagnose, die das Leben von Betroffenen und Angehörigen nachhaltig prägt. In der Schweiz trifft dies jährlich 48'000 Personen, wie die Krebsliga Schweiz aufführt. Dabei werden Männer leicht häufiger mit Krebs diagnostiziert als Frauen. Krebs in Zahlen zu fassen, ist eine Herkulesaufgabe. Laut dem Onlineportal Pharma-Fakten gibt es über 300 bekannte Krebsarten. Dennoch gibt es klare Tendenzen. Das sind die häufigsten Krebsarten in der Schweiz:
Prostatakrebs
Der häufigste Krebs, der sich einteilen lässt, ist Prostatakrebs. Jährlich erkranken 8300 Männer an der Krebsart. «Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebsart bei Männern in der Schweiz», schreibt die Klinik Hirslanden auf ihrer Website und bestätigt somit die Zahlen der Krebsliga Schweiz.
Brustkrebs
Rund 14 Prozent aller Krebserkrankungen der Schweiz sind gemäss der Krebsliga Brustkrebs. Rund 6800 Personen – oftmals Frauen – Personen sind jährlich von dieser Krebsart betroffen und kommen am häufigsten bei diesem Geschlecht vor. Auch Männer sind mit einem kleinen Anteil vertreten.
Lungenkrebs
Lungenkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten die sowohl bei Männern als auch Frauen auftritt. Häufigster Auslöser für diese Krebsart ist gemäss US-Pharmaunternehmen MSD Rauchen: «Etwa 80-90 Prozent der Lungenkrebs-Todesfälle lassen sich auf das Rauchen zurückführen.»
Dickdarmkrebs
Der Dickdarmkrebs trifft laut der Krebsliga Schweiz rund 4600 Personen jährlich. Dickdarmkrebs ist bei Männern und Frauen die dritthäufigste Krebsdiagnose. Darmkrebs entwickelt sich langsam: «Rund 41 Prozent der Betroffenen sind zum Zeitpunkt der Diagnose über 75 Jahre alt», erklärt die Nationale Krebsregisrierungsstelle und verweist darauf, sich frühzeitig untersuchen zu lassen.
Hautkrebs
Wer denkt, dass Hautkrebs eine Rarität in der Schweiz sei, der irrt. «Die Schweiz gilt als Hochrisikoland für Hautkrebs, weil die UV-Strahlung in den Bergen hoch ist und viele Schweizerinnen und Schweizer in sonnige Länder reisen», führt die Schweizerische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie auf ihrer Website aus. Hierzulande erkranken rund 3500 Personen jährlich an schwarzem Hautkrebs.
Nicht alleine mit dem Krebs
Krebs ist weder eine Seltenheit noch ein Todesurteil. Und dennoch: Krebs wird weiterhin stark stigmatisiert, wie der Psychoonkologe Jan Schulze in einem Interview des Unispital Zürichs erklärt. Die Psychoonkologie ist ein wichtiger Teil der Krebstherapie, denn eine Diagnose wirkt sich auch auf die Psyche aus. Wichtig sowohl der Krebspatient als auch sein Umfeld können psychisch belastet sein: «Häufig sind die Angehörigen sogar höher belastet als die Patienten selbst», erklärt der Psychoonkologe.
Die Krebsliga Schweiz bietet Krebspatienten als auch Angehörigen Hilfe. 18 kantonale und regionale Krebsligen mit über 70 Beratungsstellen in der Schweiz stehen zur Verfügung.
Kurse, Treffen, Workshops sowie Veranstaltungen für Krebsbetroffene und Nahestehende werden von der Krebsliga organisiert. Auch Angehörige können sich bei der «Peer-Plattform» mit anderen Angehörigen austauschen.
Vor den physischen Treffen stehen auch folgende Optionen zur Verfügung:
Krebstelefon: 0800 11 88 11
Chat für Erwachsene: Cancerline für Erwachsene
Chat für Jugendliche und Kinder: Cancerline
WhatsApp-Chat: +41 31 38 99 240
Die Krebsliga Schweiz bietet Krebspatienten als auch Angehörigen Hilfe. 18 kantonale und regionale Krebsligen mit über 70 Beratungsstellen in der Schweiz stehen zur Verfügung.
Kurse, Treffen, Workshops sowie Veranstaltungen für Krebsbetroffene und Nahestehende werden von der Krebsliga organisiert. Auch Angehörige können sich bei der «Peer-Plattform» mit anderen Angehörigen austauschen.
Vor den physischen Treffen stehen auch folgende Optionen zur Verfügung:
Krebstelefon: 0800 11 88 11
Chat für Erwachsene: Cancerline für Erwachsene
Chat für Jugendliche und Kinder: Cancerline
WhatsApp-Chat: +41 31 38 99 240
Wer betroffen ist, muss diesen Weg nicht allein gehen – in der Schweiz stehen zahlreiche Hilfsstellen für medizinische, psychologische und soziale Unterstützung bereit.