Darum gehts
- «Das Zelt» stoppt Tournee am 30. Mai, Shows fallen aus
- Projekt «The Dome» sprengt Budget, 73 Künstler verlieren Gagen
- Betroffen sind unter anderem Sina, Florian Ast oder Piero Esteriore
Es ist ein historischer Tiefschlag in der 24-jährigen Erfolgsgeschichte von «Das Zelt»: Das visionäre Riesenprojekt «The Dome» hat das Budget endgültig erdrückt, jetzt muss das Unternehmen die Tournee des grössten mobilen Theaters des Landes per 30. Mai stoppen. Shows in St. Gallen und Luzern fallen ins Wasser, um den Konkurs abzuwenden.
Für die 73 gebuchten Künstlerinnen und Künstler, die kurz vor Pfingsten durch Direktor Adrian Steiner (58) vom Tourneestopp erfahren haben, bedeutet das nun den plötzlichen Ausfall ihrer Auftritte und der entsprechenden Gagen. Eine No-Show-Versicherung gibt es nicht. Auch Ticketrückerstattungen gibt es vorerst keine, da die liquiden Mittel fehlen.
Tour-Aus kommt nicht überraschend
Adrian Steiner kämpft hinter den Kulissen weiterhin ums Überleben seines Lebenswerks und plant den Neustart für den kommenden Herbst. Doch wie erleben die Stars diese plötzliche Zwangspause? Wir haben bei den prominentesten Gesichtern von «Das Zelt» nachgefragt. Nicht alle wollen sich dazu äussern. Andere zeigen Verständnis für Steiners Massnahme und stärken ihm den Rücken.
So Mundartstar Florian Ast (50): «Ich finde es sinnvoll, dass sich ‹Das Zelt› die Zeit nimmt, innezuhalten und sich neu auszurichten.» Ast habe die Zusammenarbeit mit dem Veranstalter stets als fair empfunden, über mögliche Veränderungen sei er vorgängig informiert worden. «In unserer Branche gehört es dazu, dass sich Situationen verändern können.» Sollte es im Herbst weitergehen, «bin ich selbstverständlich wieder dabei».
Auch für Sänger Patric Scott (39) kommt die Zwangspause nicht gerade überraschend: «Das Thema Finanzen war schon länger eine grosse Herausforderung. Da ich nebenbei eigene Konzerte spiele und aktuell viel Zeit im Tonstudio als Produzent verbringe, wird es mir zum Glück nicht langweilig.» Nach dem Aus der Musikveranstaltung «Weihnachtszauber» in Lachen SZ werde nun ein zweites Engagement nicht weitergeführt: «Da macht man sich natürlich Gedanken, wohin sich die Branche entwickelt.»
«Ein harter Schlag für die ganze Showbranche»
Sängerin Börni Höhn (39), die für «Das Zelt» wie Scott bei der «The 80's Live Show» mitwirkte, habe bereits im März von den Herausforderungen gehört. «Trotzdem hofft man immer, dass der Spielbetrieb weiterlaufen kann. Wichtig finde ich aber, dass jederzeit sehr offen und transparent mit uns kommuniziert wurde.» In ihrem Team hätten sie das Glück, dass das Unternehmen Cream of Rock, das «The 80's Live Show» coproduziert, für die Gagen einspringe. «Dafür bin ich sehr dankbar. Gleichzeitig hoffen natürlich alle, dass es mit ‹Das Zelt› nach der Reorganisation weitergeht.» Persönlich nutze sie die Showpause einfach als «etwas ruhigere Phase während meiner Schwangerschaft».
Auch die Berner Popsängerin Jaël Malli (46) sei sich bewusst gewesen, dass nicht alles rundlief: «Aber mit dieser dramatischen Entwicklung habe ich trotzdem nicht gerechnet. Es ist schade um jeden Gig, den ich nicht spielen kann. Deshalb ist diese Einbusse sicher schmerzhaft.» In existenzielle Schwierigkeiten gerate sie wegen der ausbleibenden Gage zum Glück aber nicht, weil es zurzeit grundsätzlich gut laufe bei ihr.
Deutliche Worte findet Piero Esteriore (48): «Das ist ein harter Schlag für mich und die ganze Showbranche», so der Sänger und Entertainer. «Ich hänge zurzeit bezüglich ‹Das Zelt› völlig in der Luft, auch weil die Faktenlage noch nicht wirklich klar ist. Finanziell ist es immer eine grosse Herausforderung, wenn Verträge nicht eingehalten werden können.» Er betont den wichtigen Beitrag zur Schweizer Kultur, den «Das Zelt» leiste. «Umso trauriger macht mich die aktuelle Entwicklung. Mein grösster Dank gilt den Menschen, die bereits Tickets gekauft und sich auf die Konzerte gefreut haben.»
«Jede Absage schmerzt»
Showmagier Peter Marvey (54) stellt sich hinter Direktor Adrian Steiner und dessen Entscheidung: «Mich persönlich hat Adrian bis diesen Monat immer bezahlt, respektvoll behandelt und mir gegenüber grosses Vertrauen gezeigt.» Dass ihnen für den Sommer zwei Shows abgesagt wurden, sei natürlich schade, doch er könne die Situation nachvollziehen. «Ich fände es schön, wenn man eine Kulturinstitution wie ‹Das Zelt› in einer schwierigen Phase eher unterstützen würde, statt zusätzlich einen grossen negativen Wirbel zu erzeugen», so Marvey. «Leid tun mir in erster Linie die Artistinnen und Artisten, die auf ihre Gagen angewiesen sind und nun in eine schwierige Lage geraten.»
«Betreffend den finanziellen Auswirkungen kann ich nur für mich selber sprechen«, sagt Gitarrist Zlatko «Slädu» Perica (57). «Weil ich beruflich breit aufgestellt bin, tangiert mich der Stopp nur zum Teil. Trotzdem schmerzt natürlich jede Absage. Sollte ‹Das Zelt› irgendwann wieder gesund aufgestellt sein, wäre ich gerne dabei. Es ist nach wie vor eine der tollsten und innovativsten Kulturinstitutionen unseres Landes.»