Darum gehts
- Verein startet Crowdfunding-Kampagne für «Das Zelt», Ziel: 2,5 Millionen Franken zur Rettung
- Musiker Slädu und Gründer Adrian Steiner mobilisieren Unterstützer und Sponsoren
- Seit 25 Jahren über 3,5 Millionen Besucher, Zukunft der Plattform ungewiss
«Das Zelt» soll gerettet werden! Die Veranstaltungsstätte, die in den letzten Wochen durch ihre ins Wanken geratenen Finanzen Schlagzeilen machte, soll wieder in die richtige Bahn geführt werden. Angekündigt wurde von «Das Zelt» selbst schon eine Aktion mit Partizipationsscheinen, nun wurde auch ein Verein ins Leben gerufen. Das Ziel: «Rettet das Zelt!»
Mittels Crowdfunding will der Veranstalter und Musikmanager Piero Vecchioli, der die Aktion innert kürzester Zeit startete, mit Freunden und Geschäftspartnern Geld für den Betrieb der Tourneestätte sammeln. 2,5 Millionen Franken sollen zusammenkommen. «‹Das Zelt› ist dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Denn ‹Das Zelt› steht vor einem vorübergehenden Liquiditätsengpass, der durch die zyklische Natur des Geschäftsmodells entstanden ist und durch das Ausbleiben eines schriftlich zugesicherten Investitionskredites akzentuiert wurde», schrieben die Initianten in einer Mittelung. «Zusätzlich haben die Nachwirkungen der Corona-Pandemie die Situation verschärft.»
Slädu, Remo Forrer, Piero Esteriore und Marc Storace gehören zu den Unterstützern
Als Unterstützer mit dabei ist Musiker Slädu (57), der seit letztem Jahr auch die musikalische Leitung der Shows «Schwiizer Hits» in «Das Zelt» innehat und 2012 mit seiner Solo-Tour mit «Das Zelt» unterwegs war. «Ich habe ‹Das Zelt› als Plattform unheimlich viel zu verdanken. Es ist seit 24 Jahren eine enorm wichtige Institution für unsere Kulturlandschaft», sagt er. Er wird auch selbst aktiv, was die Mobilisierung für das Crowdfunding angeht. «Ich nutze natürlich meine Kontakte aus meinen 30 Jahren in der Branche, um nicht nur Künstler, sondern auch Manager und Veranstalter, die den Wert dieser Plattform kennen, zu erreichen.»
Auch andere Namen unterstützen die Geldsammlung. Darunter Sänger Remo Forrer (24), Musiker Piero Esteriore (48) und Krokus-Star Marc Storace (74): «Ich war zehn Jahre bei ‹Das Zelt› dabei, die Stimmung war immer einzigartig. Spendet, damit dieser Veranstaltungsort weiterhin unterwegs ist», sagt er.
«Die Aktion kommt im richtigen Moment»
Der Gründer von «Das Zelt», Adrian Steiner (58), freut sich über das Engagement. «Ich bin sehr dankbar. Die Aktion kommt für mich unerwartet, aber im richtigen Moment», sagt er. «Wir sind die grösste nicht subventionierte Plattform für die darbietende Kunst in der Schweiz. Dass von dieser Seite jetzt eine Initiative kommt, erfüllt mich mit grosser Freude und Dankbarkeit.» Wie er und Vecchioli künftig zusammenarbeiten, werde zu einem späteren Zeitpunkt diskutiert.
Die beim Crowdfunding angepeilten 2,5 Millionen Franken decken den Betrag, der laut einem Bericht vom «Beobachter» von Mitte März die Schulden von «Das Zelt» ausmachen. Das Magazin bezog sich darin auf einen achtseitigen Betreibungsregisterauszug, in dem offene Rechnungen von über 2,5 Millionen Franken aufgeführt waren.
Alle Löhne seien bezahlt
«In diesem Betrag ist ein Darlehen von 1,5 Millionen drin. Mit dem Darlehensgeber stehe ich im konstruktiven Gespräch. Weitere rund 300'000 Franken werden bestritten», erklärt Adrian Steiner. «Wir haben aktuell alle Löhne bezahlt, und der Betrieb geht ganz normal weiter.» Trotzdem sei die Lage angespannt. «Es ist unabdingbar, dass die Leute und auch Sponsoren uns vertrauen und treu bleiben. Und dass wir am Ende auch wieder viele Tickets verkaufen.» Der Absatz sei seit Bekanntwerden der finanziellen Lage rückläufig, so Steiner.
«Das Zelt» selbst hat bereits Mitte März eine Aktion zur Stärkung der eigenen Finanzen angekündigt. Interessierte können ab 250 Franken Partizipationsscheine erwerben und erhalten Freikarten für Veranstaltungen. «Ziel ist es, die Finanzen auf solide Beine zu stellen», erklärt Steiner. Beim Crowdfunding gibt es für die Spende kein Mindestbetrag.
Nächste Tage richtungsweisend
Für Steiner werden die nächsten Tage richtungsweisend. «Wir hatten seit 2002 rund 3,5 Millionen Besucherinnen und Besucher und konnten vielen Menschen Freude bereiten. Ich glaube, gerade in einer schwierigen Zeit ist es wichtig, Orte für gemeinsame Zuversicht zu haben, damit man den Glauben an die Zukunft nicht verliert», sagt er. «Meine Hoffnung ist, dass das Zelt auch in den nächsten 25 Jahren ein fester Bestandteil der Schweizer Kulturlandschaft bleibt – in den Regionen, für Schweizer Künstlerinnen und Künstler und als Plattform für den Nachwuchs.»
Hier geht es zum Crowdfunding. Ringier Medien Schweiz war bis März 2026 mit Blick und Schweizer Illustrierte Medienpartner der «Das Zelt»-Shows.